Der achte Band der Henkerstochter-Romanserie.

Corona-Parallelen

Prophet Pötzsch und die Pest: Neues Henkerstochter-Buch

  • Boris Forstner
    vonBoris Forstner
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Autor Oliver Pötzsch hat den achten Band seiner Henkerstochter-Romanreihe veröffentlicht. Es geht diesmal nach Kaufbeuern und dreht sich unter anderem um die Pest.

Schongau – Hoch und heilig schwört Oliver Pötzsch, dass er keine hellseherischen Fähigkeiten hat. Eine Seuche, Ausgangssperre, Schutzmasken – tatsächlich liest sich sein neuer Roman „Die Henkerstochter und der Fluch der Pest“ so, als wäre er bewusst in die Corona-Zeit gesetzt worden. Ist natürlich Unsinn, die Recherche für das neue Buch um den Schongauer Scharfrichter Jakob Kuisl und seine Familie hatte weit vor Corona begonnen. Trotzdem hat Pötzsch sein bereits geschriebenes Nachwort in den Papierkorb geworfen und aufgrund der aktuellen Ereignisse ersetzt (siehe Interview unten).

Wobei das Thema Pest bei einer mittelalterlichen Romanserie natürlich auf der Hand liegt. Bisher wurde es nur kurz in Rückblicken angeschnitten, doch im mittlerweile achten Band der Serie nimmt sie die Hauptrolle ein – ebenso wie Ratten. Wer die Tiere nicht leiden kann, muss bei den zum Teil drastischen Schilderungen schnell drüberlesen – angefangen beim wie immer faszinierenden Prolog, in dem ein Söldner quasi den Ratten zum Fraß vorgeworfen wird.

Henkerstochter: Diesmal geht es nach Kaufbeuren

Oliver Pötzsch hat ein neues Henkerstochter-Buch veröffentlicht.

Sieben Jahre lässt Pötzsch seit dem bisher letzten Roman vergehen, so lange hat er sich noch nie Zeit gelassen. Das hat den Vorteil, dass die ungleichen jugendlichen Enkel Peter (klug) und Paul (Rabauke) mehr in den Fokus rücken. Der eine ist 1679 ein enger Freund des Kronprinzen Max Emanuel, der andere soll Henkergeselle bei seinem Onkel Georg werden, der wiederum in Schongau endlich seinen Vater Jakob Kuisl ablösen will. Auch wenn fast die ganze Familie um die Kuisl-Töchter Magdalena und Barbara in München lebt, spielt der Roman anderes als zuletzt wieder in einigen Teilen in Schongau.

Hauptort ist aber Kaufbeuren, der erste Sprung ins nahe Allgäu. Der örtliche Henker stattet Kuisl kurz vor seinem Pest-Tod noch einen Besuch ab und übergibt eine mysteriöse Botschaft, weshalb sich Vater Jakob mit Tochter Magdalena und Schwiegersohn Simon sogleich auf die Reise dorthin machen – auch, um eine Spur des verschollenen Peter zu finden, der dort eigentlich auftauchen sollte, aber nicht gekommen ist. In Kaufbeuren stoßen der Henker und seine Familie wie immer auf eine rätselhafte Todesserie, die Pötzsch gewohnt spannend beschreibt und so viele mögliche Verdächtige wie etwa einen schwarz gekleideten Meuchelmörder ins Spiel bringt, dass der Leser bis zum Schluss nicht weiß, wer hinter der Verschwörung steckt.

Henkerstochter: Ortskundige Leser müssen schmunzeln

Schmunzeln muss der ortskundige Leser, als die Schongauer Fronveste von dem schwarz gekleideten Attentäter gesprengt wird – zum einen, weil das an diesem Platz stehende Münzgebäude eben erst fertig saniert wurde, zum anderen, weil es um den Namen des neuen Platzes viel Diskussion gab, ehe er jetzt doch „Bei der Fronveste“ heißt. Ansonsten enttäuscht Pötzsch die Fans seiner Romanserie kein bisschen, er spricht im Nachwort schon über den nächsten Teil – mit weitreichenden Änderungen. Denn, so viel sei verraten, wegen seiner ständigen Strawanzereien in andere Städte ist Jakob Kuisl als Schongauer Henker abgesetzt und sein Sohn Georg zum Nachfolger ernannt worden. Da steckt Zunder drin – wir freuen uns schon auf Folge neun und wohin sie führt. 

„Die Henkerstochter und der Fluch der Pest“ ist im Ullstein-Verlag erschienen, hat 736 Seiten und kostet 10,99 Euro

Interview mit Oliver Pötzsch zum neuen Henkerstochter-Buch: „Die Parallelen sind schon etwas unheimlich“

Das Thema einer Seuche mit all ihren Auswirkungen kommt einem derzeit sehr bekannt vor. 

Ja, tatsächlich sind die Parallelen zur jetzigen Corona-Krise so bizarr, dass ich es zuerst kaum glauben konnte. 

Inwiefern? 

Als ich vor über einem Jahr anfing, diesen Roman zu konzipieren, waren die schrecklichen Ereignisse, die meinen Helden widerfahren, ganz weit weg, eben über dreihundert Jahre. Und jetzt liest sich der Roman so, als hätte ich ihn bewusst in Anlehnung an die Corona-Pandemie geschrieben. Aber das ist nicht so, ich schwöre es! Ich hätte mir nicht träumen lassen, dass auch heutzutage Ortschaften, ja, ganze Länder, aus Quarantänegründen abgeriegelt werden, wie es in meinem Roman geschieht – dass es zu strengen Reiseeinschränkungen, Hygienevorschriften, Hamsterkäufen und abgesagten Großereignissen kommt. Selbst die Schutzmasken tauchen ja bei mir auf, nur sind es eben keine Kaffeefilter, sondern die berühmten schnabelförmigen Pestmasken. Das ist schon ein bisschen unheimlich. 

Ihrer echten Familie geht es gut? 

Das ist noch so eine Parallele: Im Roman sitzt Magdalenas Sohn Peter in einem bayerischen Dorf fest, wo die Pest ausgebrochen ist. Mein eigener Sohn kam als Backpacker wochenlang nicht aus Peru weg. Er harrte dort in einer Dschungelstadt in einem Hostel aus – wobei ich sagen muss, dass meine Frau und ich uns viel mehr Sorgen gemacht haben als er. Andere Reisende durften ja nicht mal ihr Zimmer verlassen, das war wie Gefängnis. Ich will auf keinen Fall eine Pest-Epidemie im Mittelalter mit der jetzigen Situation vergleichen. Die Forschung ist Gott sei Dank viel weiter, und das Virus auch lange nicht so tödlich! Aber es wäre schon interessant, sich zu überlegen, wie die Bevölkerung heutzutage, mit all den neuen Medien und der daraus resultierenden Hysterie, auf eine Pandemie reagieren würde wie dem Schwarzen Tod – mit einer Sterblichkeit von über 30 Prozent. Ob wir dann immer noch Klopapier hamstern? 

Sie sind ja quasi stets im Homeoffice. Gibt es schon Ideen für den nächsten Roman? 

Mal sehen, was mir für die Kuisls noch alles einfällt. Aber ein wenig abergläubisch bin ich schon geworden. Es ist ja nicht das erste Mal, dass ich über etwas schreibe, was dann wirklich eintritt. Man sollte da vorsichtig sein...

bo

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