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Nur vereinzelt wird die Hol- und Bringzone am Schongauer Schulzentrum von den Eltern genutzt.

Protestbrief

Realschule Pfaffenwinkel: Harsche Kritik an Stadt und Stadtrat wegen neuer Hol- und Bringzone

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Die neue Hol- und Bringzone am Schongauer Schulzentrum wird einige Wochen nach ihrer Einführung von den Eltern überschaubar angenommen. Für Armin Eder, Leiter der Pfaffenwinkel-Realschule, kein Wunder: Er hat in Abstimmung mit den Schülersprechern und dem Elternbeirat eine geharnischten Protestbrief zum „hohlen Zönchen“ verfasst, in dem Stadt und Stadtrat massiv attackiert werden.

Schongau – Das Chaos am Köhlerstadl-Parkplatz sowie der Fanschuhstraße verhindern, wenn Eltern ihre Kinder morgens und mittags zur Schule bringen oder wieder abholen – das war das klare Ziel der Hol- und Bringzone an der Marktoberdorfer Straße. Doch bisher ist der Erfolg überschaubar, wie Schulweghelferin Janine Böck erzählt. An ihrem Tätigkeitsbereich im Bereich des Köhlerstadels steigen Schüler morgens zwar vermehrt in der neuen Zone aus, mittags aber habe sich noch nicht viel geändert – insgesamt nutzen nur wenige Eltern den neuen Verkehrsweg.

Das kann daran liegen, dass sich die neue Möglichkeit noch nicht herumgesprochen hat. Für Armin Eder, Leiter der Pfaffenwinkel-Realschule, liegt der Grund dagegen an anderer Stelle: „Die Hol- und Bringzone ist rückständig, unnötig, unpraktikabel und Steuerverschwendung“, so sein vernichtendes Urteil, das er in einer Pressemitteilung an die Schongauer Nachrichten geschickt hat, und zwar im Namen von Schulleitung, Schülersprechern und Elternbeirat.

„Die Schülersprecher haben sich extrem aufgeregt über das Projekt“, sagt Eder. Weil man nicht wollte, dass es nur gegen die Eltern geht, die ihre Kinder zur Schule fahren („Elterntaxis“), habe man sich auf eine gemeinsame Marschroute verständigt – und jetzt sind Stadt und Stadtrat das Ziel der Kritik. Tenor: Mit der Hol- und Bringzone werde die Verwendung von Elterntaxis noch gefördert, sie sei Steuerverschwendung und nicht mehr zeitgemäß.

Viele biegen schon am Kreisel ab

Eder weiß, warum die Hol- und Bringzone zumindest von Realschul-Eltern nicht genutzt wird. „Ganz klar: Wer morgens von Schongau-West kommt, biegt bereits im Kreisel zur Schule ab und lässt sein Kind dort aussteigen. Wenn er bis zum hohlen Zönchen fährt, muss er jedoch weiterfahren in die Stadt, weil er gar nicht umdrehen kann.“ Ähnlich laufe es von der anderen Seite her – wer aus Richtung Stadt komme, muss zuerst eine Runde im Kreisverkehr drehen und lasse sein Kind dort heraus, nicht 100 Meter weiter in der Hol- und Bringzone.

Die Kritik der Schule geht aber noch weiter: Die „laut Stadtbaumeister“ Kosten von 200 000 Euro hätten viel besser in die Radwege investiert werden sollen. „Der Rößlekellerberg ist wirklich gefährlich, da hätte man mit dem Geld sicher etwas verbessern können“, sagt Eder. So jedenfalls werde verhindert, dass Kinder zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Schule kommen. „Wie fördert die Stadt Schongau die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen?“, heißt es in dem Schreiben.

Weitere Kritikpunkte: Die Hol- und Bringzone sei, abgesehen davon, dass sie als Modell veraltet sei, auch zu kurz, um für 2000 Schüler effektiv sein zu können. Nicht zutreffend ist die Behauptung, der Beschluss im Stadtrat sei einstimmig gefallen und sei von Räten unterstützt worden, die sich sonst „zumindest verbal“ für den Klimaschutz einsetzen. Der zweite Beschluss im Oktober 2018 fiel mit 13 zu 10 Stimmen knapp aus, bereits eine vorhergehende Abstimmung war umstritten gewesen. 

Dennoch: „Die umweltschädliche Verschwendung (höchste CO2-Emissionen für die Herstellung von einem Meter Asphalt) lehnen wir ab und wundern uns über die Vernichtung von Pflanzen, die zugunsten des Asphalts weichen mussten.“ Was Eder außerdem ärgert: Bei einem Treffen aller Schulen am Schulzentrum habe man vor zwei Jahren die Hol- und Bringzone einstimmig abgelehnt – „und der Stadtrat hat trotzdem zugestimmt, ohne noch einmal mit uns darüber zu sprechen“, so Eder.

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