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Gut organisiert: Die Gegner des Kinderspielplatzes (v.l.) Hans Resch, Peter Haggenmiller und Günter Schultz haben Plakate gedruckt und sammeln Unterschriften. Den Bereich des geplanten Spielplatzes haben sie abgesteckt. 

Bürger-Protest

Schongau: Unterschriften gegen Kinderspielplatz am Lido

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Eine Gruppe Schongauer Bürger will sich nicht mit dem geplanten Kinderspielplatz am Lido abfinden und sammelt Unterschriften dagegen. Ihr Argument: Der Lido ist in seiner Gesamtheit schon immer ein Naturspielplatz, es brauche nicht noch mehr Eventisierung.

Schongau

– Peter Haggenmiller hat sich schon oft mit der Stadt angelegt. Der Schongauer war treibende Kraft der Bürgerinitiative, die nach einem verheerenden Unwetter im Juli 2012 Entschädigung wegen vollgelaufener Keller forderte, außerdem hatte er wiederholt die Situation mancher Spielplätze in Schongau angeprangert. Jetzt kämpft er kurioserweise gegen einen Spielplatz, doch das ist für ihn kein Widerspruch – für ihn ist der Lido bereits jetzt ein Naturspielplatz, auf dem man unter anderem im Wasser Becken und Dämme bauen, Schiffe aus Schwemmholz basteln, Jungfische im Kescher fangen oder Schlauchboot fahren kann.

Diese Plakate hängen unter anderem am Lido-Zugang.

Als Haggenmiller vor rund zwei Wochen den SN-Bericht über den Spielplatz-Plan gelesen hatte, wurde er sofort tätig und suchte sich Mit-Organisatoren für seinen Protest, die er in Hans Resch und Günter Schultz gefunden hat. Lido-Pächter Schultz fühlt sich übergangen, und Resch, seit Jahren ein Lido-Fan, findet es nicht in Ordnung, dass an diesem einmaligen Plätzchen Natur ein großer Spielplatz mit 20 mal 4,5 Meter Ausmaßen hingeklatscht wird. „Es gibt so viele Spielplätze in Schongau, da muss nicht an diesem Plätzchen auch noch einer hin. Die Kinder sollen hier Natur pur erleben“, sagt Resch.

Mit dem Kampagnen-erprobten Haggenmiller lief die Protest-Welle schnell an. Vergangene Woche wurden Unterschriftenlisten ausgelegt, bereits rund 200 Menschen (nicht alles Schongauer) haben unterschrieben. Darunter laut Haggenmiller viele Jugendliche, „bei denen rennen wir offene Türen ein“, aber auch Eltern mit älteren Kindern „und sogar eine Kindergärtnerin“. Sie haben den geplanten Spielplatz-Bereich abgesteckt, damit sich Badegäste ein Bild von den Ausmaßen machen können, und bereits Protestplakate gedruckt und aufgehängt. Am morgigen Sonntag ist um 15 Uhr vor Ort eine kleine Info- und Protestveranstaltung geplant.

Info- und Protestveranstaltung am Sonntag geplant

Ihre Argumente gegen den Spielplatz haben die Gegner auf einer Liste von a bis r aufgezählt. Unter anderem wird aufgeführt, dass der Spielplatz wegen des nahen Wassers umzäunt werden müsste, weil die Eltern vom Bootshaus aus den Bereich gar nicht überblicken können – außer man holzt aus. „Ein Baum ist schon markiert worden“, sagt Haggenmiller. Der Spielplatz nehme auch zu viel vom wenigen Platz weg, außerdem müsse der Reßle-Bauer dort Holz lagern können. „Mit ihm hat niemand gesprochen, auch nicht mit Pächter Schultz, der Wasserwacht oder sonst jemandem, der davon betroffen ist“, wundert sich Haggenmiller.

Das bestätigt Schultz: „Alle, die ich gefragt habe, wollen keinen Spielplatz. Ich frage mich, wie so etwas zustande kommt. Da entscheiden bei der Stadt Leute, die selber nie am Lido sind“, ärgert er sich. Laut Haggenmiller habe man sich mit der Schwimminsel und dem Steg noch anfreunden können, auch wenn die aus Holz hätten sein sollen. Aber schon die Aufstellung der Liegen, von der niemand wusste, habe sie geärgert. Die Spielplatz-Pläne waren jetzt der berühmte Tropfen, der das Fass überlaufen ließ.

Bürgermeister stoppt schnelle Umsetzung

Ein Grund, warum die Initiatoren so schnell so aktiv wurden, ist der Faktor Zeit. Bürgermeister Falk Sluyterman hatte im Bauausschuss gesagt, Ziel sei es, noch im September den Spielplatz fertigzustellen. „Wir wollten unbedingt einen Aufschub, weil wir denken, dass sonst jeden Moment die Bagger anrollen“, so Haggenmiller.

Dieses erste Ziel hat er bereits erreicht. Der Bürgermeister, der von Haggenmiller vorab informiert worden war, sagte auf SN-Nachfrage, er habe das Bauamt bereits angewiesen, nichts zu überstürzen. „Widerstand ist legitim. Die Abstimmung war zwar einstimmig, aber den Protest können wir natürlich nicht ignorieren.“ Die Initiatoren wollen mit den Unterschriften erreichen, dass über den Spielplatz-Bau noch einmal in einem städtischen Gremium diskutiert wird. „Wie wir das machen, weiß ich noch nicht. Aber vielleicht kommt es bereits kommenden Dienstag zur Sprache“, sagte Sluyterman. Da finden die letzten Sitzungen von Bauausschuss und Stadtrat vor der Sommerpause statt.

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