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Solche Netze aus Polyethylen, wie sie der Schongauer Künstler Mario Albrecht in den Händen hält, sucht der Schmuckdesigner für seine ausgefallene Idee.

Ausgefallene Idee

Aus Tüten und Obstnetzen: Schongauer weckt mit seinen Kunstwerken Umweltbewusstsein 

Vor zwei Jahren ist Mario Albrecht mit einer tollen Idee, die er künstlerisch und auch handwerklich umgesetzt hat, an die Öffentlichkeit gegangen: Der Künstler stellt aus mehrfach heiß gepressten Plastiktüten aus Abfallbeständen in einem verzwickten Verfahren Schmuckstücke her. Alles Unikate an Broschen und Ringen. Jetzt hat Albrecht eine neue Idee, für die er aber dringend Hilfe benötigt. Materielle Hilfe.

Schongau – Es sind katastrophale Bilder der Weltmeere, die uns immer öfter erreichen. Seevögel oder Fische verenden grausam durch Plastikmüll. Mehr als 20 Kilogramm Plastik lagen jüngst im Magen eines Pottwals, der vor der Küste Sardiniens entdeckt wurde. Man muss zusehen, wie die Umwelt zerstört wird. Besser gesagt, die Menschen müssen zusehen, wie sie ihre eigene Umwelt zerstören.

Diesem Plastikmüll hat der Schongauer Künstler Mario Albrecht mit seiner Idee den Kampf angesagt. Vielleicht nur ein symbolischer Beitrag, der aber auf alle Fälle zum Nachdenken anregen soll. „Wenn sich jeder Mensch, der meine Schmuckstücke betrachtet, sich ein klein wenig Gedanken darüber macht, woher der Rohstoff kommt, habe ich vielleicht ein wenig unserer Umwelt geholfen“, so sein Gedanke.

Albrechts Schmuckstücke sind aus Materialien, die nur einen kurzen Zeitabschnitt in Verwendung sind: aus Verpackungen. So waren es Plastiktüten, mit denen er auf der Akademie für Design und Handwerk in München während seines Studiums experimentiert hat.

Vier Broschen, die Mario aus den alten Netzen hergestellt hat. Für ein Unikat benötigt er zirka 25 Netze.

Und das so erfolgreich, dass er für seine Abschlussarbeit Broschen aus eben diesen Plastiktüten herstellte und präsentierte. Ein großer Erfolg. Mit Auszeichnung sein Studium abgeschlossen, wirkt und wirbt Mario Albrecht seitdem weltweit für einen bewussteren Umgang mit diesen Materialien.

Seit fast sechs Monaten arbeitet Mario Albrecht an einer neuen Technik: Er experimentiert daran, wie man Polyethylen-Netze so verformen und verfestigen kann, dass ebenfalls wieder sehr leichte und unikatartige Schmuckstücke als Endprodukt entstehen.

Das sind Netze, die jeder vom Einkaufen in den Supermärkten her kennt. Vor allem Orangen, Zwiebeln oder Kartoffeln werden in solchen dünnadrigen Netzen angeboten. Diese sind von Albrecht nun heiß begehrt. Wie von ihm zu erfahren ist, benötigt er rund 25 dieser Netze, um eine Brosche in seiner ausgeklügelten Heißverformungstechnik herzustellen. Kurioserweise eignen sich die kleinen grünen Exemplare, in denen im Winter Meisenknödel angeboten werden, nicht für seine Schmuckstücke.

Netz-Spender gesucht

Um genügend Rohmaterial zur Verfügung zu haben, startet Albrecht jetzt einen Aufruf: Er sucht aktiv nach Spendern für solche Netze. Es stellt eine Alternative dar, wie man auf ganz einfachem Weg in der Schongauer Kulturszene einen nachhaltigen Beitrag leisten kann. Auch wenn dieser noch so klein erscheinen mag. So wird anstatt Geld ein bestimmtes Material zur Entstehung von Kunstwerken gespendet. Wie Albrecht erklärt, kann so Schongau zu einem Vorreiter in Sachen alternative Förderung von Künstlern für einen bewussteren Umgang mit Verpackungsmaterialien werden.

Der Spender solcher Netze trägt dazu bei, einen Künstler der Region zu fördern und damit die Kulturszene zu beleben. Gleichzeitig wird – hoffentlich – das Bewusstsein für einen nachhaltigen Umgang mit Plastikverpackungen geschärft. Wer also Mario Albrecht unterstützen möchte, kann seine gesammelten Netze in der Goldschmiede von Lisa Walte in der Karmeliterstraße 13 in Schongau während der Ladenöffnungszeiten abgeben. Diese sind Mittwoch bis Freitag von 10 bis 13 Uhr und von 14 bis 18 Uhr.

HANS-HELMUT HEROLD


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