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Luitpold Braun fliegt unter dem Saaldach ein.
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Moderierten den Abend: Dr. Oliver Kellermann und Maria Scholz.
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Das Anzapfen war schnell erledigt.
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Die Stadtkapelle Schongau spielte auf.
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Der erste Schockerbock auf der Bühne mit den Ehrengästen.
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Der erste Schockerbock auf der Bühne mit den Ehrengästen.
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Robert Kassebaum als Fastenprediger Bruder Okulus.
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Marianne Porsche-Rohrer als Maurerin.

Schongauer Schockerberg

Die Landrätin im Viererbob und Söder als Transvestit

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Der fliegende Luitpold Braun im Transvestiten-Gewand war der unumstrittene Höhepunkt beim diesjährigen Schockerberg, dem Starkbieranstich der örtlichen CSU. In Topform zeigte sich auch die Hohenfurcher Feuerwehrkapelle – Landrätin Andrea Jochner-Weiß und Bürgermeister Falk Sluyterman mussten viel einstecken.

Schongau – Wer die letzten Jahre beim Anzapfen am Schockerberg dabei war, kann sich nur wundern, warum anderswo immer so ein Bohei darum gemacht wird: Am Freitag brauchte der Ortsvorsitzende Dr. Oliver Kellermann nur ein Schlägelchen, am Samstag bewältigte Stadtpfarrer Norbert Marxer seine Anzapf-Premiere ebenfalls ohne Probleme – das Bier konnte fließen.

Hochzeiter Daniel Blum als beliebtes Spott-Objekt

Den Auftakt macht traditionell die Fastenpredigt von Robert Kassebaum alias Bruder Okulus, der sich zunächst an der Bundes- und Landespolitik abarbeitete („Die Angela tritt erst zurück, wenn das erste Flugzeug am Berliner Flughafen abhebt – also nie“; „wenn man denkt, es geht nicht blöder, kommt ein Satz von Markus Söder“), ehe er sich auf die Ortspolitik stürzte. So habe er sich mal bei der UWV auf der Homepage umgeschaut – die letzte Pressemitteilung datiere vom 8. März 2014. Doch man müsse es so sehen: „Je weniger von der UWV in den Schongauer Nachrichten steht, desto mehr Platz bleibt für Leserbriefe von Josef Walter.“ Auf der SPD-Homepage werbe der Ortsvorsitzende Daniel Blum mit den Worten „Sprechen Sie uns an“ um Kontakt zu den Wählern, was für Bruder Okulus aber einen ganz anderen Hintergrund hat: „Nachdem es bei der Hochzeit auf den ersten Blick nicht geklappt hat, soll das jetzt offenbar so funktionieren.“ Blum schaffte es übrigens, mit seinem Auftritt in der SAT 1-Show tatsächlich in allen Schockerberg-Beiträgen erwähnt zu werden – das dürfte vor ihm noch niemand geschafft haben.

Bruder Okulus streifte anschließend noch die Themen Bike-Park, Krankenhaus und Fußgängerzone („der Rene Repper macht immer Fotos vom leeren Platz, damit wenigstens einer draufsteht“). Beim Münzgebäude, das zum Seniorenamt werden soll, findet er es bedenklich, dass die Stadt direkt daneben einen Zugang zum Friedhof gebaut hat – „und den nicht einmal barrierefrei“. Und auch Fotograf Hans-Helmut Herold musste sich lautstarkes Gelächter anhören, weil er bei der Schockerbock-Bierprobe eingeschlafen war: „Das nächste Bier bekommst Du erst, wenn Du etwas größer geworden bist“, rief ihm Bruder Okulus zu.

Wird die Rathausuhr vor 2021 repaiert werden?

Abschluss und Höhepunkt der Fastenpredigt ist stets der humoristische Blick in die Zukunft. So werde 2021 die EU-weite Ausschreibung zur Reparatur der Rathausuhr um zwei Jahre verschoben, weil kein adäquates Ergebnis eingegangen sei. Am 1. Januar 2025 eröffne ein Museum im Bernbeurer Schnitzerstadel, das Landratsamt mache dort wegen des Besucheransturms zusammen mit Edeka einen Imbiss auf. Doch schon einen Monat später müsse das Museum wieder geschlossen werden, weil ein japanischer Tourist von einem Dachziegel am Kopf getroffen wird. „Und 2045 beginnen die CSU-Akteure im Altenheim die Proben für das Singspiel am Schockerberg, das Thema haben sie aber leider vergessen.“ Eine gute Rede ohne große Längen, ein gelungener Start in den fünfstündigen Abend, der von der Stadtkapelle musikalisch begleitet wurde.

