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Durch Europa für einen Job: Thomas Rohrmann aus Schongau mit dem Plakat seiner Reiseroute. 

Thomas Rohrmann wandert durch Europa

Langer Weg für einen neuen Job

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Für manche ist der Weg zum Job verdammt lang. Für die wenigsten allerdings dürfte er so beschwerlich werden wie für Thomas Rohrmann: In der Hoffnung auf eine Arbeitsstelle will der Schongauer zu Fuß vom Nordkap bis nach Sizilien gehen. 7000 Kilometer. Sieben Länder. Neun Monate. Das Motto: „Across Europe for one job“. Die Geschichte einer mutigen Verzweiflungstat.

Schongau – Ist man in den 50ern beruflich gesehen auf dem Abstellgleis? Trifft man Thomas Rohrmann, möchte man das eigentlich nicht glauben. Der Schongauer ist ein junggebliebener, sympatischer Typ. Hochmotiviert, voller Energie, Ideen. Dass er nach vielen Jahren im Vertrieb im vergangenen Juli arbeitslos wurde, hat dem 57-Jährigen schwer zugesetzt. Mehr als 100 Bewerbungen hat er geschrieben. Ohne Erfolg. Rumsitzen und Trübsal blasen: Das kommt für Thomas Rohrmann nicht in Frage. Hartz IV: „Mache ich nicht. Definitiv nicht.“ Vom berühmten Loch, in das in einer solchen Situation viele fallen, hat er sich nicht die beherzte Seele auffressen lassen. „Man muss auffallen, um zu beweisen, dass man noch nicht zu alt ist für einen Job“, glaubt er. 7000 Kilometer zu Fuß. Vom Nordkap bis nach Sizilien – mehr auffallen geht jedenfalls kaum. „Ich will zeigen, was ich drauf habe“, gibt sich Rohrmann kämpferisch.

Los geht’s am morgigen Dienstag. Eine gute Portion Kampfgeist wird er brauchen für das Abenteuer, das ihn erwartet. Sportlich dürfte Rohrmann mithalten können. „Ich bin Marathon gelaufen.“ Er hat Hüttenwanderungen hinter sich. Und für das monatelange, kontinuierliche Laufen hat er ein langes Training absolviert. Erst ohne Rucksack. Dann mit. Immer mehr Gewicht. Am Schluss 25 Kilo auf dem Buckel. Training unter Echtzeit-Bedingung eben.

„Ich weiß, wie das aus sportlicher Sicht läuft, aber ich weiß nicht, was mir auf 7000 Kilometer Fußweg durch sieben Länder alles passieren kann“, räumt Rohrmann ein. Umso erstaunlicher, dass seine Frau voll hinter ihm steht. Auf ihre moralische Unterstützung hätte er auch keinesfalls verzichten wollen und können, betont Rohrmann. Was die Reise trotz Biwak und Minimal-Verpflegung finanziell auffrisst, haben die Rohrmanns zurückgelegt. Selbst ist der Mann, das ist die Devise. In jeder Hinsicht.

Zehn Jahre will er noch arbeiten

Augenscheinlich wird das der Fall sein, wenn Thomas Rohrmann Mitte April am Nordkap zu seiner ungewöhnlichen Job-Expedition startet. Gleich zu Beginn dürfte der für ihn mit schlimmste Moment kommen: „Wenn alle, die am Nordkap sind, wieder in den Bus einsteigen und wegfahren und ich bleibe ganz allein dort.“ Dann erstmal drei Wochen ohne Einkaufsmöglichkeiten, ohne Zivilisation. Um so mehr freut sich Rohrmann bereits jetzt „auf die Menschen, die ich kennenlernen werde“.

Neben mehreren Klimazonen – minus fünf Grad am Nordkap in Skihosen und fast 40 Grad in Sizilien im Sommer – durchschreitet der Schongauer auf seiner Reise auch viele Sprachbarrieren. Er setzt auf sein Englisch und das Hand-und-Fuß-System. Auf den Kontakt mit den Medien, über die er auf seinem Weg auf seine Job-Problematik aufmerksam machen möchte, hat er sich bestens vorbereitet. Marschiert wird mit einem gedruckten Banner am Rucksack. „Across Europe for one job“: Keine hirnrissige Aktion, sondern ein hervorragend angelegter PR-Akt in eigener Sache. Mehr Engagement kann ein Bewerber wohl kaum zeigen.

Thomas Rohrmanns Schicksal ist das Schicksal vieler. „Das Thema betrifft einen Haufen Leute“, hat er festgestellt. Die wenigsten wollen darüber sprechen. Alt und arbeitslos. Ein Makel. Thomas Rohrmann hat noch zehn Jahre Arbeitsleben vor sich. Und jede Menge Berufserfahrung. „Es war trotzdem eine Überlegung, ob ich damit an die Öffentlichkeit gehe, das hat mich schon Überwindung gekostet“, räumt er ein. Viel Aufmerksamkeit dürfte ihm sicher sein. Was allerdings, wenn Thomas Rohrmann in Italien oder gar Skandinavien einen Job angeboten bekommt? „Ich suche in ganz Europa“, bestätigt er. Allerdings unter einer Bedingung: „Meine Tour breche ich nicht ab, das bringe ich zu Ende.“ Mehr Willenskraft, Flexibilität, Offenheit und Mut kann ein Bewerber wohl kaum haben.

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