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Die Pläne zur Stilllegung der Fuchstalbahn – hier ein Bild von einer Schienenbus-Sonderfahrt – waren konkreter, als es die Deutsche Bahn zugegeben hat.

Unterstützer atmen auf

Die Stilllegung der Fuchstalbahn ist vom Tisch

  • Boris Forstner
    VonBoris Forstner
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Seit dem Frühjahr wabern Gerüchte durchs Land, dass der Fuchstalbahn Schongau-Landsberg das endgültige Aus droht. Die Deutsche Bahn hat das stets dementiert, doch Schongaus UPM-Werkleiter Wolfgang Ohnesorg hat jetzt bestätigt: Die Stilllegungspläne waren akut – und sind erst seit einigen Wochen vom Tisch.

Schongau – Wolfgang Ohnesorg erinnert sich noch gut an den Tag im Frühjahr, als ihn Hans Schütz von der Umweltinitiative Pfaffenwinkel (UIP) angerufen hatte. Schütz teilte dem verdutzten UPM-Werkleiter aus gut unterrichteter Quelle mit, dass die DB Netz die Strecke der Fuchstalbahn stilllegen wolle. Kurioserweise waren an diesem Tag auch noch Vertreter von DB Cargo im Haus, bei denen es um die Zusammenarbeit mit UPM ging. Wie berichtet, hat die Bahn-Tochter dieses Jahr die Gütertransporte auf der Strecke von der Augsburger Localbahn übernommen und transportiert täglich Güter hauptsächlich von UPM auf der Schiene zwischen Schongau und Landsberg.

Er selbst sei nie offiziell von den Stilllegungsplänen informiert worden, sagt Ohnesorg, und die DB Cargo-Leute hätten auch nichts gewusst. Doch dass das Vorhaben bitterer Ernst war, musste Ohnesorg in den darauffolgenden Wochen erkennen. In einer kuriosen Koalition mit der DB Cargo („da waren wir bis in höchste Vorstandskreise vertreten“) und politisch flankiert von Lokalpolitikern wie Bürgermeister Falk Sluyterman sowie der UIP habe man gegen die Pläne der DB Netz gekämpft. UPM will unbedingt weiter Güter per Bahn transportieren, schon allein, um die Kommunen Schongau und Peiting zu entlasten – im Kreistag vor vier Wochen wurde die Zahl von täglich 60 bis 150 zusätzlichen Lkw-Fahrten genannt, wenn es keine Bahnverbindung mehr geben sollte.

Stilllegungspläne wurden von der Bahn stets dementiert

Dass der Protest immer eher im Hintergrund lief, mag den Grund gehabt haben, dass die Deutsche Bahn jegliche Stilllegungspläne stets dementiert hat – im April auf Anfrage der Heimatzeitung („da ist nichts dran und derzeit auch nichts geplant“), und sogar Landrätin Andrea Jochner-Weiß hatte im Kreistag noch gesagt, ihr sei mehrfach versichert worden, dass die Bahn nicht über eine Streckenschließung nachdenke. Dass dem nicht so war, beweist das Telefonat, das Ohnesorg vor rund drei Wochen geführt hat: „Da bin ich von einem Bahn-Vertreter informiert worden, dass die Stilllegungs-Pläne für die Fuchstalbahn endgültig vom Tisch sind. Was genau da alles abgelaufen ist, weiß ich nicht“, so Ohnesorg.

Paradoxe Situation für Unterstützer der Fuchstalbahn

Für die Unterstützer der Fuchstalbahn, die sich in der paradoxen Situation befanden, einerseits politischen und gesellschaftlichen Rückenwind für die Reaktivierungspläne zu haben, andererseits den Komplettverlust der Strecke befürchten zu müssen, ist Ohnesorgs Botschaft eine gute Nachricht. „Wir sind erleichtert. Jetzt können wir uns auf die weiteren Pläne konzentrieren.“ Denn der Bund wolle ein Millionenprogramm zur Reaktivierung auflegen, „da müssen wir Gelder für Bahnübergänge und Bahnhalte auf der Fuchstalbahn abgreifen“, so Schütz. „Das Fenster ist jetzt offen, und dass der Güterverkehr erhalten bleibt, ist ein wichtiger Schritt.“

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