Marianne Porsche-Rohrer hatte sich dieses Jahr in Bauarbeiterkluft geworfen und reimte mit überdimensionaler Putzkelle fleißig über Strabs, Lechfloß, Bike-Park, Stadtmauer und Babyboom im Krankenhaus, also alle wichtigen Themen. Und sie zeigte sich verwundert, weil Landrätin Andrea Jochner-Weiß stets beim Neujahrsempfang von Apfeldorfs Bürgermeister Georg Epple zu sehen sei: „Vielleicht möcht’ sie zu Landsberg Kontakte finden und mit Weilheim als Landkreis verbinden. Dann wäre Schongau wieder ganz allein und könnte eine eigene Kreisstadt sein. Der Luitpold, der könnt’ wieder Landrat werden, alles so wie früher, der Himmel auf Erden.“ Dass Porsche-Rohrer bei ihrem ellenlangen, frei vorgetragenen Vortrag das erste Mal überhaupt zwei Mal den Faden verlor, worüber sie sich nachher mächtig ärgerte, quittierte das Publikum mit aufmunterndem Applaus.

Danach enterte Markus Wühr als Luigi aus Alto Adige die Bühne und haute ein buntes Potpourri an Themen raus. Er schwadronierte über die Möglichkeit eines Donald Trump in Bayern: „Dann würde er am Main eine Mauer bauen, und bezahlen müssten sie die Preißn.“ Die immer schwereren Schulränzen der Kinder seien zum Glück kein Problem mehr, weil jeder gleichzeitig nach vorne gebeugt auf seinem Handy tippt, sich also alles ausgleicht. Und in einem Telefongespräch mit seiner Mutter flüstert er ihr in den Hörer: „Ich glaube, in Schongau haben sie auch einen Trump. Da gibt es eine Mauer um die ganze Stadt. Aber nicht wegen den Mexikanern, sondern wegen den Peitingern.“

Warum Peter Blüml 80 Eintrittskarten kauft

Derart warmgelacht, war das Publikum im vollbesetzten Jakob-Pfeiffer-Haus bereit für die Hohenfurcher Feuerwehrkapelle um Kommandant Jürgen Fischer, der dieses Jahr besonders unverschämt daherkam. Schon bei der Begrüßung bekam Krankenhaus-Chef Thomas Lippmann sein Fett weg: „Er sagte sich als Erster an, weil er solche Feiern liebt, wo’s was Gescheites zum Essen gibt.“ Warum man für den Schockerberg nur so schwer Karten bekommt, konnte sich Fischer nur so erklären, dass unter anderem Peter Blüml alleine 80 Karten ordere. „Der Grund: Er saß zuletzt hinter der Landrätin und wollte freie Sicht haben.“ Autsch, das tat weh. Doch Jochner-Weiß hielt sich an Fischers Spruch „lustig ist nur der, der über sich selbst lacht“, und fand den Auftritt „den Hammer“.

Doch der war noch längst nicht vorbei. Es folgte ein lustiges Fragespiel mit dem Publikum. Wer ist Strabsianer? Wer wählt CSU? Wer ist von Jochner-Weiß schon fast einmal erdrückt worden? Stets gingen unter Gelächter mal mehr, mal weniger Hände hoch. Wer hat sich wegen Starkbier schon einmal übergeben? „Ah, Herr Kalbitzer ist da, wir können’s live erleben“, reimte Fischer. Selbst bei der Frage „wer hat im Plantsch schon einmal ins Becken geschifft?“ gab es einige Ehrliche – die gelöste Stimmung und das Starkbier machten’s möglich.

The ring of fire? Vom Falk die Eier!

Danach musste Bürgermeister Falk Sluyterman ganz stark sein. Fischer war das Plakat „Wir brauchen einen Bürgermeister mit Eiern“ nicht entgangen, das Demonstranten bei einer Anti-Strabs-Demo präsentiert hatten: Er dichtete den Johnny Cash-Klassiker „The Ring of Fire“ in „Vom Falk die Eier“ um, was damit endete, dass Ehefrau Cordula schnell schaltet und beim Fischerhof XXL-Eier besorgt – tatsächlich hatte Sluyterman damals mit solch einem Facebook-Post reagiert. Zum Schluss war aber noch einmal die Landrätin an der Reihe: Fischer hatte mitbekommen, dass Jochner-Weiß am Königssee tatsächlich im Viererbob mitgefahren ist und danach am ganzen Körper blaue Flecken hatte. Deshalb musste das komplette Publikum aufstehen und das Bobfahrer-Lied mitsingen, natürlich mit geändertem Text – da hieß es „die Augen werden groß, und feucht wird’s in der Hos“ oder „grad dass sie in den Bob reinpasst, aber sie sorgt für Ballast“ – sehr derb, aber wie gesagt, Jochner-Weiß nahm’s mit Humor. Sie war damals übrigens tatsächlich nicht mehr ohne Hilfe aus dem Bob gekommen. Damit war die Bahn frei für das Singspiel.

