+
Große Runde im Rathaus: Vier Schongauer Gymnasiasten diskutierten in Vertretung für alle Klimaaktivisten von Fridays for Future Schongau mit Bürgermeister Falk Sluyterman (Mitte), Stadträten und Mitgliedern der Stadtverwaltung.

Fridays for Future in Schongau

Schongau: Stadt will mit Klima-Aktivisten zusammenarbeiten

  • schließen

Aus einer Kritik junger Klimaaktivisten aus Schongau an der Politik der Stadt könnte nun eine gute Zusammenarbeit entstehen: Vertreter von „Fridays for Future“ tauschten sich mit Bürgermeister Falk Sluyterman, Stadträten und Stadtverwaltung aus. Ihr Ziel: Die Stadt klimaneutral zu machen. Geplant ist eine erste gemeinsame Veranstaltung rund um das Thema Energie.

Schongau – Im Nachgang des ersten großen Klimaprotestes in Schongau hatte es ein bisschen Ärger gegeben. Auch Stadträte waren von den jungen Aktivisten von Fridays for Future Schongau zur Demo eingeladen worden, allerdings in Form eines anonymen Briefes. Dieser enthielt einige Formulierungen, die den Stadträten sauer aufgestoßen waren, unter anderem war von „Schongaus Rückständigkeit“die Rede.

Die fehlende Unterschrift ist längst entschuldigt 

Die fehlende Unterschrift ist längst entschuldigt, dass es sich aber lohnen kann, durchaus auch einmal provozierende Thesen aufzustellen, zeigte sich jetzt im Rathaus: Denn wegen dieses Briefes kamen nun vier Vertreter der Schongauer Bewegung, Bürgermeister Falk Sluyterman,sechs Stadträte sowie Stadtbaumeister Sebastian Dietrich, Alexander Joseph als Technischer Werkleiter der Stadtwerke und Stadtförster Klaus Thien ins Gespräch. Vorsichtig tasteten sich beide Seiten an die verschiedenen Themen heran.

Hauptziel: „Schongau klimaneutral machen“

Das Hauptziel für die Klimaaktivisten, alles Schongauer Gymnasiasten, formulierte die 15-jährige Marie Neumüller: „Die Stadt klimaneutral zu machen.“ Man habe dazu viele Ziele und Ideen, wüsste aber nicht, ob man das umsetzen könne, so der 17-Jährige Julius Eder. Was sich rasch herausstellte: Vieles ist eine Frage der Kommunikation, unter anderem beim Öffentlichen Nahverkehr. Ob nun die Angebote des Stadtbusses oder des RVO: Es sei wichtig, besser Werbung dafür zu machen, da manche Fahrpläne recht undurchsichtig seien, so der Vorschlag von Leon Heberer, 23. Auch müsse die Anbindung ans Krankenhaus verbessert werden, forderte Eder. Nepomuk Mühlegger (14),wünschte sich ein Car-Sharing für Schongau ähnlich wie in Peiting. „Das gibt es bereits, ist aber ausbaufähig“, so Sluyterman.

„Dass der ÖPNV verbessert werden muss, ist nun auch im Kreistag dem letzten klargeworden“, so Bettina Buresch. Sie berichtete von den freien Fahrten für Schüler an den Wochenenden und wochentags ab 14 Uhr, was bei Julius Eder für ein mildes Lächeln sorgte: „Mein letzter Bus nach Schwabsoien geht um 12.30 Uhr“.

Fuchstalbahn ist großes Thema

Großes Thema ist für die Klimaaktivisten die Fuchstalbahn. „Wenn es nach mir ginge, würde sie bereits morgen wieder fahren“, so der Rathauschef. Stadtrat Ralf Schnabel animierte die Aktivisten dazu, sich selbst dafür stark zu machen und z.B. die Umweltinitiative Pfaffenwinkel zu kontaktieren. „Wenn wir uns mit anderen Organisationen verbinden, können wir etwas bewegen.“

Die Stadt auch für Fußgänger noch attraktiver zu machen, war der Vorschlag von Leon Heberer. Er wünschte sich mehr Zebrastreifen und mehr sichere Übergänge. Und mehr Blitzer. Was das Radfahren anbelangt, wollen die jungen Leute aber eher mehr Radstreifen auf den Straßen, statt neu versiegelte Flächen für eigene Radwege, so Marie Neumüller.

