Aus dem Gericht

Freispruch nach Pfefferspray-Attacke

Eine 55-jährige Schongauerin wurde beschuldigt, einer Nachbarin Pfefferspray ins Gesicht gesprüht zu haben. Wegen gefährlicher Körperverletzung stand sie vor dem Weilheimer Amtsgericht, ihr drohte eine Haftstraße ohne Bewährung. Doch überraschenderweise wurde sie freigesprochen.

Schongau „Ich glaube, dass Sie es waren, aber wir konnten es hier nicht beweisen“, sagte die Vorsitzende Richterin Christiane Serini. Nicht zweifelsfrei sicher war das Gericht nach der Beweisaufnahme, nach der Befragung der sieben geladenen Zeugen, die sich in zwei Lager aufteilten.

Da waren zunächst die zwei Männer und die später Geschädigte. Sie hatten in einer Schongauer Wohnung im Untergeschoss des Hauses, in der auch die Angeklagte, ihre Tochter und deren Freund wohnt, im März dieses Jahres ein wahres Trinkgelage veranstaltet. Dabei sei in erheblichem Maße gelärmt und gestritten worden. Die Tochter der Angeklagten rief die Polizei, die erst einmal Ruhe herstellte. „Die drei sind amtsbekannt“, sagte ein Polizeibeamter aus.

Die ausufernde Party ging jedoch weiter. Erneut wurde in den frühen Morgenstunden die Polizei alarmiert. Aber bevor die Beamten eintrafen, ging die Angeklagte zusammen mit dem Freund ihrer Tochter zu der Wohnung und stellte die später Geschädigte zur Rede. Nur sie kam nach dem Klingeln zur Eingangstür, die Männer blieben in der Wohnung. „Ich habe ihr freundlich gesagt, sie soll Ruhe geben“, sagte die Angeklagte, die im zweiten Stock des Hauses wohnt.

Sie sei dann mit dem Freund ihrer Tochter wieder nach oben in die Wohnung gegangen. Einen Schrei hatte sie zwar gehört, aber gedacht, das wäre wieder der übliche Krach. Einen Pfeffersprayangriff bestritt sie vehement. Natürlich bestätigten die Tochter und der Freund die Geschichte bei ihrer Aussage. „Es ist aber schon auffällig, wie wortgleich das geschildert wurde“, wunderte sich die Staatsanwältin.

Die anderen Zeugen hatten gewaltige Schwierigkeiten, sich an das Ganze zu erinnern. Die beiden Männer (37 und 51) gaben freimütig an, dass alle Beteiligten sehr stark alkoholisiert waren und sie erhebliche Gedächtnislücken haben. Beide erinnerten sich aber daran, dass die junge Frau an der Tür ein Gespräch hatte und sie kurz danach schrie. Sie sagten aus, dass ihre Trinkkumpanin am Boden lag mit stark gerötetem Gesicht und dass es beißend nach Pfefferspray roch.

Die Polizei traf zeitnah ein. Auch sie nahmen den starken Geruch wahr und brauchten einige Zeit, um nicht selbst dem Reizgas ausgesetzt zu werden. Die junge Frau kam ins Krankenhaus. Auch dort wurde eindeutig ein Pfeffersprayangriff attestiert. Die Geschädigte erstattete Anzeige.

Aber, und das war für Richterin Serini der, wie sie sagte „Casus knacksus“: Bei ihrer Zeugenaussage bestand die Geschädigte darauf, dass der Pfeffersprayangriff nicht vor ihrer Wohnungstür, sondern vor der Tür der Angeklagten stattgefunden hatte – ein Punkt, den alle anderen Zeugen anders geschildert hatten. „Die einzige Augenzeugin verlegt den Tatort an eine andere Stelle“, erklärte Serini. Somit seien nicht alle Zweifel ausgeräumt und damit gelte „im Zweifel für die Angeklagte“.

Diese hatte mit diesem Urteil Glück, denn sie steht wegen eines anderen Deliktes in offener Bewährung. Die Staatsanwältin hatte für die neunfach vorbestrafte Frau eine Freiheitsstrafe von 13 Monaten ohne Bewährung gefordert. Der Verteidiger plädierte auf Freispruch. Sichtlich zähneknirschend gab Richterin Serini ihm Recht.

Regina Wahl-Geiger

Rubriklistenbild: © dpa / David-Wolfgang Ebener / Symbolbild

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