Ausgezählt wurde in Schongau in der Grundschule: 5468 Briefwahlunterlagen hatten die Bürger zurückgesendet. Hans-Helmut Herold

Kommunalwahlen 2020

Sluyterman: „Bin Bürgermeister für alle“

  • Elke Robert
    vonElke Robert
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Viel Zeit, seinen Sieg in der Stichwahl zu feiern, hat Bürgermeister Falk Sluyterman bisher nicht – er arbeitet weiter im Coronakrisen-Modus. Auch Gegenkandidat Hans Rehbehn ist zum Tagesgeschäft übergegangen, kann sich wieder voll auf sein Amt im Landratsamt konzentrieren. Glückwünsche kommen von den anderen Schongauer Gruppierungen, aber zurückhaltend.

Schongau – Die große Unbekannte der Stichwahl sei die Briefwahl gewesen, resümierte ein hörbar erleichterter Falk Sluyterman das Ergebnis am Stichwahlabend. 51,3 Prozent der Wähler hatten sich für den amtierenden SPD-Bürgermeister entschieden, 48,7 Prozent für den parteifreien Herausforderer Hans Rehbehn, der für die CSU angetreten war (wir berichteten). Auch sei das erste Ergebnis der Hochrechnung nicht so deutlich gewesen, dass man sich hätte sicher fühlen können, so Sluyterman. Es sei auch schwierig für viele Wähler, zwischen Persönlichkeitswahl und Parteienwahl zu unterscheiden, für die SPD zu kandidieren sei derzeit kein Bonus. „Ich bin froh und dankbar, dass es wieder geklappt hat“, so Sluyterman, der bekräftigte: „Ich bin Bürgermeister für alle.“

Hans Rehbehn behält seine Dienstzimmer im Landratsamt

Hans Rehbehn, der nun seine beiden Dienstzimmer im Landratsamt Weilheim und Schongau behält, konzentriert sich ebenfalls wieder auf die Corona-Krise, „das wird uns auch kommunalpolitisch bis Mai, eventuell in den Sommer hinein begleiten“. Der künftige CSU-Stadtrat rechnet damit, dass Vorgaben aus dem Innenministerium im Laufe der nächsten Woche eintrudeln werden. Es sei durchaus denkbar, dass auch in Schongau eine konstituierende Sitzung mit Masken und Handschuhen bevorstehe wie kürzlich bei der Vereidigung der slowakischen Regierung. „Das sind Bilder für die Ewigkeit.“

Dank an Wahlhelfer und Mitarbeiter der Stadt

Darüber werde man sich im Laufe der Woche Gedanken machen, so Wahlleiterin Bettina Schade. Sie habe u.a. vor der konstituierenden Sitzung Anfang Mai eine Infoveranstaltung für die neuen Stadträte geplant, die möglicherweise so nicht stattfinden könne. Im Nachgang bedankt sie sich bei den rund 40 Wahlhelfern sowie Mitarbeitern der Verwaltung, der Kindergärten und des Bauhofs, die beim Verteilen der Wahlunterlagen geholfen hatten.

Auch Daniela Puzzovio, die für die ALS als Bürgermeisterkandidatin angetreten war und 14,1 Prozent geholt hatte, freue sich auf eine konstruktive Zusammenarbeit. Sluyterman habe öfter betont, dass ihm die Meinung der Bürger sehr wichtig sei und er ein offenes Ohr dafür habe. „Deshalb kann ich mir vorstellen, dass dieses Ergebnis nicht so einfach für ihn ist, auch wenn er das Amt weiter ausüben darf.“ Sie gab zu bedenken: Fast die Hälfte derjenigen, die von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht hätten, seien für einen Wechsel gewesen.

„Kann nicht verstehen, wie man Stimmrecht wegwirft“

Besser, aber nicht befriedigend bezeichnete Bettina Buresch (Grüne) die Wahlbeteiligung (am Stichwahlsonntag 59,5 Prozent, vor zwei Wochen 53,7 Prozent). „Ich kann nicht verstehen, wie man sein Stimmrecht einfach so wegwirft“, so Buresch. „Konsequenterweise müssten Nichtwähler sich jeder Kritik an politischen Prozessen enthalten.“ Richtig glücklich werde Sluyterman sein Wahlergebnis wohl nicht machen, so Buresch weiter. „Er sollte sich zu Herzen nehmen, dass er nicht überzeugender war und an sich arbeiten.“ Sie hoffe, dass die beiden Kontrahenten nun „ihre wahlkampfbedingten Aggressionen“ ablegen.

Glückwünsche an Sluyterman für die erfolgreiche Wiederwahl und an Rehbehn für das „sehr respektable Ergebnis“ formuliert Stephan Hild für die UWV. „Nachdem der Wahlkampf am Ende doch etwas aus dem Ruder lief, freuen wir uns wieder auf die Stadtratsarbeit und wünschen uns, dass auch alle Beteiligten als Demokraten das Wahlergebnis annehmen und sich mit ganzer Energie für Schongau einbringen.“

„Schlechtes Ergebnis für amtierenden Bürgermeister“

„Für einen amtierenden Bürgermeister ist dies ein schlechtes Ergebnis“, fasst es Nina Konstantin, ALS-Ortsvorsitzende, zusammen. „Er muss sich überlegen, woran das liegt.“ Mit Sorge blicke sie auf das künftige Klima im Stadtrat – „vor allem, wenn Alexander Majaru nachrückt“. Dieser hatte zuletzt geschmacklose Anti-Rehbehn-Bildchen veröffentlicht.

Ob Majaru sein Mandat annimmt, dieses Telefonat wollte Schongaus Wahlleiterin noch am Montag führen. Lehnt Majaru ab, könnte Tobias Fuhrmann Stadtrat werden. Stärkste Fraktion ist die CSU (acht Sitze), gefolgt von der SPD (6), der UWV (4), den Grünen (3) und der ALS (3).

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Knappes Ergebnis für Sluyterman in der Stichwahl, aber es reichte

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