Aus dem Gericht

Sexueller Übergriff im Ehebett

Wegen eines sexuellen Übergriffs auf seine Ehefrau stand ein Schongauer (39) vor dem Amtsgericht Weilheim. Er hatte Einspruch gegen den Strafbefehl erhoben – doch seine Geschwätzigkeit wurde ihm zum Verhängnis.

Schongau Der Angeklagte soll in einer Nacht im November letzten Jahres zudringlich geworden sein. Er wusste, dass seine Frau keinen Sex wollte. Dennoch animierte er seine zunächst schlafende Frau mit sexuellen Handlungen und hörte auch nicht auf, als sie aufwachte und sich weigerte. Die Ehefrau schlug seine Hand weg und begab sich ins Wohnzimmer.

Vor Gericht bestritt der Mann den Vorwurf. Er habe respektiert, dass seine Frau nicht bereit für Sex gewesen sei. Eigentlich stand nun Aussage gegen Aussage, denn die Ehefrau hatte auch im Zeugenstand das Gegenteil behauptet und blieb bei der Anschuldigung. Kurios an der Geschichte war jedoch, dass der Mann nach der Tat, wohl schuldbewusst, einem gemeinsamen Freund und einer auch mit seiner Ehefrau befreundeten Bekannten von dem Übergriff erzählte. „Ich glaube, er wollte sich Rat holen, was er denn jetzt tun sollte“, sagte der Freund, der mittlerweile ein Verhältnis mit der Ehefrau hat.

Streit ums Sorgerecht

Das Ehepaar lebt seit der Tat getrennt und führt einen erbitterten Rosenkrieg um das Sorgerecht der vier teils schon erwachsenen Kinder. Das jüngste Kind ist ihr gemeinsames. Immer wieder wollte die Verteidigerin bei der Zeugenbefragung in Richtung „Rosenkrieg“ steuern. Das verbat sich aber die Vorsitzende Richterin Christiane Serini auf das Schärfste. „Hier geht es lediglich um die Tat im November. Der Rosenkrieg wird beim Familiengericht verhandelt“, sagte sie.

Die beiden befreundeten Zeugen belasteten den Mann schwer. Noch bevor die Ehefrau ihnen die Geschichte erzählte, habe der Mann ihnen die Sache gestanden, sagten beide unabhängig voneinander aus. Erst relativ spät, ein paar Wochen nach der Tat, nach einem psychischen Zusammenbruch mit einem Klinikaufenthalt, zeigte die Frau ihren Mann an. „Sie war noch immer sehr angeschlagen“, berichteten die beiden ermittelnden Kriminalbeamten.

Die Verteidigerin plädierte auf Freispruch. Die Ehefrau sei nicht ganz widerspruchsfrei gewesen. Außerdem habe die Frau einen früheren Ehemann schon einmal angezeigt, sagte die Verteidigerin.

So urteilte die Richterin

Für die Richterin war die Sache jedoch glasklar. „Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass es so war“, sagte sie nach ihrem Urteil. Strafrechtlich relevant sei die Tatsache, dass der Mann trotz Ablehnung seiner Frau weiter gemacht habe, so die Richterin bei ihrer Urteilsbegründung.

Der Mann erhielt eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Als Bewährungsauflage muss er 2500 Euro an die Staatskasse zahlen. Die gleiche Summe bekommt seine Frau als Schmerzensgeld. Das Urteil ist bisher allerdings noch nicht rechtskräftig.

Regina Wahl-Geiger

Rubriklistenbild: © dpa / David-Wolfgang Ebener /Symbolbild

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Coronavirus im Landkreis Weilheim-Schongau: Zehn neue Fälle an einem Tag
Die Zahl der an Coronavirus-Erkrankten im Landkreis Weilheim-Schongau steigt weiter, allerdings nur leicht. In diesem News-Ticker finden Sie immer alle aktuellen …
Coronavirus im Landkreis Weilheim-Schongau: Zehn neue Fälle an einem Tag
Nächstes Bürgerbegehren auf dem Weg, doch wann kommt das Phantomgerüst?
Heftig diskutiert wurde bei der Unterschriftenübergabe des Bürgerbegehrens gegen den geplanten Neubau des Marienheims durch die Arbeiterwohlfahrt (AWO) am Bühlach. Die …
Nächstes Bürgerbegehren auf dem Weg, doch wann kommt das Phantomgerüst?
Kommunale Blitzer: Bernbeuren will Defizit nicht mehr tragen und steigt aus
Die Gemeinde Bernbeuren steigt aus der Kommunalen Verkehrsüberwachung aus. Der Grund: Der Gemeinderat ist nicht mehr gewillt, das jährliche Defizit zu tragen. Den Antrag …
Kommunale Blitzer: Bernbeuren will Defizit nicht mehr tragen und steigt aus
Alle haben einen Platz, aber Corona sorgt für viele offenen Fragen
142 Kinder sind in Schongau für das neue Kindergartenjahr 2020/2021 angemeldet. „Alle Kinder bekommen einen Platz“, meldet Esther Laue, auch einige Reserveplätze hat man …
Alle haben einen Platz, aber Corona sorgt für viele offenen Fragen

Kommentare