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Mehr als 75.000 Stolpersteine hat Künstler Gunter Demnig bereits verlegt

Aus dem Stadtrat

Schongau: Stolpersteine und Gedenktafel beschlossen

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In Gedenken an die jüdische Familie Kugler sollen in Schongau Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig verlegt werden. Zusätzlich soll nach Möglichkeit eine Gedenktafel an den Schrimpfhäusern angebracht oder alternativ ein Rosenstock gepflanzt werden. Die Umsetzung könnte allerdings dauern.

Schongau –Der Stadtrat Schongau war sich in seiner jüngsten Sitzung einig: Gerne wolle man den Antrag von Bettina Buresch umsetzen. Sie hatte in der Weihnachtssitzung beantragt, das Gedenken an die ermordete jüdische Familie Kugler im Stadtbild sichtbar zu machen. „Die Stadt Schongau möge die Erinnerung an die Familie Kugler bewahren“, formulierte es Buresch in ihrem Antrag. Das Schongauer Ehepaar Moses Moritz und Rosa Kugler, das in Schongau am Marienplatz im Anwesen Schrimpf (heute Nummer 12) ein Bekleidungsgeschäft führte, wurde von den Nationalsozialisten entrechtet und 1942 mit nur wenigen Tagen Abstand in Theresienstadt ermordet. Die Söhne Norbert und Joseph flohen aus Schongau, kämpften in Frankreich für die Résistance, wobei der Jüngere, Joseph, ebenfalls 1942 ums Leben kam. Norbert Kugler überlebte als einziger und kam nach Kriegsende mit seiner jüdischen Ehefrau Mira nach Schongau zurück, wo sie noch vier Jahre lebten, ehe sie nach Berlin zogen.

Stadt greift den Antrag auf ein Gedenken gerne auf 

Den Anstoß für Bureschs Antrag hatte Altlandrat Luitpold Braun gegeben mit seinem Aufsatz im jüngsten Jahrbuch des Historischen Vereins Schongau, „Der Welf“. Braun war es auch, der in der Stadtratssitzung noch einmal den Lebenslauf der Familie umriss.

Altlandrat Luitpold Braun 

 

 „Wenn ich mein Wissen jetzt nicht weitergebe, geht es mit mir eines Tages auf den Friedhof und ist vergessen.“ Braun hatte bereits von seinem Vater viel über die Familie Kugler erfahren. Durch Zufall lernte er dann Mira Kugler kennen, die nach ihrer Flucht aus der DDR 1985 über Frankreich nach Schongau kam. Sie hatte bei ihm als damaligem Bürgermeister um Hilfe gebeten bei der Vermittlung eines Platzes in einem jüdischen Altenheim in München.

Was Mira Kugler erzählte, ließ Braun nicht mehr los

Was Mira Kugler damals erzählte, sollte Braun nicht mehr loslassen. Beide Brüder seien für ihren Kampf gegen die Nationalsozialisten geehrt worden, aber an das Ehepaar selbst erinnere sonst nichts. „Nach der Kremierung endet die Geschichte, denn Gräber gibt es nicht“, so Braun. Und dies, obwohl vermutlich der damalige NS-Bürgermeister Schongaus, Georg Sponsel, nicht ganz unbeteiligt an der Deportation, erst 1934 nach München, dann ins Lager, gewesen sei.

Stadtrat entscheidet einstimmig, das Gedenken an die Familie sichtbar zu machen

Einstimmig entschied der Stadtrat nun, als Erinnerung an die Familie sogenannte Stolpersteine in Auftrag zu geben. Im Dezember 2019 waren es europaweit bereits 75 000 dieser handgefertigten, messingfarbenen Pflastersteine. Die SN-Redaktion konnte nur kurz mit Künstler Gunter Demnig sprechen, der seit Angang des Jahres in Italien weitere Steine verlegt, den letzten gestern in Palermo. Karin Richert, die für die Inschriften zuständig ist, verriet, dass das Jahr bereits bis Oktober fertig geplant sei. Für die Familie Kugler könnten sogar bis zu vier Steine angefertigt werden, hatte Stadtbaumeister Sebastian Dietrich ausgeführt, was Richert bestätigt. Auch durchs NS-Regime Vertriebene seien Opfer.

Schicksal wird nicht mit Füßen getreten, sondern man verneigt sich mit Demut

Der Argumentation von Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München, dass man das Gedenken durch das Betreten der Steine eher beschmutze, das Schicksal mit Füßen trete, wollten die Schongauer Räte nicht folgen. „Sie fallen auf, glänzen in der Sonne, und man muss sich bücken, um die Namen lesen zu können“, so Buresch. „Es ist eher eine Form von Demut, die man durch die Körperhaltung zum Ausdruck bringt.“ Parallel dazu soll eine Gedenktafel am Marienplatz 12 an die Familie erinnern, was aber erst in einer Eigentümerversammlung geklärt werden müsse, denn alle 18 Wohnungen der Schrimpfhäuser seien verkauft, wie der Investor erklärt. Er wolle versuchen, dies nach Übergabe der Wohnungen Mitte des Jahres zu thematisieren. Sonst würde ein Rosenstock gepflanzt.


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