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Den wertvollen Schatz in der teuren Vitrine betrachteten die Besucher beim Internationalen Museumstag in Schongau. 

Schongauer Stadtmuseum 

Vergrabene Münz-Schätze geben Rätsel auf

Die rund 5000 Euro teure Vitrine im Schongauer Stadtmuseum birgt einen nicht minder wertvollen Schatz, zumindest historisch gesehen: Die 503 Silbermünzen standen bei der Eröffnung der Ausstellung „Vom Keltengold zur Kreditkarte“ im Mittelpunkt des Interesses.

Schongau Es sind 503 Silbermünzen, bezeichnet als „Schongau I“, die um das Jahr 1350 in der Nähe des Schlosses vergraben wurden. Sie sind damit wichtige Zeitzeugen der Lechstadt im 14. Jahrhundert. Aus dieser Epoche gebe es ohnehin wenig Aufzeichnungen, so Helmut Schmidbauer am Sonntag, dem Internationalen Museumstag, bei der Eröffnung der Ausstellung „Vom Keltengold zur Kreditkarte“, zu der sich nur wenige Besucher eingefunden hatten. Die Lehrsammlung wurde einst im Auftrag des Stadtrates von der Staatlichen Münzsammlung München konzipiert und aufgebaut. Im Zuge der neuen Präsentation der Archäologischen Abteilung des Schongauer Stadtmuseums ist diese Lehrsammlung nun in das Dachgeschoss der Erasmuskirche umgezogen. In einer langwierigen Neuaufstellung wurde sie dafür von Harald Scharrer und Michaela Gräper aufbereitet.

Das 14. Jahrhundert war die Zeit der Pest und der Judenprogrome. In diesen unsicheren Zeiten blieb vielen nur die Möglichkeit, ihre Schätze zu vergraben. Etwa in kleinen Tongefäßen oder Sparkässchen in Topf- oder Tierform. Banken gab es zu jener Zeit noch nicht. Zwei Artifakte aus der Zeit sind ebenfalls bei der Ausstellung zu sehen, eines wurde später in einem Brunnenschacht, ein anderes in einer ehemaligen Latrine entdeckt. Dahinter verbirgt sich die Annahme, so Fritz Grundner vom Historischen Verein, dass sie aufgrund der herrschenden Umstände zu einer Häufung von plötzlichen Todesfällen, Flucht, Vertreibung und Enteignung führten. Dazu passe auch ein weiterer Münzschatz, der 1979 in der Münzstraße gefunden wurde und dessen Vergrabungszeit ebenfalls um 1350 datiert wird.

Der Münzschatz „Schongau I“ wurde bereits 1923 beim Bau von Notwohnungen gefunden und in vier Teile aufgeteilt. Erst 2014 tauchte ein Teil davon wieder auf und konnte aus dem Nachlass Steidele (damals der Bauunternehmer) erworben werden. Allerdings konnte keine der Münzen bislang Schongau, das damals auch das Münzprägerecht hatte, zugeordnet werden, erklärte Grundner. Die Münzmenge setzt sich größtenteils aus dem Schwäbisch Haller Pfennig, dem „Hänlein-Heller“ und sogenannten Holpfennigen Bischof Wolfhards so wie Frankfurter Hellern mit Krone und Wiederkreuz und zwei Heller aus Speyer zusammen. Grundner hofft im Zusammenhang mit einem Münzfund bei Waal auf neue Erkenntnisse. Dass es einen Schongauer Pfennig gegeben hat, belegt eine Reiserechnung aus dem Jahr 1204 von Bischof Wolfger von Erla, der seinerzeit, wohl für Verpflegung, Geld in Schongauer Pfennige umgetauscht hatte.

Die Ausstellung im Stadtmuseum zeigt auch eine gefälschte Münze. Auf das Fälschen stand in Schongau übrigens die Todesstrafe in jener Zeit, die auch tatsächlich verhängt und mit dem Schwert ausgeführt wurde, so Schmidbauer. Desweiteren sind zahlreiche Münzen und Scheine bis zu D-Mark-Zeiten zu sehen. Ebenso eine Münzwaage, denn die Silberpfennige wie etwa aus dem Fund „Schongau I“ wurden nach Pfund gewogen. „Da wäre man ja mit dem Zählen nicht nachgekommen“, so Grundner. Denn der einzelne Silberpfennig wiege fast nichts. Aus dem gewogenen Pfund leite sich auch die Mark oder die Lira (Italien) ab: diese Begriffe bedeuten ebenfalls „Pfund“.

Myrjam C. Trunk

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