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Gespendete Flohmarktartikel für einen guten Zweck, darunter auch Robert Kassebaums Rodenstock-Plattenkamera

In der Schongauer Altstadt

Marienplatz im Flohmarktfieber

Es ist wie in einem bekannten Märchen. Da muss erst ein Prinz daher kommen und die Prinzessin wachküssen, damit da was geht. So wie jetzt beim kombinierten Altstadt- und Bürgersteig-Flohmarkt. Da waren es gleich zwei Prinzen, und ihre Küsserei war vom Erfolg gekrönt. Die gemeinsame Hochzeit konnte gefeiert werden.

Schongau – Hartgesottene Flohmarktgänger erinnern sich bestimmt noch: Das hatten wir doch schon mal. Einen Flohmarkt in der Altstadt auf dem Marienplatz. So richtig groß aufgezogen, mit allen nur erdenklichen Kuriositäten. Dieser kam super an, doch irgendwie versank er in einen (nicht ganz) hundertjährigen Schlaf. Es sind zwei Prinzen, die sich zusammengetan haben und dem Schlummer ein Ende bereitet haben. Der eine ist Michael Eberle, Oberguru der Schongauer CSU. Er hatte da die zündende Idee: „Was in Peiting die SPD auf die Beine stellen kann, muss doch bei uns in Schongau auch möglich sein.“ Und bringt gleich den zweiten Prinzen mit ins Spiel. Es ist Rudi Mahl, derFlohmarktspezialist im Oberland. Die beiden legen die Marschroute fest und bekommen dabei weitere Unterstützung. Daniela Puzzovio von „Schongau belebt“ ist sofort begeistert, den Bürgersteig-Flohmarkt mit einzubringen.

Das Ergebnis am vergangenen Samstag konnte sich wahrlich sehen lassen. Schon beim Durchfahren des Münztores fällt einem der erste Blickfang ins Auge. Quer zur Fahrtrichtung erstreckt sich der langgezogene Flohmarkttisch. Gespickt und voll beladen mit wahrlich Kunst und Krempel. „Richtiges Dekorieren ist das A & O des Verkaufserfolges“, so das Credo des Trödlers. Und das kann er. Bunte Emailleschilder neben Pressglaskerzenständern, die Tretnähmaschine schon mitnahmebereit auf dem Leiterwagen. Die Ouvertüre ist gelungen.

Spitzen Hüte: Auch die Kinder kamen auf ihre Kosten.

Der Eingang des Landratamtes zweckentfremdet: Petra, während der Woche dort in der Verwaltung tätig, hat an dieser Stelle ihre Zelte aufgeschlagen. Geschirr in allen Variationen, Bügeleisen, und Kinderbücher sind großflächig ausgelegt. Und nicht zu vergessen ein Herrenwagenheber. Das ist Neuland selbst für die Trödel-Spezialisten. Bei ihr legt Sigrid mit ihrem kombinierten Sitz- und Ziehwagerl eine kurze Verschnaufpause ein. Sigrid kommt direkt via Bahn aus Peißenberg nach Schongau und will allerlei Bücher verkaufen. Moderne Märchen und viel über Hexerei. Da ist sie doch in Schongau genau richtig.

Ein Hauch von „Easy Rider“ auf dem Gabentisch von Evi & Erich. Wow, drei alte Rugby-Helme, wie Henry Fonda einen damals auf der alten Harley Davidson getragen hat. Die müssten eigentlich doch ratzfatz weggehen. „Schau mer mal, wer sich noch an den Filmklassiker erinnern kann.“ Gänsehaut haben Larissa & Flossn, die schon vollbepackt daherkommen. „Gänsehaut“ natürlich als Titel eines ihrer vielen Bücher, die sie erstanden haben. Darüberhinaus jede Menge Klamotten. Tolle luftige Sommersachen für einen Schnäppchenpreis. Da muss man doch zugreifen, ob man will oder nicht.

Der Marienplatz im Flohmarktfieber. Ein Gemisch aus Händlern und Hobbytrödlern reiht sich Stand an Stand. Einer von ihnen ist Günther aus Peißenberg, der eher in der Profiliga spielt. Seine Ware sieht man nicht alle Tage, einfach kuriose ausgewählte Stücke. Günther ist zufrieden und äußert sich mit „hierher kommen wirklich Kaufleute und keine Sehleute“. Zufrieden auch die beiden Prinzen Rudi Mahl und Michael Eberle, die schon vor 5 Uhr morgens da waren und die Sache im Griff hatten. Unterstützt wurde Eberle von CSU-Freunden mit einem eigenen Stand. Dort konnte von Bürgern gespendete Ware günstig erstanden werden. Ein Hammer dabei: eine funktionsfähige alte Rodenstock 6x9 Plattenkamera, die von Robert Kassebaum zur Verfügung gestellt wurde. Man sieht also, was für Schätze noch auf so manchem Schongauer Dachboden schlummern. Die Einnahmen aus den Standgebühren wurden übrigens durch die Gruppe aufgestockt und kommen in vollem Umfang einer sozialen Einrichtung zugute.

Hans-Helmut Herold

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