Anblick von gerissenem Reh in Schongau sorgt für Entsetzen - Jagdpächter reagiert
+
Dieses Tier wurde in der Dornau in Schongau vermutlich von einem Hund gerissen.

Auf Wiese in Schongau

„Extrem, was da passiert“: Anblick von gerissenem Reh sorgt für Entsetzen - Jagdpächter reagiert

  • Elke Robert
    vonElke Robert
    schließen

Von einem Reh, das im Dornauer Feld in Schongau vermutlich von einem Hund gerissen wurde, ist nur noch die Hälfte übrig. Ein Jagdpächter und der Stadtförster nennen dazu erschreckende Zahlen.

  • Im Dornauer Feld in Schongau wurde der Kadaver eines schlimm zugerichteten Rehs gefunden.
  • Vermutlich wurde das Tier von einem Hund gerissen. 
  • Jagdpächter Thomas Mayr will bei so etwas nicht länger zusehen. 

Schongau – Es ist ein entsetzlicher Anblick: Der Körper des Rehs ist aufgerissen, ausgeweidet, die Innereien und Fellfetzen liegen in der blutdurchtränkten Wiese. Stadtförster Klaus Thien hat die Fotos von dem noch recht frischen Kadaver gemacht. Unweit des Bauernhofes von Franz Reßle im Dornauer Feld, also nahe am Wohngebiet, muss das Reh von einem Hund gerissen worden sein. 

„Auch dieses Reh wollte wohl nicht mit einem freilaufenden Hund, der nicht wildert und nichts macht, spielen“, formuliert es Thien bewusst sarkastisch. Und nennt mindestens ebenso erschreckende Zahlen, denn solche oder ähnliche Bilder muss er mittlerweile regelmäßig machen. Weil Hundebesitzer ihre Hunde nicht anleinen und diese unbeaufsichtigt außerhalb ihres Einflussbereichs unterwegs sind, werden regelmäßig Rehe gerissen, mindestens vier fand er binnen eines Jahres.

Totes Reh in Schongau: Die Dunkelziffer der gerissenen Tiere ist hoch

„Und die Dunkelziffer ist hoch“, ergänzt Thomas Mayr, Jagdpächter dieses Schongauer Jagdreviers und eines zweiten in Peiting. Denn oftmals findet man die Tiere gar nicht oder erst nach einer gewissen Zeit und in einem wesentlich schlechteren Zustand. Wenn es aber nicht gerade völlig abgemagert war, ist meist klar, dass es nicht eines natürlichen Todes, sondern wegen eines wildernden Tieres starb.

Jagdpächter Thomas Mayr

Erst vor einem halben Jahr hat Mayr ein großes Plädoyer gehalten für die Anleinpflicht. Damals hatte ein befreundeter Jäger in Mayrs Jagdrevier ist Peiting mit ansehen müssen, wie ein Hund ein Reh hetzte, ihm an die Gurgel ging und es totbiss. Er ging mit Bildern und einem Video an die Öffentlichkeit, versuchte wachzurütteln – und ist enttäuscht, denn die Bürger werden eher unvernünftiger, als dass sie Rücksicht auf die Natur nehmen würden. „Es ist eine Katastrophe, jeden Tag halte ich Leute im Revier an, die ihre Hunde nicht an der Leine haben, das ist mittlerweile ein ganz normaler Zustand, sie denken gar nicht mehr darüber nach.“ Auch wenn der Hund nicht jagt, sondern nur im hohen Gras stöbert, reicht dies schon, denn das ungelenke Rehkitz, das sich auf der panischen Flucht vor einem Hund einen Fuß bricht, verendet qualvoll. „Es ist extrem, was da passiert.“

Nach Vorfall in Schongau: Jagdpächter will nicht mehr länger zusehen 

Mayr will nicht mehr länger zusehen, sondern dafür kämpfen, dass sich etwas ändert. Und aufklären. Ein Anfang wäre, sich die Zusammenhänge klarzumachen und sensibler zu werden, meint er. „Die Leute sprechen immer von Wildverbiss, aber keiner weist darauf hin, was alle dagegen tun können, denn dies hängt natürlich direkt mit dem Freizeitverhalten zusammen“, erläutert Mayr. Durch große Unruhe im Wald und den umliegenden Wiesen ziehen sich die Wildtiere von ihren natürlichen Äsungsflächen, wo sie in der Regel keinen Schaden anrichten, in den Wald zurück und fressen dort. „Seinen Pansen muss das Tier trotzdem füllen“, so Mayr. So könne es passieren, dass fünf Rehe, die gestört wurden, mehr Schaden anrichten, als 20, die ungestört bleiben.

