Gefährliche Körperverletzung

Schongauer Paar liefert sich wüste Rauferei - jetzt stand sie (38) vor Gericht

Das Eifersuchtsdrama eines Pärchens aus Schongau im Februar endete damit, dass sich die Frau nun wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht Weilheim verantworten musste. Ihr Freund hatte den von ihm gestellten Strafantrag zwar drei Tage später widerrufen, der Strafbefehl blieb jedoch bestehen.

Schongau „Kann ich auch einfach schweigen?“, fragte der junge Mann die Vorsitzende Richterin Christiane Serini. Diese verneinte das. Sie teilte ihm aber mit, dass er nur schweigen dürfe, wenn er sich selbst belasten würde. „Wenn Sie auch zugeschlagen haben an dem Abend, dann müssen Sie dazu nichts sagen“, erklärte die Richterin.

Der 26-Jährige berichtete dann, was an dem Abend geschah. Er sei spät in die gemeinsame Wohnung gekommen. Dort habe seine Freundin (38) eifersüchtig reagiert und ihm vorgeworfen, er würde fremdgehen. Man habe sich heftig verbal auseinandergesetzt. „Ich bin dann für ein paar Stunden weggegangen, um zur Ruhe zu kommen“, sagte der junge Mann.

Sie griff ihm in den Schritt und drückte kräftig zu

Als er wieder nach Hause kam, ging der Streit weiter. Permanent habe seine Freundin ihn beleidigt und ihm plötzlich eine Ohrfeige verpasst. Dann kam es beiderseits zu einer Rangelei. Die beiden gingen zu Boden. Seine Freundin packte ihn im Schritt und drückte kräftig zu, sie biss ihn in den Oberschenkel und zerkratzte ihm das Gesicht. Freimütig gab der 26-Jährige aber auch an, dass er sich gewehrt habe und seine Freundin seinerseits wohl bei dem Gerangel mit dem Knie am Auge traf.

Nachbarn, die durch die offene Wohnungstür herbeigeeilt waren, konnten die Streitenden zunächst nicht trennen, zu heftig war die Rauferei. Einer rief die Polizei, einem weiteren Nachbarn gelang es dann, den jungen Mann aus der Wohnung zu führen. Aber die Freundin kam hinterher und schlug ihm mit einem Schuhlöffel aus Metall noch auf den Hinterkopf.

Der 26-Jährige trug eine Beule am Kopf, einen gebrochenen Daumen, eine Bisswunde am Oberschenkel und Kratzer im Gesicht davon. Bei der Polizei stellte er zunächst Strafanzeige, nahm diese jedoch wieder zurück. Er hat keinerlei Interesse an einer Strafverfolgung. „Wir haben uns ausgesprochen und uns vertragen“, sagte er. Ein Paar sind sie seit ein paar Monaten nicht mehr, verstehen sich aber ganz gut.

Die Angeklagte schwieg zunächst zu den Vorwürfen. Die 38-Jährige hat elf Eintragungen im Bundeszentralregister, ihre letzte Straftat liegt jedoch schon sieben Jahre zurück. Richterin Christiane Serini schlug im Einvernehmen mit dem Staatsanwalt eine Einstellung des Verfahrens wegen Geringfügigkeit vor. Der Grund – die Ohrfeige, der Biss und der Schlag mit dem Schuhlöffel – seien zwar bewiesen, aber das Ganze sei auch eine beiderseitige Rauferei gewesen. Der gebrochene Daumen des jungen Mannes könnte durchaus auch bei dem Gerangel passiert sein und auch die Frau habe ein blaues Auge davon getragen.

Nun sagte auch die Angeklagte aus und bestätigte die Aussagen ihres ehemaligen Freundes in allen Punkten. Die Richterin legte die zahlreichen Vorstrafen der alleinerziehenden und derzeit noch arbeitslosen Mutter nicht auf die Waagschale. Auch eine Geldauflage zog sie für die Sozialhilfeempfängerin nicht in Betracht. Die Angeklagte muss nun 100 Sozialstunden in einem Altenheim ableisten. Dafür hat sie von September bis Dezember Zeit und der Fall wird geschlossen. „Das ist ein Geschenk“, sagte die Richterin. Die Frau nahm das Urteil dankbar an.

Regina Wahl-Geiger

Rubriklistenbild: © dpa

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