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Angeführt von der Trommlergruppe „Pura vida“ zog der Demonstrationszug auf den Marienplatz. 

20. Strabs-Montagsdemo

„Schongau war der Zündfunke für einen Flächenbrand“

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Die 20. Schongauer Montagsdemo zur Abschaffung der Strabs war eine besondere. „Ihr seid die Mütter und Väter dieses Erfolgs“, rief Freie Wähler-Chef Hubert Aiwanger den Demonstranten mit Blick auf das bis jetzt Erreichte zu. 

Schongau – Die Peitinger Trommlergruppe „Pura Vida“ für die 20. Schongauer Montagsdemo gegen die Straßenausbau-Beitragssatzung (Strabs) zu engagieren, war eine hervorragende Idee der Organisatoren. Denn die rund 180 Demonstranten, die wie immer mit vielen Schildern und Pfeifen ausgestattet waren, tanzten teilweise fleißig mit und blieben so an dem kalten Montagabend ansatzweise warm. Während die Demo vor dem Rathaus sonst nach rund 20 Minuten vorbei ist, ging es dieses Mal auf den Marienplatz und dauerte fast eine Stunde. Schließlich war es eine besondere Veranstaltung mit gleich zwei Ehrengästen: Neben Freie Wähler-Chef Hubert Aiwanger war auch Jürgen Jordan in die Lechstadt gekommen.

„Sie haben das alles ausgelöst“, sagte Mitorganisator Max Anderl freudestrahlend zu Jordan. Er war es, der am 12. September auf Einladung der Alternativen Liste Schongau (ALS), allen voran Irmgard Schreiber-Buhl, im völlig überfüllten Ballenhaus die Schongauer Bürger über die Strabs und die möglichen finanziellen Folgen für Anwohner informierte. „Die Veranstaltung war so etwas wie der Zündfunke für einen unvergleichlichen Flächenbrand in ganz Bayern zur Abschaffung dieser ausgesprochen ungerechten Gesetzesregelung“, sagte Jordan, einer der Sprecher der „Allianz gegen Straßenausbaubeitrag“.

Auch andere Bundesländer habe der aus Schongau gestartete Protest erreicht, „und ich wage die Prognose, dass diesem Gesetz im gesamten Bundesgebiet der Garaus gemacht wird“. Die Schongauer Montagsdemos und die „Rote Karte für die Strabs“ seien bundesweit bekannt. „Es ist euch gelungen, mit Charme, Intelligenz und Witz einen sehr großen Beitrag für unser gemeinsames Ziel zu leisten“, sagte Jordan.

Bei diesen Dankesworten wollte Aiwanger nicht zurückstehen. Immer wieder von „Strabs muss weg“-Rufen begleitet, rief er den Demonstranten zu: „Ihr seid die Mütter und Väter dieses Erfolgs.“ Bald sei es so weit, dass man nicht mehr „Strabs muss weg“, sondern „Strabs ist weg“ sagen könne, und er wurde sogar etwas martialisch: „Ihr habt die Granate gezündet, die in der Staatskanzlei eingeschlagen hat. Darüber kann die CSU nicht mehr hinweggehen. Ohne euch wären wir nicht dort, wo wir jetzt sind.“

Dabei zeigte er sich durchaus selbstkritisch, weil auch seine Partei etwas gebraucht habe, um die Ungerechtigkeit dieser Abgabe zu erkennen: „180 Leute hier haben mehr Sachverstand als 180 Abgeordnete im Landtag“, rief Aiwanger unter dem Beifall der Bürger. „Ihr habt der Politik gesagt, wo sie hinmuss.“ Es heiße „Eigentum verpflichtet, aber nicht Eigentum vernichtet“ – für Straßenbau zahle man genug Steuern. Das von den Freien Wählern gestartete Volksbegehren werde vermutlich auf 500 000 Unterschriften kommen, „das hat es noch nie gegeben“.

Mit seiner Bitte, nicht aufzuhören, bis die Strabs-Abschaffung endgültig beschlossen, eine anständige rückwirkende Entschädigung geregelt und die ebenso ungerechten Erstschließungsbeiträge für Jahrzehnte-alte Straßen gekippt sind, rannte er bei den Schongauern offene Türen ein: „Wir machen weiter“, schallte es aus dem Lautsprecher durch den kalten Abend. 

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