+
Der Waldumbau im Kirchenwald in Altenstadt wird von der Waldbesitzervereinigung Schongu unterstützt und gefördert.

Auszeichnung im Oktober

Waldbesitzervereinigung erhält erstmals Preis für vorbildliche Bewirtschaftung

Das oft jahrzehntelange Engagement um die Wälder wird mit einem Staatspreis gewürdigt. Unter den Preisträgern ist heuer erstmals die Waldbesitzervereinigung Schongau.

Schongau – „Bei der Waldbewirtschaftung kann mit oft geringem Aufwand viel für die Artenvielfalt in unserem Land getan werden“, sagte die bayerische Forstministerin Michaela Kaniber lobend über die jahrelange gute Arbeit der Waldbesitzervereinigung Schongau. Die darf sich jetzt über den mit 1000 Euro dotierten Staatspreis freuen – eine Anerkennung, auf die WBV-Chef Martin Klein aus Wildsteig und sein Geschäftsführer Florian Riedl stellvertretend für alle 1200 Mitglieder stolz sein können.

Die vorbildliche Waldbewirtschaftung der WBV Schongau kommt vor allem bei zwei Waldumbau-Projekten (in Schwabsoien und Altenstadt) zum Ausdruck. Im Pfarrbühel-Wald in Schwabsoien handelt es sich um die Anlage einer Versuchsfläche zum Thema Klimawandel. Damit ist vor acht Jahren auf einer zwei Hektar großen Waldfläche mit der Bepflanzung verschiedener Baumarten begonnen worden.

Auswirkungen des Klimawandels sind im Wald teilweise enorm

„Der Klimawandel hat auch auf die Entwicklung der Forstwirtschaft einen starken Einfluss“, schreibt Alexandra Dittgen (von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf). Sie hat mit einer Bachelor-Arbeit die Versuchsanlage im Pfarrbühel-Wald begleitet. Vor allem in der Vegetationszeit seien die Auswirkungen enorm, stellt Dittgen fest. Aufgrund der hohen Temperaturen benötigten die Bäume mehr Wasser. Dieser Mehrverbrauch könne jedoch nicht gedeckt werden, da die Niederschläge sinken und somit längere Trockenzeiten entstehen.

Dieser Teufelskreis aus dem Bedarf an mehr Wasser und geringeren Niederschlägen verursache zunehmenden Trockenstress, was wiederum zu Vitalitätsverlust führe. Daraus resultierten Einbußen beim Holz- und Höhenwachstum. Somit komme es zu Qualitätseinbußen, die ihrerseits starke wirtschaftliche Auswirkungen hätten.

Die milderen Winter begünstigten zudem eine Zunahme der Schadinsekten, da die Kälteperioden nicht mehr lang genug seien, um deren Bestände wirksam zu regulieren.

Ein Wald mit verschiedenen Baumarten – wie hier im Pfarrbühelwald in Schwabsoien – ist das Ziel.

Große Probleme bei der Fichte werden erwartet

Sehr große Probleme sind vor allem beim „Brotbaum der Forstwirtschaft“, der Fichte, zu erwarten. Ihr Anteil an den bayrischen Wäldern beträgt 45 Prozent. Die strukturreicheren Wälder der Vergangenheit wurden zunehmend durch Fichtenwälder abgelöst, da sie die Möglichkeit boten, den hohen Holzbedarf besonders nach den Weltkriegen schnell und mit geringem Aufwand zu decken. Dabei wurde die Fichte großflächig außerhalb ihres eigentlichen Verbreitungsgebietes angesiedelt. Natürlicherweise steht sie entweder in kalten und trockenen bzw. in kalt und feucht geprägten Gebieten. „Durch die zunehmende klimatische Entwicklung zu einem trocken und warm geprägten Klima kommt sie zunehmend in Bedrängnis“, warnen die Forstleute.

Auch der Kirchenwald in Altenstadt unter der Aufsicht von Ulrich Scholz (Kirchenwaldpfleger) gilt seit Jahren als vorbildlich. Und dies findet ebenfalls Anerkennung.

Diese Bäume waren bei den Projekten der Waldbesitzervereinigung Schongau besonders erfolgreich

Besonders erfolgreich bei den Projekten der Waldbesitzervereinigung Schongau waren bisher Traubeneiche, Mammutbaum und Elsbeere. „Das war so nicht zu erwarten“, teilte WBV-Geschäftsführer Florian Riedl mit. Die klimatischen Bedingungen seien heute auch im Schongauer Land teilweise wie im Oberrheingraben vor 30 Jahren. „Daher gedeihen diese Baumarten mittlerweile auch bei uns“, freut sich Riedl. Die beiden Versuchsflächen stünden exemplarisch für die Arbeit der WBV Schongau bei der Waldbewirtschaftung.

Grundsätzlich sollten – so Fachmann Riedl – die Wälder auf „mehrere Füße“ gestellt werden. Die Zeit dränge, und deshalb möchte die Waldbesitzervereinigung ihren Mitgliedern mit Empfehlungen zur Seite stehen, die sie auch selbst schon ausprobiert habe und erfolgreich gewesen sei.

„Die Zukunft bei uns heißt nicht mehr nur Fichte. sondern Fichte, Tanne, Buche, Ahorn, Eiche, Elsbeere und viele andere“, so die Marschrichtung der WBV Schongau. „Für dieses Engagement haben wir wohl den Preis bekommen“, vermutet Riedl.

Die Übergabe des Staatspreises erfolgt am 16. Oktober bei einem Festakt in der Residenz in München.

VON MICHAEL GRETSCHMANN

Lesen Sie auch: Das Drei-Jahres-Projekt „Kinder helfen Bienen“ der Gemeinde Peiting geht ins zweite Jahr. Kinder sollen auf spielerische Weise mit dem Thema vertraut gemacht werden.

Außerdem interessant: Die Ausschreibung für die neue Mensa am Schongauer Schulzentrum ist beendet.

Und hier lesen Sie weitere Nachrichten aus Schongau und Umgebung.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Schongauer Volksfest überraschend abgesagt - das steckt dahinter
Fans des Schongauer Volksfests wird diese Nachricht nicht freuen: Die eigentlich für Anfang September geplante 159. Auflage ist überraschend abgesagt. 
Schongauer Volksfest überraschend abgesagt - das steckt dahinter
Über Nacht: Stadt sperrt Badestege an beliebtem See - nach heftigem Protest lenkt sie jetzt ein
In Weilheim sind am Dietlhofer See die Stege aus haftungsrechtlichen Gründen abgesperrt worden. Die Badegäste waren entsetzt. Jetzt lenkte die Stadt ein - zumindest …
Über Nacht: Stadt sperrt Badestege an beliebtem See - nach heftigem Protest lenkt sie jetzt ein
Traurige Entwicklung: Jungstörche sterben reihenweise - Experten kennen den Grund 
Eine traurige Entwicklung beobachten Experten bei Störchen in Oberbayern: Ihre Jungen sterben reihenweise, mancherorts ging der komplette Nachwuchs ein.
Traurige Entwicklung: Jungstörche sterben reihenweise - Experten kennen den Grund 
Begeisterung für den Pflegeberuf - ein Gespräch mit der Leiterin der Heimerer Schulen in Schongau
Conny Leibig, die Leiterin der Heimerer Schulen in Schongau, hört zum Oktober auf. Wichtig sind ihr vor allem die zwischenmenschlichen Beziehungen. Ein Gespräch.
Begeisterung für den Pflegeberuf - ein Gespräch mit der Leiterin der Heimerer Schulen in Schongau

Kommentare