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Stark wie das Bier: Fastenprediger Michi Marchner, alias Bruder Michael, im Schongauer Brauhaus.

Starkbierfest im Brauhaus

Fastenprediger so stark wie das Bier

Lachboykott wie beim großen Bruder Nockerberg? Fehlanzeige! Beim mittlerweile vierten Starkbieranstich mit Fastenprediger Bruder Michael im Schongauer Brauhaus herrschte beste Stimmung – und das nicht nur wegen des eigens gebrauten Starkbiers, dem „Fastinator“.

Schongau – Traditionell wird im Brauhaus erst einmal das Fass angezapft. Diesmal durch den zweiten Bürgermeister Tobias Kalbitzer, denn Falk Sluyterman weilt derzeit im Urlaub. Auch das kein Boykott wie beim Nockerberg, sondern einfach Zufall. Viereinhalb Schläge brauchte Kalbitzer, dann floss der Hopfensaft. Ob er vorher geübt hatte? „Des brauch ich nicht, a Schongauer kann des“, meinte er augenzwinkernd.

Soviel zu den positiven Attributen des Schongauers an sich. Davon blieb nach Michi Marchners Fastenpredigt nicht mehr viel übrig. „Eher mache ich aus einer Heckenschere ein Operationsbesteck, als aus einem Schongauer einen Feingeist“, meinte er süffisant in Anspielung auf das Theater um die Rettung der Cobi Reiser-Bilder in der Schongauer Grundschule.

Dieses Thema beschäftigte Marchner während seiner gesamten Rede immer wieder: „Ich gebe Herrn Kosian, dem Oberplantscher, den guten Rat: Hauen Sie die mit 15 Jahren uralten Wände der Kabinen so schnell wie möglich raus, bevor Frau Schreiber-Buhl kommt und sie unter Denkmalschutz stellt!“

So alt ist die Fußgängerzone in Schongau noch lange nicht, aber auch die sähe der Fastenprediger gerne abgerissen, denn: „Der Schongauer will nicht sitzen, ratschen und essen, er will parken!“ Dies würden auch die Posts eines Schongauer Einzelhändlers bestätigen, der „nachmittags um vier den menschenleeren Marienplatz fotografiert. Das war vorher zwar auch so, aber wenigstens war da noch alles zugeparkt.“ Deshalb verstehe er auch, dass im schmucken Münzgebäude kein Café einziehe, sondern die Senioren-Abteilung des Landratsamtes, „nicht, dass noch Leben in die Stadt schwoapt.“

Schongau ist daher für Fastenprediger Bruder Michael ein Paradies, denn hier würde er nie in Versuchung geführt: Es locke kein Wirtshaus und kein Biergarten. Dafür gebe es ein Krankenhaus, das so tolle Hüftoperationen durchführt, dass er sich schon überlegt habe, sich eine neue Hüfte einsetzen zu lassen: „Ich brauch zwar keine, aber das hört sich so toll an!“ Auch wenn hier das Essen nicht mehr so gut sei wie früher, als es reihenweise „Wirtschaftsflüchtlinge“ dorthin verschlug.

Kein Angemobbe von der Kanzel

Michi Marchner ist gut in seiner Rolle als Schongauer Fastenprediger, auch wenn er heuer mit einem gewissen Geschichten- und Skandalmangel zurecht kommen musste. Doch als routinierter Kabarettist schaffte er das, auch wenn diesmal ein wenig der rote Faden und das persönliche „Angemobbe von der Kanzel“ fehlte.

Da hatte es Horst Eberl leichter, der nach Marchner die Bühne des Brauhauses betrat. Der Musikkabarettist aus Pleiskirchen trieb mit seinen zeitlosen Geschichten mitten aus dem Leben jedem Besucher Lachtränen in die Augen, und seine Lieder – in bester Reinhard-Mey-Manier – waren einfach nur spitze. Ein Lachboykott hätte im Brauhaus schlichtweg nicht funktioniert.

Christine Wölfle

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