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Die andere Foto-Seite des Holger Wieland: Gut getarnt liegt er stundenlang in seinem Unterstand auf der Lauer.

Porträt

Die zwei Foto-Seiten des Holger Wieland

Seine Sportfotos sind heiß begehrt: Vor allem in der Eishockeyszene hat sich Holger Wieland einen Namen gemacht. Bei jedem Heimspiel des EC Peiting steht er mit Kamera an der Bande, um die besten Szenen festzuhalten. Doch Wieland hat auch eine andere Seite der Fotografie entdeckt. Und bei der ist vor allem Geduld gefordert.

Schongau – In einem Abstellraum des Peitinger Eisstadions kauert Holger Wieland vor seinem Laptop. Eine auf den Kopf gestellte Bierkiste dient ihm als provisorischer Schreibtisch. Wieland durchforstet in Windeseile die Bilder, die er im ersten Drittel des Heimspiels des EC Peiting geschossen hat. „Hier habe ich das beste Netz“, so sein kurzer Kommentar.

Dann ist er wieder voll konzentriert bei der Auswahl seiner Fotos. Die ihm am besten gelungenen speichert er ab und schreibt dazu eine Bildunterschrift. Dann ab die Post damit in die Redaktionen. Schließlich will der Leser nachts noch aktuell online und am nächsten Morgen im Print informiert werden.

So kennt man Holger Wieland: Mit der Kamera an der Bande im Peitinger Eisstadion.

Für diese Art der Fotografie muss man einen schnellen Zeigefinger haben. Und eine gewisse Vorahnung, wie sich ein Spielzug entwickeln kann. Wieland hat diese Vorahnung. Schließlich hat er selbst gut 20 Jahre als Spieler auf dem Eis gestanden. Vorteile, die nicht von der Hand zu weisen sind. Das ist die eine fotografische Seite des Holger Wieland.

Dann gibt es aber auch noch die andere Seite, bei der Zeit für ihn keine Rolle spielt. Da wird die Zeit quasi zum Geduldsspiel. Wieland wechselt in die freie Natur, wo sein Augenmerk vor allem Vögeln gilt: Vom Punktspiel zur Kür, könnte man sagen, denn die Pirouetten der gefiederten Zweibeiner lassen sein Herz höher schlagen.

Vor allem der Mäusebussard fordert immer wieder Wieland viel Geduld ab. Zahlreiche Situationen dieses scheuen Tieres hat er schon mit seiner Kamera einfangen können. Bilder, die nicht nur ihn begeistern, sondern auch in Fachpresse.

Klar, dass man nicht einfach in den Wald gehen kann, einmal abdrückt und einen super Schnappschuss erhält. Neben Geduld ist natürlich eine umfangreiche Tarnung von Gesicht, Körper und Kamera erforderlich. „Ohne die geht gar nichts. Durch diese verschwindet man in der Welt der Tiere“, so Wieland.

Dazu ist grenzenlose Ruhe eine Voraussetzung. Die war ihm in den Anfängen seiner Tierfotografie oft nicht gegeben. Immer wieder kamen Jogger oder Spaziergänger in seine Nähe und verjagten die begehrten Motive.

Ein besonderer „Zwischenfall“, ereignete sich im Schongauer Forst: Wieland lag in einem Gebüsch abseits des Weges auf der Lauer. Tarnfarbene Kleidung, das Gesicht geschwärzt, die Kamera in Position. Plötzlich eine Nordic-Walkerin: Sie hat ein gewisses menschliches Bedürfnis – schnurgerade in Richtung des am Boden liegenden Fotografen. Der wollte verhindern, dass ihm die Frau zu nahe kommt und gab leise Zischlaute. Die wurden aber nicht gehört, also sagte er ein zaghaftes „Hallo“. Das saß: Zuerst das Gesicht der Frau schreckverzerrt, dann gellende Schreie und panische Flucht, so die Reaktion der Frau.

Seitdem wählt Wieland die gesündere Variante für Mensch und Fotograf: Er weicht zu einem kleinen Weiher eines Freundes weit abseits der Zivilisation aus und zimmert sich einen hölzernen Unterstand. „Wenn es mir die Zeit erlaubt, lege ich mich ab morgendlichem „Büchsen-licht“ in Position“, erzählt Wieland. Das Licht muss stimmen, damit die Farben und Details des Gefieders zur Geltung kommen.

Geduld hat er neben der Brotzeit sackweise mit im Gepäck. Vier, fünf Stunden Beobachtung, dann für 20 oder 30 Sekunden die Möglichkeit, den begehrten Schuss mit der Kamera abzugeben. Danach: aus die Maus. Wenn dann so eine seiner sehenswerten Aufnahmen gelingt, hat sich das lange Warten für Wieland gelohnt.

VON HANS-HELMUT HEROLD

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