Wild an einer Futterstelle, automatisch aufgenommen von einer Wildkamera in einem Jagdrevier in Schönberg. So kann das Wild ungestört beobachtet werden.

Was sich im Wald alles herumtreibt

Wildkameras nehmen auch Saubären auf

Schongau - Um festzustellen, was sich in ihren Revieren an Wild herumtreibt, haben viele Jäger im Wald inzwischen kleine Kameras aufgestellt, die Rehe, Füchse, Dachse, Hasen, Hirsche, Wildschweine und sonstiges Getier automatisch fotografieren bzw. filmen. Wölfe wurden im Pfaffenwinkel zwar noch nicht gesichtet, dafür aber eine bestimmte Bärenart – nämlich Saubären.

„Das ist unglaublich!“ Der Böbinger Jäger Werner Schubert, der sein Revier in Schönberg hat, traute seinen Augen nicht, als er sich im vergangenen Herbst den Film von einer seiner Wildüberwachungskameras vor Augen führte. Die Kamera war auf eine Kirrstelle gerichtet. Plötzlich tauchte ein fremder Mann auf, der sich drei-, viermal umblickte, quasi ob die Luft rein ist, dann seine Hose runterließ und seine Notdurft verrichtete – genau auf den Apfeltrester, den Schubert für das Wild ausgelegt hatte. „So eine Sauerei, diesen Trester frisst kein Wild mehr“, schimpfte Schubert. Am liebsten hätte er den Kerl angezeigt – wegen Behinderung der Jagdausübung. Doch den unbekannten „Waldscheißer“ (30 bis 40 Jahre alt) hat er bisher nicht ermitteln können.

Aber auch der Jäger Michael Schlögel aus Peiting hat so seine Erfahrungen mit Wildkameras gemacht. In seinem Revier treiben sich nicht nur Vierbeiner wie Rehe, Füchse, Dachse und Wildschweine herum, sondern auch Zweibeiner, die ungeniert ihre Notdurft verrichten – alles genau festgehalten von einer Wildkamera. „Solche Aufnahmen werden sofort gelöscht“, verspricht Schlögel. Ihn interessieren vielmehr die Wildschweine, die durch sein Revier ziehen. Anhand eines Zeitstempels lässt sich genau feststellen, wann die Sauen vor Ort waren.

Vor allem die Streifzüge der Wildschweine sind für Jäger interessant

„Eine Wildkamera liefert gewisse Erkenntnisse über die Aktivitätszeiten des Wildes, und nur die interessieren mich“, sagt auch der Schongauer Jäger Franz Zwingmann. 90 Prozent der Aufnahmen würden in der Zeit zwischen 21 Uhr abends und 4 Uhr morgens erfolgen. „Man freut sich über jedes Wild“, erzählt Zwingmann, der im Jagdbogen II in Schongau auf die Pirsch geht. Auch ein Biber ist schon mal in seine Fotofalle getappt. Und gelegentlich kommt es auch bei ihm vor, dass auf seiner Wildkamera Menschen auftauchen, die im Unterholz eigentlich nichts zu suchen haben. „Solche Bilder werden aber sofort gelöscht“, verspricht Zwingmann.

„Fast alle Jäger bedienen sich solcher Wildkameras“, so die Einschätzung von Schongaus Stadtförster Klaus Thien. In der Regel würden die Kameras dort platziert, wo es viel Wildwechsel gibt oder auch mal vor einem Fuchsbau, um feststellen zu können, ob dort Jungtiere hausen.

„Wo Wildwechsel herrscht, haben Waldbesucher nichts zu suchen“, gibt der Stadtförster zu verstehen. Für ihn sind Wildkameras auch ein Instrument, um das Wild zu beobachten, ohne es zu beunruhigen. Allerdings seien auf den Kameras auch immer wieder Hunde zu sehen, die an diesen Stellen des Waldes nichts verloren haben.

Eine Wildkamera in drei bis vier Meter Höhe ganz unauffällig an einem Baum befestigt.

Wölfe sind in den Revieren des Schongauer Landes allerdings noch nicht gesichtet worden – auch nicht von den Wildkameras. „Wenn ein Wolf da wäre, würde man es am Wild merken. Es würde sich nicht mehr raustrauen“, sagt ein erfahrender Jäger wie Karl Fliegauf aus Peiting. Auch er hat in seinem Revier Peiting VI (Kreut) eine Wildkamera installiert, die gut versteckt ist. Regelmäßig wird kontrolliert, welche Tiere vor die Linse gelaufen sind. Interessant für die Jäger sind vor allem die Streifzüge der Wildschweine.

Was sagen die Datenschützer zu den Praktiken der Jäger? Es bestehen angeblich noch erhebliche Unsicherheiten bei der Anwendung der maßgeblichen Vorschrift des Art. 21a des Bayerischen Datenschutzgesetzes. Dies ist auf der Homepage des Datenschutzbeauftragten von Bayern nachzulesen.

Michael Gretschmann

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