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Wegen Helfermangel: Wird der Schongauer Bikepark zum Sorgenkind für die Stadt?

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Von: Christoph Peters

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Der Bikepark an der Schärflshalde aus der Vogelperspektive: Seit 2016 ziehen die Trails, die sich an Anfänger und Fortgeschrittene richten, Biker aus nah und fern an. © Hans-Helmut Herold

Der Bikepark in Schongau erfreut sich großer Beliebtheit bei den Radfans. Das Problem: Kaum einer der vielen Sportler beteiligt sich an den regelmäßig anfallenden Arbeiten, um die Strecken in Schuss zu halten. Doch ohne ehrenamtliche Helfer könnte die Anlage zum Sorgenkind für die Stadt werden.

Schongau – Mit dem Mountainbike rasant auf schmalen Pfaden die Berge hinabzukurven, ist längst kein Sport weniger Individualisten mehr. Auch die großen Skigebiete in den Alpen haben das Potenzial erkannt. Wo Wintersportler in der kalten Jahreszeit die Hänge bevölkern, sollen extra angelegte Trails in den Sommermonaten die Mountainbiker anlocken. Mit Erfolg: Die Bikeparks boomen. Mit den großen Anlagen kann der 2016 eröffnete Bikepark an der Schärflshalde in Schongau freilich nicht mithalten. Es gibt keinen Lift, der die Biker bequem bergauf transportiert, die Längen der fünf Strecken sind überschaubar. Dennoch ist die Anlage längst kein Geheimtipp mehr, das Einzugsgebiet reicht weit über die Region hinaus. Im Internet schwärmen begeisterte Radfans vom Kleinod mitten in der Stadt. „Super, cooler Bikespaß“, lobt ein Nutzer. „Schöne Lines und freundliche Atmosphäre“, schreibt ein weiterer. „Die Trails sind gut gewartet und lassen sich sehr flüssig fahren.“

Es sind Sätze wie diese, die Helmut Lerf gerne lesen dürfte. Der leidenschaftliche Mountainbiker, der in Schongau ein Radgeschäft betreibt, sorgt mit seinen Helfern ehrenamtlich dafür, dass die Nutzer beste Bedingungen vorfinden. Arbeit gibt es genug, denn nicht nur die Spuren, die die Nutzer in den Kurven und Sprüngen hinterlassen, müssen regelmäßig ausgebessert werden. Auch längere Niederschläge sorgen für Schäden auf den Naturbahnen. Doch das von der Stadt verfolgte Konzept, dass vornehmlich Ehrenamtliche sich um den Unterhalt kümmern, stößt seit längerem an seine Grenzen.

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Einzelkämpfer vor der Arbeit: Dienstagfrüh besserte Helmut Lerf zweieinhalb Stunden lang mit Sand die vom Regen verursachten Schäden aus. © Hans-Helmut Herold

Von den Bikepark-Paten, die sich am Anfang bereit erklärt hatten, sich um die Anlage, die immerhin rund 200 000 Euro gekostet hat, zu kümmern, ist nur Helmut Lerf geblieben. Zwar verfügt der 56-Jährige über eine Liste potenzieller Helfer. Doch wenn er Bautage ansetze, um die Strecken in Form zu bringen, halte sich die Reaktion im Helfer-Chat meist in engen Grenzen, sagt Lerf. Weil die Aufrufe auf der Facebook-Seite meist ebenso ungehört verhallen, rückt der 56-Jährige oft nur mit kleiner Mannschaft aus. Wenn es gehe, schicke der Bauhof Personal, um zu unterstützen, auch aus der Herzogsägmühle habe er schon Helfer akquiriert, sagt Lerf, der sogar schon seine eigenen Leute aus dem Geschäft zum Arbeitseinsatz beorderte.

Manchmal, wie jetzt in der Ferienzeit, spitzt sich die Situation besonders zu, dann kann es vorkommen, dass er oder seine beiden zuverlässigsten Helfer auch schon mal alleine mit Schaufel und Rüttelplatte im Park Hand anlegen. Entsprechend länger dauern die Arbeiten, was wiederum dazu führt, dass die Anlage länger geschlossen bleiben muss. Denn offen zu lassen und einfach nur eine Strecke zu sperren, wie es in größeren Bikeparks gemacht werde, sei ohne Aufsichtspersonal nicht möglich. „Da hält sich keiner dran.“

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Eine große Tafel am Eingang weist auf die Nutzungsbedingungen hin. Dort steht unter anderem, dass die Anlage nur bei trockenem Boden zu benutzen ist. © Hans-Helmut Herold

Ohnehin sind die Öffnungszeiten ein ständiger Kritikpunkt vieler Nutzer. Vor allem auf Facebook hagelt es negative Kommentare, wenn der Bikepark wegen laufender Ausbesserungsarbeiten oder durchnässter Bahnen geschlossen ist. Lerf ärgert das, fürs Wetter könne er schließlich nichts, die Naturbahnen seien nun einmal anfälliger als asphaltierte Strecken und müssten entsprechend geschützt werden. Man bemühe sich immer, den Park so schnell wie möglich freizugeben. Dabei spielt auch die Sicherheit eine große Rolle. „Es fahren ja nicht nur geübte Biker, sondern auch Anfänger und Kinder“, gibt Lerf zu bedenken. Für diese sei ein aufgeweichter und mit Regenrillen durchfurchter Boden gefährlich.

Oft ist Lerf schon frühmorgens vor der Arbeit vor Ort, um sich ein Bild zu machen und kleine Schäden zu beheben. Dann eilt der 56-Jährige in seinen Laden, um schließlich am Abend wieder im Bikepark zur Schaufel zu greifen. Auf über 120 Stunden summiert sich so sein ehrenamtliches Engagement im Laufe der Saison. Andere hätten da schon längst aufgegeben. Auch er überlege jede Woche, wie lange er sich die Belastung noch antun wolle, gibt der 56-Jährige zu. Zumal das „Shapen“ der Trails kein Zuckerschlecken, sondern echte „Knochenarbeit“ sei. Doch da ist immer die Frage: Was passiert dann mit dem Bikepark? Ohne ehrenamtliches Engagement wäre das Aus der „unglaublich geilen Anlage“ besiegelt, fürchtet Lerf.

Stadt lädt Vereine im Herbst zum runden Tisch

Bei der Stadt ist man sich des Dilemmas durchaus bewusst. Schon Ende vergangenen Jahres habe man im Rahmen eines runden Tisches versucht, die örtlichen Vereine mehr ins Boot zu holen, sagt Bürgermeister Falk Sluyterman. „Leider hat das nicht nachhaltig geklappt.“ In diesem Herbst wolle man einen neuen Anlauf starten. „Wir müssen uns intensiv Gedanken machen, wie wir zusätzliche Kräfte akquirieren.“ Auch die Stadt stehe da in der Verantwortung, schließlich handle es sich um ihre Einrichtung, betont der Bürgermeister. Lerfs Sorge, dass die Stadt den Bikepark aufgeben könnte, sollten sich auf Dauer nicht genug Helfer finden, weist Sluyterman zurück. „So schnell werfen wir die Flinte nicht ins Korn.“

Ein Rückbau sei derzeit überhaupt kein Thema, versichert er. Davor gebe es andere Optionen, die geprüft werden müssten. Eine wäre etwa, die Öffnungstage einzuschränken, um die Arbeitsbelastung zu verringern. Das Konzept, dass Stadt und Ehrenamtliche sich den Unterhalt teilen, halte er nach wie vor für einen „guten Mix“. „Wenn man es ausbaut, sollte es eigentlich laufen.“

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