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Am Nordkap machte Thomas Rohrmann ein Start-Selfie (Bild oben), doch von dort konnte er wegen der winterlichen Verhältnisse nicht starten.

Erfolg trotz Reise-Abbruchs

Zu Fuß für Job durch Europa: Schongauer gibt auf und gewinnt

Eigentlich müsste Thomas Rohrmann noch auf seiner „Across Europe for one job“-Tour sein. Doch das Wetter und heftige Knieschmerzen zwangen den 57-Jährigen zur Aufgabe. Gelohnt hat sich die Wanderung trotzdem: Der Schongauer ist zu einigen Vorstellungsgesprächen eingeladen.

Schongau – Schon als Thomas Rohrmann am Nordkap ankam, lief es nicht nach Plan. Eigentlich wollte der 57-Jährige dort seine Wanderung quer durch Europa starten, die ihn über 7000 Kilometer durch sieben Länder neun Monate lang bis Sizilien führen sollte. Damit wollte der Schongauer aktiv auf Arbeitsplatzsuche gehen (wir berichteten). Im Juli 2016 war Rohrmann nach vielen Jahren Tätigkeit im Vertrieb arbeitslos geworden hatte sich bis im April dieses Jahres vergeblich um einen Job bemüht.

„Es ist total anders gelaufen als geplant“, sagt Rohrmann, der inzwischen wieder zurück in Schongau ist. Der extreme Kälteeinbruch habe ihm seine „Across Europe for one job“-Tour schon zu Beginn schwer gemacht. Wegen der Kälte und den winterlichen Verhältnissen sei es nicht erlaubt gewesen, am Nordkap zu bleiben. Rohrmann musste mit den anderen Touristen wieder in den Bus steigen und das Nordkap verlassen, statt von dort aus loszugehen.

Er sei mit dem Bus nach Honningsvåg gefahren und habe von dort aus seine Wanderung begonnen, erzählt Rohrmann. „Ich bin losgegangen und tagsüber war auch alles gut.“ Nachts hätten aber Temperaturen von bis zu 20 Grad minus geherrscht. Für diese Kälte war der Wanderer nicht ausgerüstet, ob

wohl er sich gut auf seine Tour vorbereitet hatte. In anderen Jahren herrschten in dieser Jahreszeit höchstens minus acht Grad, sagt Rohrmann. Auch die Einheimischen hätten gesagt, dass es außergewöhnlich kalt war und außergewöhnlich viel Schnee gegeben habe.

Am Anfang hat der Schongauer noch eisern an seinem Plan festgehalten. „Ich habe mein Zelt in Schneemulden aufgebaut und Schnee geschmolzen, um Trinkwasser zu haben.“ Doch nach ein paar eisigen Nächten im Zelt, bei denen er sich leichte Erfrierungen geholt habe, habe er sich entschlossen, Richtung Süden zu fahren. Zuerst ging es nach Stockholm, wo er die Fähre nach Rostock genommen hat. „Ich dachte, da ist es wärmer“, erzählt der 57-Jährige.

In Deutschland war es zu der Zeit zwar auch eisig kalt, aber Rohrmann konnte wenigstens die Lebensmittel und den Schneeanzug nach Hause schicken, sodass das Gepäck nicht mehr so schwer war. „Es war super“, sagt der Schongauer. Es sei gut gelau

fen, bis am Morgen des 13. Tages sein Knie weggeknickt sei. „Ich hatte keine Kontrolle mehr über mein Knie.“ Da habe er gewusst, dass seine Reise zu Ende ist. Er sei zum nächsten Bahnhof gehumpelt und mit dem Zug nach Schongau gefahren.

Obwohl es anders gelaufen ist als geplant und auch wenn ihm das Aufgeben schwer gefallen ist, seine Aktion bereut Rohrmann nicht. „Ich habe es probiert, ich habe viele tolle Mails gekriegt von Leuten, die in der gleichen Situation sind, und ich bin zu einigen Vorstellungsgesprächen eingeladen worden.“ Noch von unterwegs hat der Schongauer seinen Lebenslauf verschickt und ist von einigen Firmen eingeladen worden. „Ich habe so viele Angebote für Vorstellungsgespräche wie das ganze Jahr zuvor nicht“, sagt der 57-Jährige. „Das ist super, das ist phänomenal.“ Auch, wenn die Wanderung anders verlaufen ist als geplant, sein Ziel hat Rohrmann doch erreicht. Und, was ihm ganz wichtig ist, er konnte zeigen, dass sich an scheinbar aussichtslosen

Situationen manchmal doch etwas ändern lässt.

Kathrin Hauser

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