Ab Ende des Jahres wird in Schongau die blaue Tonne eingeführt. FOTO. EVAKeine Einführunglandkreisweit

Möglichkeit besteht

Trotz Papiertonne: Sammeln die Schongauer Vereine weiter Altpapier?

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Schongau bekommt als erste Kommune im Landkreis Weilheim-Schongau eine blaue Tonne fürs Altpapier. So hat es der Kreistag beschlossen. Doch ein generelles Aus für die Vereinssammlung in der Stadt bedeutet das nicht.

Schongau – Anfang Juni hatte der Kreisausschuss die Weichen gestellt, jüngst folgte ihm einstimmig der Kreistag.Zum Jahresende werden sich die Schongauer an eine neue Form der Altpapierentsorgung gewöhnen müssen. Zeitungen und Kartonagen landen dann nicht mehr wie bisher im grauen Sack, sondern in der blauen Tonne, die jeder Haushalt kostenlos zur Verfügung gestellt bekommt. Es ist die Abkehr von einem System, das jahrelang tadellos funktioniert hatte. Einmal im Monat sammelten Schongauer Vereine das Altpapier, die Erbenschwanger Verwertungs- und Abfallentsorgungs GmbH (EVA) entlohnte sie dafür. Doch immer öfter musste die EVA in der Lechstadt zuletzt private Unternehmen beauftragen, weil Vereine die zwölf Sammlungen pro Jahr mangels Personal nicht mehr stemmen konnten.

Eine Entwicklung, die auch Walter Frömmrich bestätigen kann. Drei Mal im Jahr sammelte er bislang mit dem THW das Altpapier in Schongau ein. „Wir haben es immer durchgezogen, auch wenn es zuletzt schwieriger geworden ist, die Leute zusammenzubringen.“ Was nicht nur sein Verein zu spüren bekommen dürfte, wenn die blaue Tonne kommt: „Es ist zwar immer eine Schufterei, aber auch gutes Geld für den Verein“, sagt Frömmrich mit Blick auf die Einnahmen, die die regelmäßigen Sammlungen einbringen.

Nachbarlandkreise machen es vor

Entsprechend offen zeigt sich Frömmrich für ein Angebot, das die EVA den Schongauer Vereinen schon Ende vergangenen Jahres in einem Gespräch unterbreitet hatte. Wer weiter sammeln wolle, dürfe das in Zukunft auch –trotz blauer Tonne, so der Tenor aus Erbenschwang. Dass so etwas durchaus in der Praxis funktionieren kann, zeigt ein Blick in die Nachbarlandkreise. In Landsberg, Starnberg und Garmisch-Partenkirchen setzt man seit Jahren auf die blaue Tonne, Vereine sammeln dennoch Altpapier.

Unterschiedlich sind die Konditionen. Während in Garmisch und Landsberg der Landkreis einen Festpreis pro angelieferter Tonne Papier auszahlt, müssen sich in Starnberg die Vereine selbst um die Vermarktung kümmern. In Landsberg werden zudem ausschließlich gebündelte Zeitungen und Zeitschriften gesammelt, während in Starnberg und Garmisch die Vereine auch die weniger wertvollen und vor allem ziemlich unhandlichen Kartonagen mitnehmen.

„Es ist ein Weg, über den man nachdenken sollte“, sagt Frömmrich. Die Frage sei, ob sich genug Vereine finden würden, eine solche Sammlung umzusetzen. Genau das bezweifelt Toni Linder. Er ist bei der Eislaufabteilung Schongau für die Altpapiersammlung zuständig. Auch seinem Verein mangelte es zuletzt an freiwilligen Helfern, daran würde auch eine weniger aufwendige Sammlung nichts ändern. „Das Problem bleibt das gleiche.“ Um zumindest einen Teil der Einnahmen zu retten, setzt die EAS genau wie das THW auf einen eigenen Altpapiercontainer. Die Sammlung ersetze dieser aber nicht, weiß Frömmrich.

Auch wenn der Bedarf an einer Weiterführung der Altpapiersammlung durch Vereine in Schongau im Moment gering scheint, will EVA-Geschäftsführer Fritz Raab das Thema im kommenden Jahr noch einmal aufgreifen. Erst einmal aber gelte es jetzt, die Einführung der Papiertonne reibungslos über die Bühne zu bringen. „Das hat für uns oberste Priorität.“

Keine Einführung landkreisweit geplant

Obwohl blaue Tonne und Vereinssammlung sich nicht grundsätzlich ausschließen, eine generelle Umstellung des bewährten Altpapiersystems landkreisweit stehe derzeit nicht zur Debatte, betont der EVA-Geschäftsführer. „Es gibt für uns im Moment keinen Grund, darüber ernsthaft nachzudenken.“ Die finanziellen Aufwendungen seien für beide Systeme „ziemlich ähnlich“.

Worte, die Verantwortliche wie Wolfgang Kees beruhigend zur Kenntnis nehmen dürften. Der Böbinger ist Chef des örtlichen Sportvereins, der drei Mal im Jahr mit seinen Mitgliedern das Altpapier in Böbing einsammelt. Für Vereine in Orten, wo die Papiersammlung wie hier noch reibungslos funktioniere, brächte die Papiertonne nur Nachteile, warnt Kees. Viel Altpapier würde dann aus Bequemlichkeit in der praktischen Tonne landen, für den Verein bliebe deutlich weniger übrig – mit schmerzhaften Folgen. „Die Sammlung ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Vereinsfinanzierung. Da würde uns eine wichtige Einnahmequelle wegbrechen.“


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