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Grünes Licht für die Reaktivierung der Fuchstalbahn: Für diese Forderung hat die Umweltinitiative Pfaffenwinkel bereits große Unterstützung.

Historische Schienenbusfahrt

Umweltinitiative Pfaffenwinkel wirbt für die Fuchstalbahn

Ein Bild wie aus vergangenen Zeiten bot sich am Sonntagvormittag am Schongauer Bahnhof. Rund 100 Fahrgäste säumten den Bahnsteig, als ein voll besetzter historischer Schienenbus einfuhr. Die Umweltinitiative Pfaffenwinkel nutzte die Gelegenheit, um auf das Ziel „Reaktivierung der Fuchstalbahn“ aufmerksam zu machen.

Schongau – Mit einem ironischen Liedchen, gesungen zur Melodie der „Schwäbsche Eisenbahne“ empfingen die anwesenden UIP-Aktivisten die Fahrgäste, die mit dem Oldtimer-Schienenbus VT 98 gerade die Fahrt durchs Fuchstal genossen hatten. Gleichzeitig verteilten sie Info-Material, um auf ihr großes Ziel aufmerksam zu machen: die Reaktivierung der Fuchstalbahn für den Personennahverkehr. Auch eine Postkarten-Aktion, initiiert von Irmgard Schreiber-Buhl, soll die zuständigen Politiker zum Handeln in Sachen Fuchstalbahn auffordern. „Lassen Sie sich überraschen, wie voll ihr Briefkasten in den nächsten Tagen sein wird“, so Irmgard Schreiber-Buhl, die in München bereits durch die Strabs-Proteste bekannt ist, in Richtung der Landtagsabgeordneten Hans Friedl (Freie Wähler) und Harald Kühn (CSU), denen sie jeweils eine ausgefüllte Karte überreichte.

Harald Baumann, Sprecher des Arbeitskreis Fuchstalbahn, zählte derweil die Forderungen der Fuchstalbahn-Aktivisten auf: Erhalt der Bahnstrecke nach Augsburg, Beibehaltung des Güterverkehrs sowie die Reaktivierung des Personennahverkehrs als Schritt in Richtung gleichwertige Lebensverhältnisse in Sachen Mobilität und zugleich als Beitrag zum Klimaschutz. „Wir haben den Eindruck, dass die Bayerische Staatsregierung kein Interesse an der Reaktivierung hat“, meinte Baumann angesichts der starren Kriterien, die zur Wiederbelebung der Strecke angelegt werden. 

Kritik an Kriterien für Wiederbelebung der Strecke

So soll eine Fahrgastzahl von 1000 pro Werktag gewährleistet sein, zudem müssen sich die betroffenen Landkreise öffentlich für die Reaktivierung aussprechen. Daneben soll die Finanzierung der Strecke durch die Infrastrukturbetreiber übernommen werden und die Trassenentgelte, z.B. bei der Vermietung an einen Betreiber dürfen nicht höher sein als die der DB. Außerdem müssen die Gemeinden das öffentliche Nahverkehrsnetz, sprich Weitertransport mit dem Bus, auf die Bahnstrecke abstimmen.

Einen Unterstützer der Reaktivierung der Bahnstrecke hat die UIP in Hans Friedl, Mitglied im Ausschuss Wohnen, Bauen Verkehr, gefunden. „Wir müssen Mobilität umdenken“, so der Landtagsabgeordnete. Nicht die Nutzung von eigenen Fahrzeugen, sondern der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs müsse vorangetrieben werden. Schienenersatzverkehr sei angesichts des täglichen Verkehrskollapses, den er täglich in und um München erlebe, keine Lösung. Auch die B17 vertrage keinen zusätzlichen Verkehr, sondern brauche Entlastung. Bei Einstellung des Güterverkehrs auf der Strecke käme allerdings nach Rechnung der UIP allein im Stadtbereich Schongau eine Belastung von etwa 120 Lkw täglich hinzu, um den Transportverkehr der Papierfabrik, der derzeit über die Bahnlinie abgewickelt wird, zu gewährleisten.

Wie immer aktiv: Eine Postkarten-Aktion initiierte Irmgard Schreiber-Buhl.

Harald Kühn ist bekennender Bahnfahrer. Er konnte die Bedenken bezüglich der Stilllegung der Strecke beschwichtigen. Es liege schriftlich vor, dass kein Verfahren zur Stilllegung der Strecke eingeleitet ist. Auch Andreas Holzhey, Eigentümer der Bahnhofsgebäude Murnau, Landsberg und Schongau, wäre an der Belebung des Bahnhofs gelegen. „Die Reaktivierung kann nur von oben kommen“, so Holzhey. Dabei fehle ihm der nötige Weitblick der Verantwortlichen. Es sei geboten, sich nicht gegenseitig zu blockieren, sondern eine Zukunftsvision zu haben.

Norbert Moy (Vorsitzender der Initiative Pro Bahn) fehlt auch der Unternehmergeist bei der Bahn. Um die Strecke zu reaktivieren, brauche es einen pragmatischen Ansatz mit einfachen Mitteln und zudem eine Finanzierung durch die Bundesregierung und die bayerische Staatsregierung. Das könne man nicht den Gemeinden aufhalsen. Schließlich zahle der Bund auch übergeordnete Straßen.

Angesichts so vieler Argumente sah UIP-Vorsitzender Gerhard Kral abschließend optimistisch in die Zukunft. „Wir müssen gemeinsam eine vernünftige Lösung finden und weiterhin das Gespräch suchen“, so Kral. Bürgermeister Falk Sluyterman hat er schon auf seiner Seite und ein Treffen mit den Bürgermeistern der Gemeinden an der Strecke soll folgen.

VON URSULA FRÖHLICH

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