Der Lechhirte Konrad Schleich aus Burggen erzählt in dem neuen Buch Interessantes aus vergangenen Tagen.

In Buch festgehalten

Zeitzeugen berichten: „Der Lech war schon ein wilder Hund“

Wild und unzähmbar war er einst – der Lech. In einer einzigartigen Zusammenarbeit mit Studierenden der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde wurden jetzt entlang des Lechs 20 Zeitzeugen interviewt, die eine generationenübergreifende Botschaft vermitteln und bewahren. Das ist das wertvolle Erbe des Lechs – alles festgehalten in einem neuen Buch.

Schongau – Konrad Schleich, Jahrgang 1933, aus Burggen ist ein Urgestein des Lechs. Als Viehhirte sorgte er dafür, dass es den ihm anvertrauten Rindern in den Lechleiten und -auen gut ging. Während mancher Schicksalsschlag seinen Lebensweg krümmte, wurde der einst wilde Flusslauf begradigt. Denn trotz der Veränderungen blieb der Fluss die große Konstante in Konrad Schleichs Leben. Der Lech war immer da, war beständig wie er.

In seiner Kindheit, als der Fluss noch wild und lebendig war, konnte Konrad Schleich das Rauschen des Wassers bis zu seinem Haus in Burggen hören. „Das war schön“, schwärmt er, „als der Lech noch seine Kraft hatte.“ Doch nur wenige haben sich getraut, in ihm das Schwimmen zu lernen. Für ihn und seine Freunde wurde der Fluss zur Kulisse für ausgelassene Spiele wie Cowboy und Indianer. Aber vor allem war seine Mitarbeit gefragt, als er mit 14 Jahren offiziell Hirtenbub wurde. Doch bereits davor musste er fast täglich auf der Burggener Alm mithelfen. „Da hat nie jemand wegen Kinderarbeit gefragt – das war damals normal.“

Auch wenn das Hochwasser so manche Anliegergemeinde ängstigte, Konrad Schleich konnte es nicht verunsichern. Der Lech dort an der Litzauer Schleife ist zu tief eingegraben, um es bis in die Ortschaft und zu seinem Haus zu schaffen. Er kannte jedoch die Gefahr und wusste dem Lech mit Ehrfurcht zu begegnen. Fremde hingegen unterschätzten oft die Kraft des wilden Flusses.

„Der Lech isch unberechenbar“, sagt Schleich und fügt nach einem stillen Moment mit eindringlicher Stimme hinzu: „Jetzt nimmer … Ja, der Lech war schon ein wilder Hund!“

Konrad Schwarz ist einer der 20 Zeitzeugen, die in dem neuen Buch über den Lech zu Wort kommen. Es ist eine spannende Zeitreise mit Menschen, die vom Lech geprägt wurden und den Lech geprägt haben.

Es geht um Leben am Lech um Natur, Vielfalt und Widersprüche. Dieser facettenreiche Blick auf einen außergewöhnlichen Lebensraum hat alle fasziniert, die an der Entstehung dieses spannenden Buches beteiligt waren.

Den Anfang der Zeitzeugen macht Elmar Walch aus Lech am Arlberg. Es folgen Toni Knittel aus Bach, Notburga Wolf aus Elbigenalp, Helmut Friedle und Martin Wehrmeister aus Häselgehr, Margret Feineler-Salvenmoser aus Rieden/Ehenbichl, Peter Nasemann aus Hohenschwangau, Günter Lochbihler aus Ehrwang/Rieden am Forggensee, Hans Schütz aus Peiting (er legt dar, wie eine wunderbare Kindheit in Lechbruck am damals in den 50er Jahren noch weitgehend unverbauten Lech sich als prägend herausstellte für sein ganzes Leben, am Lech liegen somit die Wurzeln für sein Umweltengagement und für erhebliche Teile seines literarischen Schaffens), Fridolin Schwarz aus Steingaden, Sebastian Gast aus Burggen (er verbrachte als Naturschutzwächter unzählige Stunden am Lech), Konrad Schleich aus Burggen, Werner Schmitt aus Schongau (er ist am Lech in Schongau aufgewachsen und hat den Aufstau miterlebt), Robert Rapp aus Pentenried, Anna Sacher aus Mundraching, Anton Lichtenstern und Franz Xaver Rößle aus Landsberg am Lech, Dr. Rennwart und Dr. Hartmut Freiherren von Schnurbein aus Hurlach, Eberhard Pfeuffer aus Haunstetten, Josef Hartl, Mühlhausen/Affing, Werner Doerfler aus Gersthofen und Alfons Lunzner aus Marxheim.

Das Buch enthält neben den 20 Interviews mit Vita eine Einführung zum Thema „Der Lech – ein Fluss in Zeit und Raum“ von Stephan Jüstl, dem Lechtal-Gebietsbetreuer des Lebensraums Lechtal sowie den sechsseitigen Nachspann „Heimat ist, was man daraus macht“.

Info

Das neue Buch mit dem Titel „Vom Lech – Zeitzeugen erzählen“ erscheint am 1. Dezember im Lechrain-Verlag in Finning. Es umfasst 224 Seiten, mit zahlreichen Landschaftsfotografien, historischen Fotos und Landkarten. Der Preis: 35 Euro.

VON MICHAEL GRETSCHMANN

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