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Lange rätselte die Polizei da rüber, warum im Juli 2018 zwei Audis, die an der Wilhelm-Köhler-Straße in Schongau geparkt waren, in Flammen aufgingen. 

Vorfall geschah im Juli 2018

Aus Wut über belegte Wäscheleine: Schongauer Rentner zündet Audi an - jetzt wurde er verurteilt

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Alter schützt vor Torheit nicht. Diese bittere Erfahrung mussten die Nachbarn eines Schongauer Rentners machen. Der 71-Jährige zündete im Juli 2018 ihren Audi A 3 an - aus Wut über eine ständig belegte Wäscheleine. Jetzt stand er vor Gericht.

Update vom 11. August

Schongau – Zwei abgebrannte Autos wegen einer ständig belegten Wäscheleine: Ein Nachbarschaftsstreit der besonders heftigen Art hat unlängst das Landgericht München II beschäftigt. Jetzt verurteilte die Strafkammer einen 71-jährigen Schongauer wegen vorsätzlicher Brandstiftung in zwei Fällen, aber auch wegen des Besitzes kinderpornografischer Schriften zu drei Jahren und einem Monat Freiheitsstrafe. 

Die Richter sahen es als erwiesen, dass der Mann aus Rache an seinem Nachbarn dessen Fahrzeug anzündete. Dafür legte er einen Esbitwürfel auf den vorderen linken Reifen, den er anschließend anzündete. 

Der Nachbar, der sich zum Tatzeitpunkt mit seiner Familie im Urlaub befand, hatte stets viel Zeit für Pflege und Wartung in sein Auto investiert. Die Flammen griffen auf den daneben geparkten Wagen über. Er gehörte der Tochter des Nachbarn. An beiden Autos entstand Totalschaden im Wert von insgesamt 68 500 Euro. 

Als der 71- Jährige verhaftet wurde, fand die Polizei auf seinem Handy kinderpornografische Dateien. Angeblich hatte sich der Mann die Bilder zu digitalen Übungszwecken und unbeabsichtigt heruntergeladen. 

Erstmeldung vom 7. August

Schongau – Der Kampf um die Wäscheleine war nur der berühmte Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Mit der Mutter des Autobesitzers stand der 71-Jährige regelrecht auf Kriegsfuß. „Sie glaubt, sie hat die Rechte und ich die Pflichten“, ereiferte sich der Angeklagte.

Er könne im Winter seine Wäsche schlecht draußen trocknen. Deshalb benötige auch er Platz auf dem Speicher. „Ich konnte kommen, wann ich wollte, es war immer voll, selbst, wenn die Wäsche trocken war“, beschrieb der Hausmann seinen Ärger.

Erstmals eskalierte der Konflikt im August 2017. Mit der Faust schlug der 71-Jährige dem Sohn und A 3-Besitzer ins Gesicht. Das Amtsgericht in Weilheim verurteilte ihn zu einer Geldstrafe über 1350 Euro. Die konnte der Angeklagte nicht zahlen und musste eine Ersatz-Freiheitsstrafe von drei Monaten verbüßen.

Sowohl ein A3 als auch ein Audi TT wurden Opfer der Flammen

Kurz zuvor zündete er aber noch das Auto an. Dafür legte er auf den vorderen linken Reifen einen Esbitwürfel und zündete diesen an. Die Flammen griffen auf den daneben geparkten Wagen, einen Audi TT, über. Der gehörte der Tochter des A 3-Besitzers. Der Gesamtschaden belief sich auf knapp 70 000 Euro.

In die U-Haft brachte ihn schließlich aber eine andere Angelegenheit. Auf seinem Handy fand die Polizei kinderpornographisches Material. Seine renommierte Verteidigerin Birgit Schwerdt tat sich schwer, eine schlüssige Erklärung dafür zu finden. „Die Motivlage ist ungeklärt“, sagte die Juristin.

Kinderpornos auf dem Handy

Der Angeklagte selbst begründete die Daten mit seinem Handy-Training. „Man ist da so schnell drin und ich brauch da so lange“, versuchte er, sein Handeln mit einer Mischung aus gewisser Neugierde und einem Ausprobierverhalten zu begründen. „Ich war beschäftigt und wurde fit auf dem Handy“, begründete der 71-Jährige seine strafbare Handlung.

Das Gericht wirkte nicht unbedingt überzeugt. Zuvor hatte es sich geduldig die Lebensgeschichte des gebürtigen Sauerländers angehört. Der hatte in jungen Jahren die „Flucht“ aus Meinerzhagen nach Bayern angetreten, um von seinem gewalttätigen Vater wegzukommen. Er verpflichtete sich für vier Jahre bei der Bundeswehr, machte dort aber keine Karriere.

In München absolvierte er einen Baumaschinisten-Lehrgang und entschied sich dafür, Hochbau-Kranführer zu werden. 20 Jahre arbeitete er in diesem Beruf, bevor er ins Metallgewerbe wechselte und in Schongau landete. 1994 trennte er sich von seiner Frau und musste anschließend eine Therapie absolvieren, um die Trennung zu verkraften. Der Prozess dauert an.

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