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Ein Bulldog reichte aus: Simpert Christa schob das Floß rückwärts in den Lechsee. Von dort fuhr es später zu seinem angestammten Liegeplatz neben dem Bootshaus am Lido.

Schongauer Lechfloß im Wasser 

Helden in Gummistiefeln

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Hans Hartung und Simpert Christa (beide 74) sind Männer, die anpacken können. Das mussten die zwei diese Woche am Lido auch. Der Schongauer und der Steingadener wuchteten das 30 Tonnen schwere Floß für die historischen Lechfahrten ins Wasser. Die Saison startet heuer schon im Juli.

Schongau Floßfahrten-Initiator Hans Hartung und Simpert Christa vom beauftragten Maschinenring mussten bei ihrem Arbeitseinsatz am Lechufer ein ums andere Mal improvisieren. Schließlich standen sie nur zu zweit mit einem Bulldog vor dem mächtigen Floß, das ins Wasser sollte, damit es im Sommer wieder mit 40 Passagieren in See stechen kann.

Es war eine kniffelige Angelegenheit, und Hartung konnte sich anfangs kaum vorstellen, dass ein Traktor ausreichen sollte, die 30 Tonnen Holz ins Wasser zu schieben. Simpert Christa zerstreute die Bedenken, als er rückwärts unter Krachen und Knirschen das Floß über zwei Baumstämme vom Ufer ins Wasser bugsierte.

Die Wasserung war allerdings erst der Anfang. Als Schwerstarbeit erwies sich für die beiden 74-Jährigen das Anbringen des Außenbord-Motors. Da die wenigen Schaulustigen allesamt über schwere Rückenleiden klagten, mussten ihn die beiden allein durchs Wasser tragen und aufs Floß heben. Das 90 Kilogramm schwere Gerät rutschte Hartung mehrmals durch die Hände, Christas Gummistiefel liefen voll. Mit letzter Kraft schafften es die beiden dann aber doch. Die Schraube, die währenddessen in den Lechsee gepurzelt war, fand sich unter einigem Fluchen letztlich auch wieder.

Voller Einsatz: Simpert Christa entleerte zwischenzeitlich seine vollgelaufenen Gummistiefel.

Die Begeisterung stand Hans Hartung schon vor dem Arbeitseinsatz nicht gerade ins Gesicht geschrieben. „Wir müssen jetzt Platz machen für die unzähligen Badegäste“, übte er sich in Ironie, denn von Badenden ist der Lido im Mai gemeinhin nicht gerade übervölkert. Bis zum Start der dreimonatigen Lechfloßfahrten-Saison liegt die Ausflugsplattform nun fest vertäut beim Bootshaus. Erst im November darf das Floß wieder in sein Winterquartier ans Ufer, weil dieses bis dahin ebenfalls für die Badegäste freigehalten werden muss. Dass sich währenddessen die Unterkonstruktion unnötig mit Wasser vollsaugt, ärgert Hartung. Sie leidet und muss alle fünf Jahre erneuert werden.

Die Interessierten aus der Region und auch von weiter her freuen sich derweil schon jetzt auf den Start der historischen Floßfahrten. Wie mehrfach berichtet, waren sie mit mehr als 1000 Fahrgästen 2017 auf Anhieb ein großer Erfolg. Gestartet wird auch heuer wieder am Lido, dann geht es am linken Ufer bis zur Rossau und zurück zum Bootshaus am Lechsee. Stadtführer begleiten die Fahrten und erzählen den Gästen zum Beispiel aus dem entbehrungsreichen Leben der ehemaligen Flößerfamilien, die Holz, Kalk, Zinn, Vieh und mehr über die Wasserstraße transportierten.

Das Lech-Floß gilt als eine perfekte Ergänzung der beliebten Schongauer Stadtführungen. 35 mal legte es im vergangenen Jahr im August und September ab, in diesem Jahr geht es schon einen Monat früher los. Auch das ist Hans Hartung zu verdanken, der lange mit den Behörden verhandelte. Unter anderem ging es um ein Uhu-Pärchen, das im Juli nicht gestört werden durfte, berichtete der Schongauer damals.

Gefahren wird von Juli bis Ende September immer sonntags um 14 und 16 Uhr, die Floßfahrten finden aber nur bei guten Wetterbedingungen statt. Das Ticket kostet 15 Euro, Kinder zwischen sechs und 15 Jahre zahlen 10 Euro. Zusätzliche Termine können nach Vereinbarung gebucht werden.

Kontakt und Infos:

Bei der Tourist Information Schongau, Telefon 08861/214181, Fax 08861/214881 oder Mail an touristinfo@schongau.de

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