Online-Unterricht ist nicht nur für die Schüler eine Herausforderung.
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Online-Unterricht ist nicht nur für die Schüler eine Herausforderung.

Herausforderung für alle Beteiligten

Unterricht in Corona-Zeiten: Ungewohnter Stress für Lehrer und Schüler

Der Schulunterricht ist eingestellt, von Ferien ist aber für alle Beteiligten keine Spur. Schüler werden, so gut es geht, online unterrichtet und müssen auch Hausaufgaben machen.

Schongau/Peiting – „Eltern und Kinder sind total gestresst.“ Mit dieser Aussage beschwerte sich jüngst eine Mutter, deren Sohn die 5. Klasse der Pfaffenwinkel-Realschule in Schongau besucht. Ihr Kritikpunkt ist zum einen der Kommandoton, mit dem die Kinder beim Einloggen in das System „Mebis“ bedacht werden, und zum anderen die Aufforderung, sich bis 10 Uhr einzuloggen, da es ansonsten eine Meldung beim Sekretariat gebe.

„Wenn jemand mehrere Kinder hat, muss man fast für jeden einen Computer haben, um diese Anforderung zu erfüllen“, meint sie. Weiter gebe es kein geordnetes System, Aufgaben abzulegen.

Das sagt der Schulleiter der Pfaffenwinkel-Realschule zum Online-Unterricht

Das mit dem Einloggen relativiert Schulleiter Armin Eder allerdings: „Das war erst einmal so gedacht, weil die Lehrer von 8 bis 12 Uhr online sind“, erklärt er. Da das nicht praktikabel war, reicht es aus, wenn ein Schüler einmal im Laufe des Tages eingeloggt ist.

Schwänzt ein Schüler mehrmals, gibt es eine Mitteilung an die Eltern, liefert er die Hausaufgaben nicht ab, gibt es, genau wie sonst auch, einen Strich ins Klassenbuch. „Wir wollen eine gewisse Struktur reinkriegen. Feste Zeiten sollen für die Kinder Routine bleiben“, so Eder.

Wenngleich er schon festgestellt hat, dass manche Schüler sich auch mal erst um 23 Uhr einloggen. Wenn es Schülern nicht möglich ist, aufs Netz zuzugreifen, wie zum Beispiel aus einem Ortsteil in Peiting, der vom Blitzschlag betroffen war, werden laut Eder andere Lösungen gefunden.

Schulpsychologin hilft bei Konflikten wegen des Lernens 

Wenn es zuhause Konflikte bezüglich des Lernens gebe, könnten sich Eltern auch per Seelsorge-Telefon bei der Schulpsychologin oder der Schulsozialarbeiterin melden. In besonderen Fällen sei es auch möglich, bis zu zehn Kinder mit den geforderten Sicherheitsvorkehrungen an der Schule zu betreuen.

Online-Unterricht: Großer Aufwand für die Lehrer

Dass auch die Lehrer jetzt mehr Arbeit haben, bestätigt Thomas Illert, der Physik und IT an der Realschule in Füssen unterrichtet. „Es gibt diverse Probleme, die auch durch Filmchen nicht unbedingt zu lösen sind“, führte er aus. Zum Beispiel, wenn es um Experimente gehe, die im Schulunterricht gemacht werden. „Das Haptische, etwas anfassen oder selber machen zu können, ist für viele wichtig“, weiß er aus der Praxis.

Lesen Sie auch: Wenn die Schüler nicht mehr in den Unterricht kommen dürfen, müssen die Lehrer eben kreativ werden. Drei Schongauer Lehrer drehen deshalb humorvolle Videos.

Gerade versucht er, Schülern, die zum Teil noch nie einen Magneten in der Hand gehabt haben, das Thema „Magnetismus“ nahe zu bringen. Zudem muss jede einzelne Hausaufgabe, die sonst gemeinsam im Unterricht besprochen wird, einzeln korrigiert und mit einer persönlichen Rückmeldung samt Musterlösung versehen werden, um dem einzelnen Schüler gerecht zu werden. Bei ihm sind das rund 150 Hausaufgaben täglich. Ein enormer Zeitaufwand, zusätzlich zu dem, den Unterricht online-tauglich aufzubereiten.

Schüler haben unterschiedlich viel zu tun

Eine andere Mutter, die zwei Kinder in der Pfaffenwinkel-Realschule Schongau hat, beantwortet die Frage, ob das mit dem Unterricht klappt, mit einem klaren „Jein – nicht immer“. Manchmal sei das Netz überlastet, und auch die Menge, die die Schüler zu tun haben, sei sehr unterschiedlich. Während ihr Sohn schon mal vier Stunden zu tun habe, um die Hausaufgaben abzuarbeiten, sei es bei der Tochter, die die 10. Klasse besucht, nicht viel.

Dass man Aufgaben mit Hilfe der Mitschüler per WhatsApp erledigt, wie auch schon berichtet wurde, sei weniger der Fall. „Es kommen schon mal Anfragen, aber eigentlich macht das keiner“, meint die Tochter. Viel mehr ärgere sie sich darüber, dass die Abschlussprüfungen verschoben wurden. „Eigentlich wäre jetzt schon die Zeit, sich vorzubereiten. Man bleibt einfach nicht so dran, der Unterricht fehlt“, ist ihre Meinung.

VON URSULA FRÖHLICH

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