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Überdachte Rolltreppen in Städten gibt es öfter, um Höhendifferenzen zu überwinden. Hier ein Beispiel aus Spanien, bei dem es allerdings nicht so steil ist wie in Schongau. 

Stadtrat

Statt Schrägaufzug: Rolltreppe zur Altstadt?

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Die Träume mancher Schongauer von einem Schrägaufzug waren der Landjugend Altenstadt ein Motiv für ihren Faschingswagen wert. Doch das Thema wird weiterverfolgt: Jetzt präsentierte das Stadtbauamt Untersuchungen zu einer anderen Art von Aufstiegshilfe, nämlich einer Rolltreppe.

Schongau – Den Weg in die erhöhte Altstadt erleichtern, ist seit Jahrzehnten das Ziel vor allem der CSU. Seitdem Vorkämpfer Peter Blüml nicht mehr im Stadtrat sitzt, hält Paul Huber (CSU) das Thema am Kochen. Mit dem Ausflug des Stadtrats im Herbst 2015 in die Partnerstadt Colmar hat das Thema neue Nahrung bekommen: Bei einem Abstecher nach Freiburg haben sich die Stadträte nämlich den dortigen Schrägaufzug auf den Schlossberg genau angeschaut und erklären lassen.

Vor mehr als einem Jahr gab es schließlich einen Bericht im Stadtrat, wie teuer so ein Schrägaufzug wäre. Anhand des Beispiels Schwarzenberg in Sachsen, wo seit 2010 so ein Aufzug Besucher in die ebenfalls erhöhte Altstadt transportiert, hieß es: zwei Millionen Euro. Dank möglicher hoher Förderung blieben für die Stadt aber nur 400 000 bis 800 000 Euro Eigenanteil übrig, was in einigen Jahren – nach dem Ende des Grundschul-Baus – durchaus im Bereich des Möglichen liegen würde. Paul Huber wollte aber noch einen Überblick über eine andere Art der Aufstiegshilfe, einer Rolltreppe. Diesem Wunsch kam Stadtbaumeister Ulrich Knecht jetzt nach.

Er hatte ein vergleichbares Projekt in Landshut ausgemacht, Knecht hat mit dem Hersteller gesprochen. „Voraussetzung ist auf jeden Fall eine Einhausung, damit Laub, Schmutz und Schnee nicht reinwehen können“, sagte Knecht. Außerdem müsse man verschiedene Möglichkeiten unterscheiden: Es gebe den Wechselbetrieb, das heißt, die Rolltreppe fährt auf Anforderung in beide Richtungen. Das kann Wartezeiten bedeuten, wenn jemand nach unten will und gerade andere Personen nach oben fahren. Außerdem müsste so eine Anlage beheizt werden, da Rolltreppen im Wechselbetrieb laut Knecht bei Temperaturen von unter fünf Grad in den Dauerbetrieb gehen.

Die Alternative, separate Treppen für Auf- und Abfahrt, wäre natürlich teurer. Knecht hatte am Beispiel Buchenweg mit einer Höhendifferenz von 25 Metern bis zur Altstadt überschlägig 1,45 Millionen Euro ausgerechnet, also weniger als der Schrägaufzug. Allerdings wird eine Rolltreppe nicht gefördert, da sie nicht behindertengerecht ist und Personen mit Rollstuhl, Geh- oder Kinderwagen nicht damit fahren dürfen. Es blieben also alle Kosten bei der Stadt.

Mangelnde Barrierefreiheit ist das größte Problem einer Rolltreppe

Vor allem wegen der mangelnden Barrierefreiheit lehnt Friedrich Zeller (SPD) eine Rolltreppe ab. „So eine Aufstiegshilfe muss einen Nutzen haben für Bürger, die sich schwer tun. So kommen wir nicht weiter.“ Huber dagegen sah es anders: „Wer auf einen Rollstuhl angewiesen ist, kann weiter mit dem Auto hoch in die Altstadt fahren und dort auf einem Behindertenparkplatz parken.“ Ihm geht es darum, den Parkplatz-Schwund durch Fußgängerzone und den baldigen Umbau von Münz- und Weinstraße durch äußere Parkplätze auszugleichen und mit der Rolltreppe den Weg in die Altstadt schmackhaft zu machen. „Deshalb brauche ich auch keine Rolltreppe nach unten, es reicht eine nach oben. Damit dürfte das viel billiger werden.“

Das hatte Knecht ebenfalls ausgerechnet, weil auch er der Meinung ist: Wenn die Anlage nicht behindertengerecht ist, kann man sich die Rolltreppe nach unten sparen. Denn den Weg von der Altstadt nach unten können auch nicht so konditionsstarke Menschen leicht bewältigen. Damit kommt er auf nur noch 900 000 Euro. Was Knecht zugeben muss: „Auch wenn die Rolltreppe nicht zielführend ist, weil sie Personen mit Behinderung ausgrenzt, ist die Förderkapazität mit 1800 Personen pro Stunde enorm.“ Beim Schrägaufzug wären es nur 480 pro Stunde, mit langen Wartezeiten, wenn viel los ist.

Gregor Schuppe (ALS) betonte, es gebe sehr wohl Rolltreppen, die auch behindertengerecht sind. Grundsätzlich habe sich die Stadt aber mit der Entscheidung, die Gewerbesteuer wieder zu senken, „solche Zuckerl verbaut“, sagte er. Bürgermeister Sluyterman (SPD) meinte, das Thema werde sich weiterentwickeln und noch länger beschäftigen. Bis ab 2020 wieder Geld zur Verfügung steht.

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