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Stecken hinter der Technik (von rechts): Viktoria Kienle, Silas Schmorell, Max Diegruber und Max Mewes.

Festspiel in Schongau

Aufwendige Technik beim Henkerstochter-Festspiel: „Jesus stirbt besonders schön“

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Viel Applaus bekommen die Darsteller des Henkerstochter-Festspiels. Ohne diejenigen, die im Hintergrund an den Reglern drehen und rechtzeitig die richtigen Knöpfe drücken, läuft aber nichts. 

Schongau – Hoch oben über dem Bürgermeister-Schaegger-Platz thront das Technik-Team. Geschützt vor Regen und Feuchtigkeit sind Verstärker, Laptops, Computer, Server, Batterieanlage und Empfänger untergebracht. Kurz vor jeder Aufführung von „Die Henkerstochter und das Spiel des Todes“ bezieht die Crew Stellung.

Eine Viertelmillion Euro steckt etwa in der ganzen Ausrüstung der Firma von Max Diegruber. Das Herzstück sind die Headsets. Es gibt 47 Sprechrollen, und jeder Darsteller hat sein eigenes Kopfmikrofon. „Da haben wir mit der Henkerstochter 2016 dazugelernt“, erklärt Silas Schmorell. Denn die unauffälligen kleinen Drahtbügel mit Mini-Mikro müssen ordentlich verklebt werden, damit sich die Schauspieler frei bewegen können. Aber auf der Theaterschminke hält rein gar nichts, weshalb ein Tausch oder Wechsel ganz schlecht funktioniert. „Jetzt werden die Headsets zuerst verklebt, dann wird drübergeschminkt“, so Schmorell. Und diese Lösung klappt einwandfrei. Wenn doch einmal nicht: Der Techniker ist während der Vorstellung ständig auf dem Sprung und tauscht auch mal rasch eine Batterie.

Technik bei der Henkerstochter: 24 Bühnenscheinwerfer müssen gesteuert werden

Für die Funksender hat sich das Team eine eigene Lösung ausgedacht, denn die 47 Mikrofone müssen auf 18 Kanäle verteilt werden. Zunächst müssen die Sender passend zum Skript an den nächsten Darsteller weitergegeben werden. „Auf jedem Backstage-Ausweis der Schauspieler ist aufgedruckt, wer in welcher Szene von wem den Sender bekommt oder an wen weitergeben muss“, zeigt Schmorell. Nach einem speziell ausgeklügelten Plan werden die einzelnen Mikros für die Sprechrollen dann „auf Sendung“ geschaltet. „Dafür haben wir eine 30-Sekunden-Ruhezone kurz vor dem Auftritt und beim Abgang von der Bühne“, so Diegruber. In dieser Phase darf man nicht sprechen und muss sich später den großen Erleichterungsseufzer noch kurz verkneifen, sonst hören dies die Zuschauer vielleicht. „Das hat aber immer gut geklappt“, so Schmorell. „Nahezu fehlerfrei“, ergänzt Diegruber und grinst.

Nicht weniger aufwendig war die Planung von Max Mewes. Er sitzt im Technikstand ganz rechts und ist für das Licht zuständig. Die Bühne hat er sich in verschiedene Bereiche unterteilt, erst als grobe Skizze auf einem Pappkarton, dann hat er die Infos auf den Laptop übertragen. Zwölf Lichtszenen hat er sich so programmiert und kann damit die 24 Bühnenscheinwerfer gut steuern. „Ob Oberammergau, ob Schongau, so wissen die Zuschauer genau, wo sich etwas abspielt“, so Mewes. Mit Tribünen-Licht, Musik, Zelt und Gastro sind 40 Scheinwerfer im Einsatz.

Technik bei der Henkerstochter: Einsätze dürfen nicht verpasst werden

Die Schnittstelle zwischen dem einen und dem anderen Max ist Viktoria Kienle. Sie hat die Regieassistenz übernommen und sorgt dafür, dass die Bühnentechniker ihren Einsatz nicht verpassen. „Ich lese im Textbuch mit und sage jedem, was nun kommt“, so Kienle. Wie Diegruber und Schmorell war die 20-Jährige auch beim ersten Henkerstochter-Festspiel schon dabei. Theater liegt in der Familie. Während Viktorias Mutter Marie-Luise Abels, ihre Schwester Valerie Kienle und ihr Bruder Salomon Kienle auf der Bühne stehen, hat sie sich für eine Aufgabe im Backstage-Bereich entschieden. „Das ist manchmal richtig anstrengend, denn ich muss mich viel konzentrieren und die ganze Zeit dabeibleiben, aber es ist schön, dass ich mir immer alles von oben ansehen kann – und die Arbeit mit den Dreien macht unglaublich Spaß.“

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Am meisten Freude hat dem Team aber wohl die technische Umsetzung des Bühnenbildes von Regisseur Maximilian Geiger bereitet: Das Gerüst, über die die monströse Stadtpfarrkirchen-Fotoplane des Schongauer Fotografen Tobias Fuhrmann gespannt ist – hinter der Bühne fühlt man sich an Legotechnik für Erwachsene erinnert. Alle Einzelheiten haben Diegruber und Schmorell ausgetüftelt. Und freuen sich jedes Mal wieder wie die Kinder über die Anfangsszene, in der sich ein Kreuz über einen Hydraulikzylinder ganz langsam aus dem extrafeinen CO2-Bühnennebel erhebt. Diegruber: „Jesus stirbt besonders schön.“

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