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Die Abholzung am Köhler-Anwesen sorgte vor einiger Zeit für Diskussionen. Mit einem Pflegewerk soll ein Leitfaden für das Stadtmauer-Umfeld erstellt werden.

Schongauer Stadtrat

Auch das Stadtmauer-Umfeld wird geprüft

Schongau - Mit einem aufwändigen Inwertsetzungs-Konzept wird derzeit eine umfassende Bestandsaufnahme der Schongauer Stadtmauer erstellt. Doch auch der direkt angrenzende Bereich drumherum ist wichtig, findet ALS-Stadträtin Bettina Buresch.

Neben der Stadtmauer selbst müsse ein „starkes Augenmerk“ auch auf das Umfeld gelegt werden, sagte Stadtbaumeister Ulrich Knecht, als es im Stadtrat um den Antrag von Bettina Buresch zum Thema Pflegewerk ging. Da gehe es auch um das Thema Bepflanzung und Sichtachsen – angebliche Kahlschläge an der Stadtmauer haben in Schongau vor einiger Zeit für heftige Diskussionen gesorgt. „Frau Buresch hat deshalb Kontakt mit dem Landesamt für Denkmalpflege aufgenommen, weil es dort Planer gibt, die sich mit so einem Pflegewerk gut auskennen.“ In Absprache mit der Regierung von Oberbayern habe man beschlossen, Angebote geeigneter Planer einzuholen. Darunter sei auch der Gewinner eines Wettbewerbs in Vohburg, wo es um ähnliche Ansätze wie in Schongau ging.

„Um welche finanziellen Größenordnungen geht es da?“, wollte Paul Huber (CSU) als erstes wissen. Denn schon bei der Stadtmauer habe man eine Menge teurer Gutachten erstellen lassen. „Das war wegen des Problems am Sonnengraben“, entgegnete Knecht, „aber die Frage ist natürlich berechtigt: Wir werden sicher auf 35 000 bis 40 000 Euro kommen.“ Es gebe zwar Zuschüsse, aber auch Folgekosten, wenn das Ergebnis des Gutachtens umgesetzt wird. „Aber das ist gut investiertes Geld“, betonte Bürgermeister Falk Sluyterman (SPD). Auch Kornelia Funke (CSU) war von dem Konzept überzeugt: „Bei unseren Stadtführungen ist den Gästen immer sehr wichtig, dass auch das Umfeld stimmt.“

Nur Helmut Hunger (CSU) fand den Zeitpunkt falsch: „Wir sind noch gar nicht in der Sanierung der Stadtmauer und gehen jetzt gleich drei Schritte weiter.“ Er fürchte, dass das Pflegewerk-Konzept erst einmal fünf Jahre in der Schublade verschwinde. Auf den Hinweis von Sluyterman, dass es auch um die Sichtachsen gehe, die zuletzt für viel Unmut gesorgt haben, entgegnete Hunger: „Für Sichtachsen brauchen wir einen Planer für 35 000 Euro? Nur damit die Bürger auf ihn schimpfen können, nicht auf uns?“ Doch Sluyterman betonte, es sei wichtig, dass ein Fachmann das begleite. „Woher sollen wir wissen, wo man Bepflanzung zurücknehmen soll und wo nicht? Das können wir gar nicht.“

Siegfried Müller (ALS) schlug vor, die Experten einzuladen, damit man sich unter dem sperrigen Begriff Pflegewerk auch etwas vorstellen könne. „Das kann man machen, Information ist alles“, so Knechts Reaktion. Paul Huber dagegen ging das zu weit: Man könne sich doch auch einen Aufsatz zuschicken lassen, „das ist billiger und spart Zeit“. Doch gerade weil Pflegewerk so ein seltener Begriff sei, wäre das wichtig, betonte Antragstellerin Buresch. Sie hätte auch jemanden an der Hand, der kostenlos in den Stadtrat kommen würde. „Da geht es nämlich nicht nur darum, welche Bäume weggeschnitten werden sollen, sondern es wird ein kompletter Leitfaden entwickelt, mit dem man dauerhaft arbeiten kann.“ Damit könnte man auch Stadtförster Klaus Thien aus der Schusslinie nehmen, der oft wegen jedes gefällten Baums angegangen werde. Das überzeugte auch Hunger: „Vielleicht ist so eine Vorstellung doch nicht so schlecht.“ Das soll nach der Sommerpause im Stadtrat erfolgen.

Boris Forstner

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