Muss man sich langsam Sorgen um Luitpold Braun machen? Vor zwei Jahren der sensationelle Auftritt als Ilona „Ilogut“ Böse, und jetzt hüpft der Singspiel-Regisseur schon wieder in Strapsen als Transvestit über die Bühne. Offenbar zeigt Braun gerne seine rasierten Beine. Doch wenn es nach dem Publikum geht, kann er das ruhig öfter machen – Braun war einfach wieder Sen-Sa-Tio-Nell. Wie übrigens viele andere CSU-Darsteller.

Erdogan mit Spielzeug-Panzer ist das erste Merkel-Opfer

Der Titel des diesjährigen Singspiels kommt etwas verwirrend daher. „Black Bluty“, hat das nicht etwas mit Pferden zu tun? Schnell wird klar: Es geht nicht um „beauty“, sondern um „blutig“. In der Auftaktszene tummelt sich eine illustre Diktatorenschar – besonders putzig sind Recep Tayyip Erdogan (Thomas Schleich), der einen Spielzeugpanzer hinter sich herzieht, und Kim Jong-un (Dr. Oliver Kellermann) mit Rakete unterm Arm. Dazu Donald Trump (Robert Stöhr) und Max Bertl (Wladimir Putin), die alle auf dicke Hose machen und über Merkel (Anna Eberle) lästern. Doch die kommt als Vampir zur Musik von Michael Jacksons „Thriller“ aus ihrem Sarg, und auch wenn Erdogan meint, „die will nur spielen“, wird er gleich von ihr gebissen – gefolgt von den anderen drei. „Ihr seid mein“, sagt Merkel, die vier hat sie jetzt unter Kontrolle.

Unterdessen machen sich in der bayerischen Staatskanzlei Horst „Professor Horstus“ Seehofer (Thomas Hennecke), Markus „Frank M.“ Söder (Luitpold Braun) und Ilse Aigner (Julia Keltsch) Gedanken, wie man Merkel loswerden kann. „Sie kann fliegen und nach der Hochzeit frisst sie ihren Mann“, sagt der verängstigte Söder, wird aber von Seehofer korrigiert: „Nicht nach der Hochzeit, nach der Koalition.“Mit einem Holzpfahl wollen Sie Merkel um die Ecke bringen, doch wer soll es machen? Schließlich legt Söder einen Strip hin („Ich bin der schönste Franke im schönen Bayerland“) und schickt die anderen beiden alleine los. Warum sich Söder in Dr. Frank N. Furter aus der Rocky Horror Picture Show verwandelt, wird zwar nicht klar, ist aber völlig egal – das Publikum tobt bei Brauns Auftritt.

CSU, Grüne, FDP und ein Riesen-Joint

Der dritte Akt startet mit Verhandlungen zur Jamaika-Koalition. Mit dabei neben Merkel: Toni Hofreiter (Michael Eberle) von den Grünen, Christian Lindner (Benjamin Keltsch) von der FDP und ein wirklich riesengroßer Joint. Alle sind gut drauf, freuen sich auf tolle Balkon-Bilder, singen zur Musik von Bob Marleys „No woman no cry“ die Version „Koa Sozi, koa Gschrei“, doch als es darum geht, sich sinnvolle Projekte auszudenken, beißt’s plötzlich aus. Als auch noch Seehofer und Aigner auftauchen und sich beschweren, dass ohne sie verhandelt wird, sowie Linder sich aus dem Staub macht, muss Merkel wieder zu Zwangs-Bissen greifen. Und was ist mit der SPD? Martin Schulz (Michael Reith) ist so verzweifelt, dass er sich sogar freiwillig von Merkel verwandeln lässt, gefolgt von Andrea Nahles (täuschend echt verkleidet: Florian Stögbauer).

Doch plötzlich rauscht Söder per Seilbahn durch den Saal, in der Hand den Holzpfahl. Aber er ist allein – aus dem Publikum wollen trotz Bitten und Flehen weder Peter Ostenrieder, noch Andrea Jochner-Weiß noch der Autor dieser Zeilen helfen. Schließlich fällt Merkels Vampir-Herde über ihn her: „Jetzt sind alle von meinem Blut“, triumphiert Merkel, und beim Schlusslied heißt es: „So macht regieren Spaß.“ Das Zuschauen auch.

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