Die Themen Energie und moderne Baustoffe lagen den Schülern ebenfalls am Herzen. Es sei nicht mehr zeitgemäß, dass noch immer neue Häuser mit Ölheizung genehmigt würden. Neubaugebiete müssten via Fernwärme, Geothermie oder Fotovoltaik versorgt werden, so Julius Eder.

Zwei größere Veranstaltungen zum Thema in Schongau 

Ilona Böse verwies auf die SPD-Veranstaltung zu Klimawandel und Energiewende am 22. Januar. Die ALS beleuchtet die „Zukunft des Wohnens in Schongau“ am Mittwoch, 29. Januar. Ein Verbot sei rechtlich umstritten, so Stadtbaumeister Dietrich. „Es ist die Frage, ob Pflicht oder Förderung der richtige Weg ist.“

Wie Alexander Joseph betonte, sei Schongau ohnehin „Vorzeigestadt“, denn 40 Prozent der Bevölkerung – knapp 1000 Schongauer Haushalte – würde über Fernwärme versorgt. Alle anderen Haushalte könnten Erdgas – auch Biogas – nutzen. Der Fernwärmeausbau in Neubaugebieten sei sogar eher schädlich, weil neue Häuser kaum Energie bräuchten, die Verlegung der Leitungen aber auf alle umgelegt werden müssten – dann steigen die Preise.

Der Vorschlag von Julius Eder nach einem Austausch ein, zwei Mal im Jahr wurde gerne aufgegriffen, „Spannend, wenn die Jugend dies organisiert“, so Schnabel. Erstes Thema soll „Energie“ sein. Bettina Bursch bestärkte die Schüler: „Wenn ihr dran bleibt und Druck macht, kann das nur gut sein.“

Und das könnte Sie auch interessieren:

So lautete die Kritik der Stadträte an den Schongauer Klima-Aktivisten

Die erste Klimademo in Schongau war ein großer Erfolg

Und das sind die Argumente der Schüler

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Nach langem Tüfteln: Realschüler entwickelt einen Rehkitz-Retter am Mähdrescher
Erik Meier kennt Mähdrescher. Er hilft selbst auf dem Feld beim Ernten. Eine Situation beim Mähen lässt ihn Grübeln - und zum Erfinder werden.
Nach langem Tüfteln: Realschüler entwickelt einen Rehkitz-Retter am Mähdrescher
Lechbruck: Kleine DAV-Sektion mit riesigem Angebot
Das Zahlenwerk der Jahreshauptversammlung machte wieder deutlich, dass die mittlerweile 640 Mitglieder starke DAV-Sektion Lechbruck einiges zu bieten hat.
Lechbruck: Kleine DAV-Sektion mit riesigem Angebot
Peitings Kindergarten-Pläne werfen Fragen bei den Eltern auf
Es ist eines der großen Bauprojekte, die die Gemeinde Peiting in den nächsten Monaten vorantreibt: der Kindergarten-Neubau an der Jägerstraße. Das Vorhaben jedoch sorgte …
Peitings Kindergarten-Pläne werfen Fragen bei den Eltern auf
Grippe-Krise bei Schongaus Tollität: „Kammerdiener“ springt als Leih-Prinz ein
Oh weh, oh Schreck: Der Prinz ist weg. Schongaus Faschingsprinz Florian Igl ist abgetaucht. Krankheitsbedingt. Ein grippaler Infekt hat seine Tollität dahingerafft. Auch …
Grippe-Krise bei Schongaus Tollität: „Kammerdiener“ springt als Leih-Prinz ein

Kommentare