Das frühere Pfadfinderhaus direkt im Anschluss an den Kasselturm dient dem Schongauer Sommer als Lager. Nun hat der Bauausschuss beschlossen, dass etwa ein Drittel der Fläche auch vom Tourismusverein genutzt werden darf
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Das frühere Pfadfinderhaus direkt im Anschluss an den Kasselturm dient dem Schongauer Sommer als Lager. Nun hat der Bauausschuss beschlossen, dass etwa ein Drittel der Fläche auch vom Tourismusverein genutzt werden darf

Stadel neben dem Kasselturm

Schongauer Sommer soll für Kräuterführungen Platz machen

  • Elke Robert
    VonElke Robert
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Im Kasselturm ist der Brandschutz schwer umsetzbar. Damit die Kräuterfrau dort weiter auftreten kann, soll sie den Anbau mitnutzen dürfen. Der Bauausschuss hat aber vielleicht die Rechnung ohne den Mieter gemacht, den Schongauer Sommer. „Sollte das kommen, gibt es von uns keine Veranstaltung mehr“, sagt der Vorsitzende Manfred Wodarczyk.

Schongau – Vor ziemlich genau einem Jahr hatte sich der Schongauer Bauausschuss schon einmal mit dem Thema Kasselturm befasst. Damals war der Weg frei gemacht worden für ein attraktives Angebot im Rahmen der Stadtführungen. Und die Allgäuer Kräuterfrau, die sich Ursula Englwurz nennt, hatte sich im Kasselturm auch bereits eingerichtet.

Erlebnisführung „Henker - Heiler - Hexen“ findet großen Zuspruch

Schon 2020 im Sommer fand die Erlebnisführung „Henker – Heiler – Hexen“ in Zusammenarbeit mit drei Schongauer Stadtführerinnen großen Zuspruch. Und der Kasselturm soll auch weiterhin für Stadtführungen genutzt werden.

Die Kräuterfrau Ursula Englwurz hatte sich im Kasselturm schon schön eingerichtet.

Leider durchkreuzt das Landratsamt nun die Idee, über reine Führungen hinaus im Kasselturm Zusatzkurse anzubieten, etwa über Kräuterheilkunde oder alternative Medizin. Grund: der Brandschutz. Wie Stadtbaumeister Sebastian Dietrich auf Nachfrage erklärt, darf Ursula Englwurz den Turm im Sommer zwar nutzen, Besucher dürften sich dort aber nicht länger aufhalten, was etwa bei einem Kurs der Fall wäre. Es fehlt schlicht ein Flucht- und Rettungsweg.

Brennbares Material darf nicht im Turm gelagert werden

Auch brennbares Material – wie getrocknete Kräuter – darf im Turm nicht gelagert werden. „Wir hätten nachrüsten müssen, das stand in keiner Relation mehr“, heißt es aus dem Bauamt.

„Eine Lösung mit Charme“ ist aber greifbar. Der Lagerschuppen mit der Adresse Lechtorstraße 1 links vom Kasselturm. Bisher komplett vom Verein Schongauer Sommer genutzt, soll dort nun ein Raum für die Kräuterfrau abgetrennt werden. Rund 25 Quadratmeter sind für den Tourismusverein vorgesehen für Sonderausstellungen und Kräuterführungen.

Beantragt wird daher eine Nutzungsänderung des ehemaligen Wirtschafts- und Lagergebäudes des damaligen Kasselbräus für die Vereinsnutzung von Schongauer Sommer und Tourismusverein. Das Gebäude will die Stadt entsprechend den Brandschutzanforderungen anpassen.

Über die Kosten ist noch nichts bekannt

Über Kosten konnte man seitens des Bauamts noch nichts sagen, erst braucht man die Genehmigung des Landratsamtes. Wenn möglich, soll das Vorhaben aber noch in dieser Saison umgesetzt werden. Beim Schongauer Sommer gebe es heuer keine Veranstaltungen mehr. Außerdem seien für den Verein andere Flächen im Gespräch, so Dietrich.

Schon jetzt finde der Historische Markt am Festplatz statt, vielleicht wolle der Verein dort auch eine Bühne bauen. Es gebe Ideen für den Bereich des bestehenden festen Fundaments eines ehemaligen Gebäudes links der Lechstiege. Finanziell beteiligen könne man sich an einer zweiten Freilichtbühne für Schongau allerdings nicht, denn schon für die Realisierung der „Bühne für alle“ am Bürgermeister-Schaegger-Platz 2007 hätte die Stadt Fördermittel bekommen.

Schongauer Sommer möchte den Raum nicht abgegen

„Mit mir nicht, ich bin es leid“: Manfred Wodarczyk vom Schongauer Sommer ist entsetzt, dass es da bereits konkrete Pläne gibt und der Schongauer Sommer einen Teil seines Refugiums abgeben soll, was quasi beschlossene Sache ist. Und zwar über seinen Kopf hinweg. Es habe zwar einen Termin gegeben mit der Stadt, aber er habe dabei auch unmissverständlich deutlich gemacht, dass das nicht geht.

Diesen Bereich soll der Schongauer Sommer (im Bild Vorsitzender Manfred Wodarczyk) abgeben.

„Der Schongauer Sommer will da nicht raus“, winkt Wodarczyk auch ab, was mögliche weitere Pläne anbelangt. Zwar liebäugele man schon länger mit der Idee einer Bühne am Festplatz, aber da gebe es nichts Konkretes. „Und der Verein fasst ohne die Stadt den Hang nicht an.“

Gültiger Nutzungsvertrag seit 15 Jahren

Von der Plane über Kabel, Werkzeug, Schrauben und Werbetafeln – der Bereich, den man nach dem Beschluss des Bauausschusses im früheren Pfadfinderhaus räumen soll, ist vom Verein gut belegt. Weiter hinten lagern Requisiten, Stühle, Bierbänke. Vor allem während Veranstaltungen sei der Raum wichtig, weil direkt an der Bühne gelegen. „Die Stadt macht sich das schon recht einfach“, moniert Wodarczyk.

Zumal ein gültiger und unbefristeter Nutzungsvertrag besteht, er demnach rechtmäßiger Mieter ist – seit dem 1. Januar 2006. Wodarczyk lässt keine Zweifel daran, dass der Verein Schongauer Sommer diesen Weg nicht mitgehen wird. „Der Historische Markt oder das nächste Festspiel müssen nicht unbedingt in Schongau stattfinden.“

Manfred Wodarczyk sei einverstanden gewesen, das sei abgesprochen, so Stadtbaumeister Dietrich auf Nachfrage. „Wir finden sicherlich eine einvernehmliche Lösung, wir finden immer eine Lösung“, beruhigt er. Dort sei Platz genug, man könne sich bestimmt arrangieren.

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