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Alle Hände voll zu tun hatten hatten die Ehrenamtlichen im vergangenen Rekordjahr an der Obstpresse in Peiting. Heuer sind sie wegen der miserablen Ernte bislang nur sporadisch im Einsatz.

Stillstand an den Obstpressen

Kälte und Hagel machen Äpfeln im Schongauer Land den Garaus

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Nach der Rekordernte 2018 erleben die Hobby-Obstbauern im Schongauer Land heuer eines der schlimmsten Jahre seit Langem. Für die wenigen Äpfel und Birnen, die an den Bäumen hängen, lohnt es sich kaum, die Obstpressen anzuwerfen. Vielerorts stehen die Anlagen deshalb auch die meiste Zeit still. In Reichling hat der Hagel im Juni sogar für einen Totalausfall gesorgt.

Weilheim-Schongau – „Ich mache das jetzt seit zehn Jahren, so mies wie heuer war es noch nie.“ Richard Socher vom Obst- und Gartenbauverein in Peiting erinnert sich wehmütig an das vergangene Obst-Jahr, in dem das beständig warme Wetter im Frühling und Sommer der örtlichen Obstpresse ein Rekordjahr bescherte. Derzeit erlebt der 78-Jährige das krasse Gegenteil. Während 2018 die Presse montags bis freitags von morgens bis abends nicht still stand und bis Ende Oktober in Peiting sagenhafte 126 000 Liter Apfelsaft gewonnen wurden, schieben der 78-Jährige und seine drei Helfer heuer eine ruhige Kugel. Am vergangenen Montag sei beim Pressen schon mittags Schluss gewesen, weil so wenig Obst gebracht wurde, berichtet Socher.„Die Äpfel verfaulen an den Bäumen“, klagt der Peitinger. Warum das so ist, kann sich Socher selbst nicht so recht erklären. „Der kalte Mai“ mache aber sicher viel aus“, meint er.

Mehr Obst ist jetzt in der Presse neben der Feuerwehr an der Peitinger Bahnhofstraße natürlich willkommen. Die Preise sind laut Socher stabil geblieben. Für roh gepressten Saft werden 30 Cent pro Liter berechnet. Wird der Saft erhitzt und so für rund zwei Jahre haltbar gemacht, kostet es 40 Cent pro Liter. Vereinsmitglieder zahlen jeweils 10 Cent weniger. Der erhitzte Saft wird immer in Beutel abgefüllt, die zum Ausschenken in spezielle Boxen kommen, die immer wieder verwendet werden können. In den übrigen Obstpressen im Schongauer Land wird es ähnlich gehandhabt.

Wehmütiger Blick zurück ins Rekordjahr 2018

Allerdings steht auch in Bernbeuren die Obstpresse in diesen Tagen die meiste Zeit still, bestätigt Sabine Birk vom dortigen Gartenbauverein. Weil bislang so wenige Anmeldungen vorlagen, habe man erst am 6. September mit dem Pressen begonnen. „Und wir waren nach einem halben Vormittag schon fertig“, bedauert Birk. 2018 hatte die Bernbeurerin noch „von einem Spitzenjahr“ geschwärmt. Die Presse war von Mitte August bis Ende Oktober in Betrieb.

In Hohenpeißenberg lief die Obstpresse am vergangenen Samstag das erste Mal in dieser Saison. „Es kamen etwa 15 Leute – die meisten mit 30 bis 50 Kilo Äpfeln“, sagt Georg Vogl, erster Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins Hohenpeißenberg. Besonders viel sei das nicht.

Eine Stunde wird gepresst, zwei Stunden geputzt

Auch in Steingaden wird heuer auf Sparflamme gepresst. Der „Service für Hobby-Obstbauern“ wurde am vergangenen Samstag ebenfalls das erste Mal in diesem Jahr angeboten. Und der Ertrag war alles andere als berauschend. „Wir haben eine Stunde gepresst und zwei Stunden geputzt“, stöhnt Roberta Leimbach, Vorsitzende des örtlichen Obst- und Gartenbauvereins. Zum Vergleich: „Letztes Jahr hatten wir um dieses Zeit schon 21 600 Liter Saft gepresst, heuer sind es bis jetzt gerade einmal 618 Liter“, rechnet Leimbach das miserable Ergebnis vor und nennt auch gleich die Gründe: „Das Frühjahr war verregnet und zu kalt.“ Obendrein verweist die Vereinschefin darauf, dass viele Apfelbäume nach dem ertragreichen 2018 „eine Pause machen“.

In Reichling hängt kein einziger Apfel am Baum

Komplett abgeblasen wurde das Obstpressen heuer in Reichling. „Wir haben keinen einzigen Apfel am Baum“, klagt Gerti Breitenmoser, zweite Vorsitzende des örtlichen Obst- und Gartenbauvereins. Davon überzeugte sich jüngst die Vorstandschaft bei einer Ortsbegehung. Auch nach anderem Obst suchten die Gartenfreunde dabei vergeblich. Der Grund für den Totalausfall: Das schwere Hagelunwetter, das im Juni auch über Reichling in Richtung Ammersee zog, machte den Früchten den Garaus. Die Obsternte fällt heuer in Reichling aus. Sollten wider Erwarten doch noch Anmeldungen zum Pressen kommen, „schicken wir die Leute nach Issing“, meint Breitenmoser.

Nicht viel besser ergeht es in diesen Tagen dem Obst- und Gartenbauverein in Rott, den der Hagel im Juni ebenfalls nicht verschonte. Der ein oder andere Apfel hänge aber doch an den Bäumen, weiß die zweite Vorsitzende Monika Stindl. „Deswegen pressen wir auf alle Fälle“, sagt sie. Termine gibt es nach telefonischer Vereinbarung (siehe Kasten).

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