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„Alle Mann hinlegen“ hieß es für Lehrer und Schüler beim „Die-in“ auf dem Pausenhof

Welfen-Gymnasium

„Fridays for Future“ auf „Schongauerisch“: Schulinterner Klima-Protest 

In Weilheim und Penzberg waren tausende Kinder und Erwachsene beim „Fridays for Future“-Protest auf der Straße. Wie der von uns beschriebene Protest auf „Schongauerisch“ ausschaut, darauf gaben die Schüler des Welfen-Gymnasiums heute eine klare Antwort – am Ende lagen alle auf dem Boden.

Schongau – „Friday for Future“ ohne Straßenproteste und bunte Banner geht nicht? Geht doch – zumindest am Schongauer Welfen-Gymnasium. Hier schallten am Freitagmorgen nicht die üblichen Parolen der Umweltaktivisten über den Pausenhof, sondern angenehme Gitarrenklänge – und Michael Jacksons „Earth“-Song.

Alexander Mikutta, Verbindungslehrer, übernimmt gleich zu Beginn das Wort. „Wir haben nur eine Welt, lasst uns gemeinsam für sie singen.“ Unerwartet viele Schüler haben sich an diesem Morgen, weit vor Schulbeginn, auf dem Pausenhof zusammengefunden. Sie alle wollen ein Zeichen für eine bessere Zukunft setzen. So stimmen sie gemeinsam in den Chorus von „Bless the lord, my soul“ ein – egal ob Lehrer, Schüler oder Direktor. Auch Pfarrer Jost Herrmann ist mit von der Partie. „Ein toller Anblick“, schwärmt er. „Es soll jeder sehen, dass auch wir einen Beitrag leisten.“

Beitrag ohne Protestmärsche und Schule schwänzen

Einen Beitrag, ganz ohne Protestmärsche und Schule schwänzen. In seiner Ansprache wünscht Herrmann den Schülern „Kraft, Besonnenheit und Liebe“, um gemeinsam für eine bessere „Future“ einzustehen. Denn „so kann es nicht weitergehen“.

Gemeinsam ein Zeichen setzen wollten Pfarrer Jost Herrmann und die Schüler des Welfen-Gymnasiums Schongau.

Weitergehen muss es in diesem Augenblick aber mit dem Unterricht – der Gong ist ertönt, die Schüler wuseln in ihre Klassenräume. Zuvor hatten sie alle noch ein großes Plakat unterzeichnet. Ganz ohne geht es dann eben doch nicht. Das nahm Pfarrer Herrmann mit nach Weilheim, um die Schüler wenigstens so symbolisch Teil der „Friday for Future“-Proteste werden zu lassen.

Überraschungsaktion: Bei „Die-in“ legen sich alle auf den Boden 

Doch mit dem unterschriebenen Plakat ist es noch nicht genug – das zeigt sich zwei Schulstunden später in der großen Pause. Die Schüler haben schließlich in Eigenregie eine „Überraschung“ geplant. „Achtung, Achtung“ hallt es da plötzlich lautstark über das Schulgelände. Mit Mikrofon ausgestattet, ruft die Oberstufenschülerin Natalia Gantner zum „Die-in“ auf. Auf ein Zeichen heißt es hier für alle „tot stellen“ und auf den Boden legen. Die Schüler wollen darauf hinweisen, dass vielerorts Menschen und Tiere aufgrund des Klimawandels sterben. „Es ist Zeit für neue Aktionen, lasst uns jetzt damit anfangen“, proklamiert Gantner. Und diesem Beispiel folgen gleich einige Schüler, aber auch Lehrer. Am Ende liegen sie alle da – und stehen wieder auf. Die Botschaft: Noch ist es nicht zu spät.

Lob und Zuspruch auch aus dem Direktorat

Dann ist der Spuk auch schon wieder vorbei. Was bleibt, sind Lob und Zuspruch für Schülerin Gantner, auch aus dem Direktorat. Hubert Orthuber begrüße das Engagement seiner Schüler. Schließlich sollen diese „bei uns lernen, selber nachzudenken und aktiv zu werden“. Auch in Sachen Klimawandel und Umweltschutz.

Für Natalia Gantner ist mit der Aktion aber lange noch nicht Schluss. „Es muss weiterhin etwas passieren“. Aber ohne Unterrichtsausfall. Am besten „kreativ und gemeinsam“ – auf Schongauerisch eben.

Die Proteste zum Thema Klima nehmen stetig zu - was halten Sie davon? Machen Sie mit und stimmen Sie ab!

MAX EDINGER


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