Lesen Sie auch: Mit Nachtsichtgeräten zur Rehjagd? Forderung von Grünen-Landtagsfraktionschef empört Jäger. 

Schongau: Die Lösung hört sich einfach an - Ruhezonen ausweisen für das Wild

Die Lösung hört sich gar nicht kompliziert an: „Wir müssen Ruhezonen im richtigen Bereich schaffen“, so Mayr. „Die Kommunen haben diese Möglichkeit, sie sollten davon Gebrauch machen.“ In Oberammergau, wo ein temporäres Betretungsverbot geschaffen wurde, habe dies gut funktioniert, nennt Mayr ein Beispiel. Um dies umsetzen zu können, wünscht er sich, dass sich alle Beteiligten an einen Tisch setzen, und zwar Verantwortliche aus den Bereichen Forst, Jagd und der Gemeinden. „Es geht nur im Miteinander“, ist er überzeugt. Mit Waldbesitzern könne man Fällarbeiten koordinieren, die Jägerschaft könne mehr Aufklärungsarbeit betreiben, die Gemeinden wüssten, wo eine Ruhezone wenig sinnvoll sei.

Stadtförster Klaus Thien

Und Mayr ist keineswegs ein Gegner von Erholung im Wald. „Natürlich sollen die Leute dort spazieren gehen und die Natur genießen“, so Mayr. Deshalb will er auch unbedingt den Bereich Tourismus mit im Boot haben. Denn natürlich mache es wenig Sinn, eine Wildruhezone dort auszuweisen, wo ein Wander- oder Radweg verlaufe. Sein größter Wunsch ist, dass die Bürger „etwas sensibler werden für alle Kreaturen des Waldes. Der Wald ist für alle da, aber auch für das Wild.“ Mayr hofft nun, dass er vor Ort, also bei der Stadt Schongau und der Marktgemeinde Peiting, am besten aber in der ganzen Region offene Türen einrennt.

Und das könnte Sie auch interessieren:

Nach längerer Hetzjagd ging in Peiting ein Hund einem Reh an die Gurgel - ein Jägerfilmte die grausigen Szenen.

In Weilheim hatte ein wildernder Hund eine trächtige Rehgeiß erwischt.

Verantwortungslose Hundebesitzer: Immer wieder kommt es in Bayern zu Wildereien, auch in Murnau.

Schongau-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser brandneuer Schongau-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region Schongau - inklusive aller Entwicklungen rund um die Kommunalwahlen auf Gemeinde- und Kreisebene. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Unbekannter will Schülerin (11) ins Auto locken - Polizei reagiert
Unbekannter will Schülerin (11) ins Auto locken - Polizei reagiert
Ehepaar hat mit Heilkräutergarten ein kleines Paradies geschaffen, zu seinem Glück fehlt ihm jetzt nur noch ein Tiny-House
Ehepaar hat mit Heilkräutergarten ein kleines Paradies geschaffen, zu seinem Glück fehlt ihm jetzt nur noch ein Tiny-House
Gefährlicher Schulweg: Kreisverkehr in der Peitinger Bahnhofstraße sorgt für Ärger
Gefährlicher Schulweg: Kreisverkehr in der Peitinger Bahnhofstraße sorgt für Ärger
Coronavirus: Kind positiv getestet - Kindergarten nimmt Betrieb wieder auf und zieht Konsequenzen
Coronavirus: Kind positiv getestet - Kindergarten nimmt Betrieb wieder auf und zieht Konsequenzen

Kommentare