Anwaltverein informiert

Wer früher gesund ist, darf auch arbeiten

Nasskaltes Winterwetter sorgt meist für viele Krankmeldungen an den Arbeitsplätzen. So mancher Arbeitnehmer ist verunsichert: Wer zuhause bleiben will, braucht in der Regel eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Aber wie ist es, wenn man wider Erwarten bereits früher wieder arbeitsfähig ist?

Weilheim-Schongau – Der Anwaltverein Weilheim-Schongau räumt jetzt mit der hartnäckigen Legende auf, man müsse sich im Fall einer vorzeitigen Genesung „gesundschreiben“ lassen. Das sei keinesfalls erforderlich, was auch von ärztlicher Seite bestätigen werden kann.

Aber: „Eine ernsthafte Erkrankung sollte man als Arbeitnehmer auch ernst nehmen und verantwortungsvoll handeln“, erklärt Rechtsanwalt Sebastian Krieger, Vorsitzender des Anwaltvereins Weilheim-Schongau. Wer sich also trotz einer Krankheit an den Arbeitsplatz schleppe, tue damit seinen Vorgesetzen und Kollegen selten einen Gefallen. Vielmehr sei man einerseits ohnehin eingeschränkt arbeitsfähig, andererseits setze man auch die Kollegen dem Risiko aus, sich anzustecken. „Wer wirklich krank ist, sollte nicht arbeiten gehen“, rät Krieger vom Anwaltverein.

Sebastian Krieger ist Vorsitzender des Anwaltsvereins

Manchmal ist man aber schneller gesund, als bei der Krankschreibung angenommen wurde. „Wer sich gesund fühlt, kann ohne weiteren Arztbesuch wieder arbeiten gehen“, klärt Krieger auf. Eine „Gesundschreibung“ als Gegenstück zur Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung gebe es nicht. Ebenso wenig einen Verlust des Versicherungsschutzes in solchen Fällen.

„Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ist kein Arbeitsverbot“, ergänzt der Vorsitzende des Anwaltvereins. Die Bescheinigung sei lediglich eine Prognose des Arztes darüber, wie lange der Arbeitnehmer voraussichtlich nicht arbeiten könne. Wenn die Arbeitsfähigkeit schon früher hergestellt sei, dürften Arbeitnehmer auch an den Arbeitsplatz zurückkehren.

Wer trotz Krankmeldung arbeitet, ist auch weiter versichert

Oft wird in diesem Zusammenhang verbreitet: Gehe man trotz Krankschreibung zur Arbeit, verliere man seinen Versicherungsschutz. „Wenn man sich trotz Krankschreibung gesund fühlt und zur Arbeit geht, hat das keinen Einfluss auf den gesetzlichen Unfallversicherungsschutz“, bestätigt Krieger. Das gelte auch für Unfälle auf dem Weg zur Arbeit.

Unabhängig von einer Krankschreibung gilt, dass ein medizinischer Vorfall am Arbeitsplatz nur dann auch als Arbeitsunfall anerkannt wird, wenn er in direktem Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit steht.

Fälle, in denen sich Arbeitnehmer vorzeitig gesundmelden, kommen immer wieder mal vor. Das kann Joachim Ruber, Personalchef bei der Firma ept in Peiting, bestätigen. Ihn freut’s sogar, wenn Mitarbeiter früher gesund werden und ihre Arbeitskraft wieder voll einbringen können. Auch bei UPM in Schongau (540 Mitarbeiter) hat es solche Fälle schon gegeben. Allerdings sei dies selten, wie Personalchef Bruno Atzler einräumt.

Dass es eine „Gesundschreibung“ für Arbeitnehmer nicht gibt, darauf weist auch der Schongauer Allgemeinarzt Martin Kayser hin. Wie lange ein Patient krankgeschrieben wird, dafür gibt es keine speziellen Richtlinien. Das hängt von der Krankheit ab und muss von Fall zu Fall abgewogen werden. Dies liegt somit im Ermessen des Arztes. Beispiel: Ein Koch, der unter Brechdurchfall leidet, wird eher einen Tag länger krankgeschrieben als einen Tag zu wenig. „Denn eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung kann bei Bedarf jederzeit verlängert werden“, stellt Kayser klar.

Hinweis:

Wer Probleme mit seinem Arbeitgeber bei Krankschreibungen oder anderen arbeitsrechtlichen Angelegenheiten hat, kann sich an den Anwaltverein WeilheimSchongau wenden unter www.avwm.de.

Michael Gretschmann

Rubriklistenbild: © dpa

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