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Das Schongauer Stadtmauer-Umfeld im Wandel der Zeit

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Blick von Osten auf den Schwanenweiher um 1910: Der alte Wassergraben war bis 1934 teilweise erhalten geblieben und diente als Parkanlage

Schon immer faszinierten die Stadtmauer und deren Umgebung die Bürger. Im Lauf der Zeit veränderte sich das Gesicht des Außenbereiches immer wieder, auch jetzt plant die Stadt dort per Architekten-Wettbewerb Veränderungen. Nicht zuletzt deshalb hat der Historische Verein Bilder, Dokumente und Skulpturen zusammengetragen, die die Veränderung der Stadtmauer und des Grabens im Laufe der vergangenen zwei Jahrhunderte zeigt.

Schongau „Wenn andre Städt‘ an Kurpark habe’, no! Unser Stadt die hat an Grabe‘!“, heißt es in einem alten Gedicht des Schongauers Franz Guelmino über den Spazierweg um die Stadt. Darin wird der Sonnengraben gar mit Nizza verglichen. „Die Vergangenheit lehrt uns, wie wir in Zukunft mit der Stadtmauer umgehen müssen“, sagte zweiter Bürgermeister Tobias Kalbitzer bei der Ausstellungseröffnung am Samstag im Stadtmuseum.

Eine Luftaufnahme von 1918 zeigt, dass die Schongauer Altstadt selbst keine größeren Grünanlagen besitzt. Bereits 1805 hatte die Bürgerschaft, allerdings noch in bescheidener Form, einen Spazierweg um den Graben angelegt und schrittweise mit einer Allee und Ruhebänken ausgestattet. Die Bürger konnten in ihrem Naherholungsgebiet direkt vor der Haustüre den „unvergleichlich schönen Ausblick ins Lechtal“ genießen. Doch nicht nur zum Promenieren lud der Graben ein. Bürger nutzen den südlichen und westlichen Stadthang zu Anlage von Gärten und Obstbaumanlagen, es gab Bienenstöcke und Fischkalter.

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Kurort Schongau: 1887 eröffnete mit dem Johannisbad eine Kneipp-Kuranstalt am westlichen Stadtrand (Foto von 1910)

Besonderer Beliebtheit erfreute sich jedoch der „Schwanenweiher“. Bis 1934 waren dort Reste des wasserführenden Stadtgrabens erhalten geblieben. Dieser wurde 1904 zu einem Teich umgestaltet, der am Rand mit einem Wasserfall, einem Springbrunnen, einer kleinen Insel, Miniaturgebäuden und einem Vergnügungsboot ausgestattet war. „Als auch noch zwei Prachtschwäne ins Gewässer eingesetzt wurden, war das Idyll komplett“, erklärte Franz Grundner, der zusammen mit Harald Scharrer die rund 30 Besucher der Vernissage durch die Ausstellung führte. Bedingt durch die Tieferlegung der Bahnhofstraße 1934 kam es zu größeren Wasserverlusten, was schließlich das „Aus“ für die lokale Attraktion bedeutete.

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Franz Grundner führte bei der Vernissage durch die Ausstellung im Stadtmuseum

Für eine kurze Zeit war Schongau durch ein Bauwerk am Graben auch Kurort. 1887 eröffnete der Kaufmann Johann Baptist Anderl jun. das Johannisbad mit einer großen Gartenanlage, die sich den Hang hinauf bis an den Promenadenweg erstreckte. Der Bäderbetrieb wurde 1920 eingestellt. Eine weitere Besonderheit des Stadtmauerumfeldes waren die zahlreichen Biergärten, die ab 1850 außerhalb der Stadtmauer entstanden. Zu Saisonbeginn warben schon damals die Betreiber im „Schongauer Wochenblatt oder später in den „Schongauer Nachrichten“ mit originellen Angeboten etwa mit „Bockanstich“ oder einer „Lucki-Feier mit Preiskegelscheiben“, verbunden mit einem Konzert der Schongauer Stadtkapelle.

Der Graben und der Spazierweg waren wichtige Kommunikationsräume. Ein Zeitungsfoto zeigt sich ausruhende Menschen am Sonnengraben auf einer Bank an der Stadtmauer und ist betitelt mit: „Gegen die Isolierung alter Menschen.“ Und der Schongauer Edmund Baumgärtner erinnern sich an den Sonnengraben seiner Kindheit: „Draußen hockte fast täglich die Biber-Fanny und strickte für alle möglichen Leute.“

Für den Schutz des Schongauer Kleinodes um die Stadtmauer herum sorgte die Stadt mit Regeln. Diese schrieb etwa die Art der Umzäunung fest. Und bereits 1910 gab es einen Erlass gegen Baumfrevel, der dem Verursacher eine hohe Summe und 14 Tage Haft androhte. „Ich hoffe, dass die Stadt etwas Gutes beschließt und dass der Wettbewerb Gutes bringt“, sagte Kalbitzer.

Das Stadtmuseum in Schongau ist jeden Mittwoch, Samstag, Sonn- u. Feiertag von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

Myrjam C. Trunk

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