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Beim Starkbierfest 2018 in Schongau war die Welt für Daniel Blum (l.) noch in Ordnung. Gemeinsam mit Friedrich Zeller (r.), der ihn nun an der Spitze des SPD Ortsvereins abgelöst hat, ließ er sich damals den Gerstensaft schmecken.

Daniel Blum bleibt aber Stadtratskandidat

Schongauer SPD-Chef wirft hin und hüllt sich in Schweigen - „Vor der Wahl keine Schlammschlacht“

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Seit Dezember ist Friedrich Zeller kommissarischer Vorsitzender des Schongauer SPD-Ortsvereins. Er hatte das Ruder von Daniel Blum übernommen. Warum dieser sein Amt aufgab, obwohl bereits heuer turnusgemäße Neuwahlen sind, möchte er nicht sagen. Noch. „Darauf haben wir uns geeinigt, damit es vor der Wahl keine Schlammschlacht gibt.“ Stadtrat will Blum aber unbedingt werden.

Schongau – Mehrere große Veranstaltungen hatte Daniel Blum als Ortsvorsitzender im Herbst geleitet: Ende Oktober die Aufstellungsversammlung des amtierenden Bürgermeisters Falk Sluyterman, zwei Wochen später die Aufstellungsversammlung der SPD-Stadtratskandidaten, am 9. November die 100-Jahr-Feier des SPD Ortsvereins. Und zuvor stand am 11. Oktober die 2. Wein-Nacht der SPD auf dem Programm, die Blum mitmoderierte, mitgestaltete, mitorganisierte, und wo er als „Meister Düsentrieb“ auftrat. Nur wenige Tage später, Anfang Dezember, kam seitens der SPD eine knapp gehaltene Pressemitteilung über den Wechsel in der Vorstandschaft: Auf Daniel Blum folge der bisherige Stellvertreter Friedrich Zeller im Amt des SPD-Vorsitzenden, seine Stellvertreterin werde Ilona Böse. Ordnungsgemäße Neuwahlen des Ortsvorstands seien im April 2020 geplant. Als Begründung hieß es damals wörtlich: „Daniel Blum tritt aus persönlichen und familiären Gründen zurück.“

Letztere Begründung stimme schon mal nicht, wie Daniel Blum auf Nachfrage betont. „Es gibt keine familiären Gründe, warum ich das Amt aufgegeben habe, dies wurde über meinen Kopf hinweg so weitergegeben.“ Dies habe ihn geärgert, denn er sei mehrfach darauf angesprochen worden. „Persönliche, rein private Gründe“ könne man so stehen lassen.

Über die Hintergründe möchte sich Daniel Blum derzeit nicht im Detail äußern, das große Fass nicht aufmachen, das stehe auch so im Protokoll, dazu habe er sich verpflichtet. Es habe eine ganze Latte von Gründen gegeben, bis es zu dem Entschluss kam. Ausführlich wolle er sich nach der konstituierenden Sitzung des neuen Stadtrats äußern. Der Bürger, auch die anderen Parteien, würden sich schon ihre eigene Meinung bilden, so Blum. „Wenn ich jetzt etwas sage, laufen wir Gefahr, dass es vor der Wahl in einer Schlammschlacht ausartet.“

Blum wollte eigentlich weitermachen, „aber dann ging es nicht mehr“

Dass nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen ist, kann man auch ohne viel Fantasie heraushören. Zumal die turnusgemäßen Neuwahlen in nur wenigen Monaten anstehen. „Ich wollte eigentlich noch bis zum Jahresende weitermachen, aber dann ging es Anfang Dezember nicht mehr“, erzählt Blum. Gewählt im Juni 2016 im Alter von 28 Jahren, wurde Blum 2018 erneut als Vorsitzender bestätigt, war dreieinhalb Jahre im Amt.

„Außer, dass ich jetzt nur noch einfaches SPD-Mitglied bin und nicht mehr im Vorstandsgremium, hat sich aber an meiner Einstellung zur Stadtratskandidatur nichts geändert“, versichert Blum. Im Gegenteil: „Ich habe auch den Ehrgeiz, Stadtrat zu werden.“ Er wolle aktiv an der Gestaltung Schongaus mitwirken. „Wenn es diesmal nicht klappt, versuche ich es in sechs Jahren noch einmal – ich will da rein.“

Und was ist mit der Wein-Nacht? „Auch aus diesem Thema bin ich komplett raus“, so Blum, dem man seine Wehmut darüber deutlich anhört. „Da sind auch Tränen geflossen“, gibt er zu. Aber das ganze Material sei nun bei Zeller im Büro eingelagert. „Das Organisationsteam weiß Bescheid, dass ich nicht mehr zuständig bin.“ Blum bemüht sich, dem Ganzen auch etwas Positives abzugewinnen: „Dem einen Baby weint man nach, aber vielleicht kommt ja auch ein neues auf die Welt.“ Er habe sich die Situation nicht einfach gemacht, vertraue aber darauf: „Die eine Tür geht, zu, andere wieder auf.“

„Es hat keinen Bruch oder so etwas gegeben“

Und was sagt der kommissarische Vorsitzende? „Es ist alles unkomplizierter, als man denkt“, so Friedrich Zeller. „Blum bleibt ja bei der SPD.“ Er könne nicht näher darauf eingehen, aber die Entscheidung Blums habe man nicht groß zu hinterfragen, so Zeller. „Es hat keinen Bruch oder so etwas gegeben.“ Ähnlich formuliert es Ilona Böse: „Wenn jemand den Wunsch äußert, zu gehen, können wir ihn nicht knebeln, sondern wir müssen den Wunsch respektieren.“ Manchmal änderten sich die Dinge eben, man habe immer gut zusammengearbeitet. „Für uns kam das auch überraschend.“

Die nächste, dann 3. Weinfest, werde erst nach der Wahl angepackt, so Regina Haugg aus dem Orga-Team. „Jetzt machen wir erst mal Wahlkampf, dann wollen wir uns zusammensetzen, da ist noch gar nichts raus.“

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