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Auf diesem Grundstück am Zeislerweg (dunkelgrüner Bereich Bildmitte) soll der neue V-Bau- und Gartenmarkt entstehen.

Alleingang der Nachbargemeinde

V-Baumarkt: Schongau sauer auf Peiting

  • Elke Robert
    vonElke Robert
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Die Schongauer Stadträte sind mächtig sauer auf ihre Peitinger Kollegen: Auf drei Hektar Fläche soll ein Bau- und Gartenmarkt gebaut werden. Die Stadt sieht dadurch negative Auswirkungen auf die heimische Wirtschaft. Auch habe die Marktgemeinde dies trotz des gemeinsamen Mittelzentrums im Alleingang entschieden. Das IKEK werde dadurch ad absurdum geführt.

Schongau – Stadtbaumeister Sebastian Dietrich war es, der in Sachen V-Baumarkt im Peitinger Gewerbegebiet an der Ammergauer Straße berichtete. Fünf Seiten umfasst die Stellungnahme für das Raumordnungsverfahren, die er bei der Regierung von Oberbayern eingereicht hat. „Es sind negative Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit zu erwarten“, ist er sich sicher. Zum einen geht er für Schongau und die Gemeinden im Einzugsgebiet von einer starken Kaufkraftabschöpfung aus – nicht nur für die bereits etablierten Bau- und Pflanzenmärkte, sondern auch für kleinere Betriebe mit Bedarfs- und Ergänzungshandel, vom kleinen Bauunternehmer über den Fliesenleger bis zum Schlosser und Raumausstatter. „Möglicherweise drohen sogar Betriebsschließungen“, so Dietrich. Das Vorhaben in Peiting sei überdimensioniert. Immerhin knapp 7800 Quadratmeter Verkaufsfläche sind geplant. Trotz bestehendem Trend zum „Do It Yourself“ sei ein nachhaltiges Wachstumspotenzial in diesem Marktsegment seit Jahren nicht mehr erkennbar.

„Das gemeinsame Mittelzentrum bleibt komplett unberücksichtigt“

Im Landesentwicklungsprogramm Bayern (LEP) ist der Markt Peiting gemeinsam mit der Stadt Schongau als zentraler Doppelort eingestuft – „das gemeinsame Mittelzentrum bleibt aber komplett unberücksichtigt“, so Dietrich. Eigentlich sollen diese zentralen Doppelorte ihren Versorgungsauftrag gemeinsam wahrnehmen – in einer „kommunalen Kooperation“. Dies sei nicht geschehen, derzeit werde alleine auf die städtebaulichen Ziele des Marktes Peiting eingegangen. Auch vom „Integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept“ ISEK und dem Einzelhandelskonzept der Stadt Schongau scheine man in Peiting noch nie etwas gehört zu haben, die Projektunterlagen seien unzureichend.

Nicht zuletzt bemängelt der Stadtbaumeister, dass es im Rahmen des IKEK, dem Entwicklungskonzept für die Kommunen Schongau, Peiting und Altenstadt, keine gemeinsame politische Entscheidungsfindung gegeben habe. Dabei ist auch eine Abstimmung bei der Gewerbeflächenentwicklung beschlossen worden.

„Völlig unverständlich, wie ein Gemeinderat so entscheiden kann“

Dies war das Stichwort für Bettina Buresch. „Es ist absolut frustrierend. Wir erarbeiten und verabschieden gemeinsam Dinge, die sich dann als zahnloser Papiertiger herausstellen, und niemand muss sich daran halten.“ Es seien so viele Läden und Betriebe betroffen. „Mir ist das völlig unverständlich, wie ein Gemeinderat so etwas beschließen kann“, so Buresch, die am liebsten Konsequenzen ziehen möchte: „Eigentlich möchte ich dem Gremium nicht mehr angehören. Dafür ist mir meine Zeit in Zukunft zu schade.“

Bürgermeister Falk Sluyterman wollte nicht so weit gehen, das IKEK zu verteufeln oder es gar in die Tonne zu treten, vermutlich sei an dem Sachverhalt auch nichts mehr zu ändern, da das Grundstück bereits verkauft ist. Es seien eben sehr dicke Bretter, die es da zu bohren gebe und ein gemeinsames Vorgehen etwa in Sachen Fuchstalbahn oder Krankenhaushalt sei wichtig. „Es wird noch etwas dauern, bis man Früchte ernten kann, wir müssen nur versuchen, es in die richtigen Bahnen zu bringen.“

„So ein großes Projekt hätte abgestimmt werden müssen“

Keinen Zweifel ließ Sluyterman aber an seiner Meinung über die Nachbargemeinde: „So ein großes Projekt hätte abgestimmt werden müssen.“ In beiden Gemeinden, Peiting wie Altenstadt, gebe es nun neue Bürgermeister. Er wolle das auf die Agenda nehmen und dann auch sofort mit Peter Ostenrieder, dem neuen Peitinger CSU-Bürgermeister, Kontakt aufnehmen.

Bereits im Dezember hatte der Marktgemeinderat mehrheitlich dem Verkauf des Geländes an einen Investor zugestimmt. Jetzt war bekanntgeworden, dass der Ferienausschuss der Marktgemeinde in nicht öffentlicher Sitzung den Notarvertrag abgesegnet hat, damit könnte das Vorhaben bereits in trockenen Tüchern sein. Das allerletzte Wort darüber gesprochen ist aber sicher noch nicht. Denn in Peiting selbst regt sich seit längerem Widerstand. Unter anderem wird kritisiert, dass die Fläche ein einzelner Investor bekommt, statt sie zu teilen und damit mehrere örtliche Interessenten zu bedienen. Nicht einmal alle Gemeinderäte stehen hinter dem Projekt. Auch ein Bürgerbegehren steht im Raum.

Pikant: Kurz vor dem Notartermin und der nicht öffentlichen Sitzung sollten im Rathaus die Unterschriften abgegeben werden für das Bürgerbegehren. Diese wurden dann auf Anraten von Bürgermeister Michael Asam noch einmal zur Überprüfung mitgenommen und lagen der Gemeinde somit zum Notartermin nicht vor.

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