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Der Eigentümer braucht für die Abrechnung Hausnummern, aber die Lechwerke lassen mit sich reden. 

Aus dem Bauausschuss

Schongau: Posse um Hausnummern

  • Elke Robert
    vonElke Robert
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Eigentlich geht es nur um zwei kleine Zahlen: Ein Schongauer Musiklehrer braucht für seine Gewerberäume am Bahnhof einen neuen Stromanbieter. Allerdings haben die beiden Gebäude bisher keine Hausnummern. Die Stadt zögert, weil eine Wohnnutzung ausgeschlossen werden soll. Eine Lösung ist dennoch in Sicht.

Schongau – Bettina Buresch war es, die in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses das Thema aufs Tapet brachte. Der Schongauer Musiker und Musiklehrer Michael Waibl hatte schriftlich einen Antrag an den Bauausschuss gestellt auf Erteilung von Hausnummern. Seit 2011 Eigentümer von zwei Flurgrundstücken in der Perlachstraße am Bahnhof, hatte er bisher seinen Strom direkt über die Bahn bezogen. Nun soll der Wechsel von DB Energie zur Lechwerke AG Augsburg (LEW) erfolgen, die aber für die Abrechnung nicht nur Flurnummern, sondern auch Hausnummern benötigt. „Hier geht es um Kulturschaffende, die das kulturelle Leben in Schongau bereichern“, machte sich die Stadträtin dafür stark, das Thema auf kurzem Weg zu klären, zumal der Antragsteller auch als Zuschauer die Sitzung verfolgte. Eine Diskussion sei durchaus von öffentlichem Interesse.

Proberäume und Musikstudios für Aufnahme und Unterricht 

In den genannten Gebäuden befinden sich Proberäume, Musikstudios für Musikunterricht und Tonaufnahmen/Musikproduktionen. Schon seit 1994 waren die Gebäude als Proberäume von der Bahn angemietet worden. Viele Bands und Musiker nutzen nach Waibls Angaben die Räumlichkeiten um zu proben, ihre Musik zu produzieren und an ihrer Karriere zu arbeiten. Von Mary Lou, Schwindlig Blos und Bellibone über The Tasters, Skip Jones und Tante Droll bis hin zu Cemetery und Organ Explosion reicht die Liste, die ebenso bunt wie musikalisch vielfältig ist. Mit dabei etwa auch The Mains, Swinging Cotelettes und Mondscheinpiloten. Auch Musikunterricht findet dort seit vielen Jahren statt – für Gitarre, Keyboard, Klavier, Trompete und Schlagzeug mit unterschiedlichsten Lehrern. Außerdem würden dort Lehrbücher aufgenommen. „Ich bin selbst seit 1996 selbstständiger Musiker und Musiklehrer mit Herz und Leidenschaft. Deshalb ist es meine Passion, diese kulturelle Oase zu optimieren“, so Waibl.

Stadt nicht ganz glücklich über Öffentlichkeit  

Nicht ganz glücklich zeigte man sich seitens der Stadt, dass die Hausnummern-Frage in einer öffentlichen Sitzung zur Sprache kam. Es handele sich um ein Thema der laufenden Verwaltung, man sei dabei, dies schriftlich zu klären, erläuterte Bürgermeister Falk Sluyterman. „Sie können davon ausgehen, dass die Verwaltung das Thema nach Recht und Gesetz behandeln wird“, versicherte der Rathauschef.

Im Prinzip soll auch dauerhaft eine Wohnnutzung ausgeschlossen werden, worum es dem Antragsteller aber gar nicht gehe, wie er betont. Beim Landratsamt sei eine rein gewerbliche Nutzung eingetragen, neben den Proberäumen und dem Tonstudio gebe es lediglich einen – eingetragenen – Aufenthaltsraum. Neben den Lechwerken sei eine Hausnummer auch wichtig für die Abrechnung mit der Telekom, für Anbieter von Gebäudeversicherungen oder auch dem Rettungsdienst, damit man im Notfall eine eindeutig zuweisbare Adresse habe, argumentiert Waibl.

Lechwerke sagen zu: Notfalls geht es auch ohne Hausnummer 

Bei Beauftragung eines Hausanschlusses sei in der Regel eine Hausnummern-Abfrage üblich, erklärt Ingo Butters, Sprecher bei der Lechwerke AG Augsburg. Deshalb hätten die Kollegen in der Schongauer Zweigstelle diese eingefordert. Hintergrund sei vor allem, dass es Grundstücke mit mehreren Hausanschlüssen gebe, eine eindeutige Zuordnung müsse aber gewährleistet sein. Ein Problem sieht er für die beiden Schongauer Flurnummern jedoch nicht: „Wenn keine Hausnummer vorhanden ist, wird der Stromanschluss trotzdem hergestellt“, so der Pressesprecher. „Daran scheitert es nicht“, verspricht er.

Vorkaufsrecht für bebaute wie unbebaute Flurnummern im Gebiet „Bahnhofsareal“ hat im Übrigen die Stadt. Heuer soll Baustart sein bei den Gleisen für einen Mittelbahnsteig, danach soll das Bahnhofsumfeld angegangen werden inklusive Busbahnhof, Parkplätzen und Radlständern.

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