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Lichte Sitzreihen im Ballenhaus-Saal: Nicht einmal 60 Besucher kamen zur Bürgerversammlung, und die hatten wenig zu fragen.

Bürgerversammlung

Schongaus Bürger mit Mini-Problemen

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Die ruhigste Bürgerversammlung seiner Amtszeit hat Bürgermeister Falk Sluyterman (SPD) im Ballenhaus abgehalten. Bereits nach 75 Minuten war alles vorbei – offenbar brennt den Schongauer Bürgern derzeit nichts auf den Nägeln.

Schongau – Bei der ersten Bürgerversammlung von Falk Sluyterman vor zwei Jahren waren noch 120 Bürger da, es gab überraschende Themen wie das Projekt Lech-Floß. Vergangenes Jahr waren es nur noch 70 Gäste, doch auch dort wurde zum Teil kontrovers und länger über Themen wie Park-Chaos am Gartenweg, Lärm an der Schießanlage Dießener Straße oder Asylbewerber. Doch dieses Jahr – weitgehend Fehlanzeige. „Offenbar sind die Bürger mit unserer Arbeit zufrieden“, sagte Sluyterman achselzuckend.

Die erste halbe Stunde nutzte er, um die Arbeit des vergangenen Jahrs Revue passieren zu lassen, und das dauerte bei der Fülle an Projekten einige Zeit. Sauna-Erweiterung, Bike-Park und natürlich die Fußgängerzone gehörten dazu, aber auch die Eröffnung der Arbeitsagentur in neuen Räumen an der Marktoberdorfer Straße. An Veranstaltungen wie Henkerstochter-Schauspiel, 150 Jahre Feuerwehr oder Rolliwelten-Aktionstag erinnerte er, die entspannte Flüchtlingslage thematisierte er nur noch kurz: „Wir haben das gut hinbekommen, dank vieler ehrenamtlicher Helfer“, bedankte sich Sluyterman.

Die erste Frage kam von Bürgerversammlungs-Profi Peter Haggenmiller, der schon oft Kritik geübt hatte – erinnert sei nur an die „Wasser-im-Keller“–Geschichte in Schongau-West, bei der er die Stadt mit Fragen und Vorwürfen auch vieler Anwohner ganz schön auf Trab gehalten hatte. Dieses Mal hatte er sich anhand der „tollen Broschüre“, die die Stadt erstellt hatte, die Sauna-Erweiterung herausgepickt, deren Kosten für ihn höher waren als gedacht. Doch das konnten die Verantwortlichen gut kontern.

Mit dem Vorwurf, er habe ein Problem mit der „zunehmenden Überfremdung“ einzelner Stadtgebiete, hatte Sluyterman so seine Probleme – nicht nur bei der Wortwahl, sondern auch mit Haggenmillers Frage, ob der hohe Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund in Schongau-West mit Verteilungen in andere Stadtgebiete gesenkt werden könne. „Wie sollen wir das machen? Die Leute können wohnen, wo sie wollen, das kann die Stadt nicht steuern“, sagte Sluyterman. Er stimme zu, dass das Verhältnis in den Wohnvierteln stimmen müsse. „Deshalb war ich auch gegen das Asylbewerberheim in der Pöllandtstraße, weil die Gegend nicht unproblematisch ist.“ Für diese Aussage wiederrum habe er Beschwerden bekommen, man solle die Leute und das Viertel nicht abstempeln, „weil das Zusammenleben in Schongau-West gut funktioniert“.

Die Stadt hatte dagegen alles aufgefahren: (v.l.) Bauhof-Chef Bernd Liebermann, Stadtbaumeister Ulrich Knecht, Kämmerer Werner Hefele, Bürgermeister Falk Sluyterman, Hauptamtsleiterin Bettina Schade, Forstamts-Chef Klaus Thien, Wirtschaftsförderin Yvonne Voigt, Walter Frömmrich (Stadtwerke), Plantsch-Chef Andreas Kosian und Christian Osterried, Leiter des Heiliggeist-Heims.

Siegfried Spitz wollte wissen, ob die Anlage von Stellplätzen bei Bauprojekten überprüft wird. „Da ist das Landratsamt die Genehmigungsbehörde. Aber das ist nicht in der Lage, alles zu kontrollieren“, sagte Stadtbaumeister Ulrich Knecht. Auch Günther Stöhr war über die Antwort zu seiner Frage, warum die Bewohner im Schongauer Westen wegen ihres mangelnden Fernwärme-Zugangs diskriminiert werden, nicht zufrieden. Denn der technische Stadtwerke-Leiter Walter Frömmrich erklärte ihm, dass Schongau in Versorgungsgebiete aufgeteilt sei und es dort eben Erdgas gebe. „Wir wollen nicht in Konkurrenz treten, das ist auch finanziell gar nicht machbar. Da eine neue Leitung zu bauen, würde schnell fünf bis zehn Millionen Euro kosten.“

Weitere Fragen gab es nur noch von Helmut Vollmann, der wissen wollte, warum bei der Stadtmauer-Sanierung nichts weitergeht (Knecht: „Wir bekommen bald das Endergebnis der Untersuchung, wollen bis Jahresende die Zuschussfrage klären und ab 2019 nach dem Grundschulbau das Projekt angehen“), und von Daniel Mahl, der sich beklagte, dass beim geplanten Baugebiet im Schongauer Norden nichts vorwärts gehe. „Wir wollen dort etwas entwickeln, doch zuerst muss die 110 KV-Stromleitung in die Erde verlegt werden“, sagte Knecht. Das koste bis zu zwei Millionen Euro und sei nicht Aufgabe der Stadt, sondern müssten die Grundstückseigentümer bezahlen. „Das ist ein komplexer Verlauf, deshalb kann ich da keinen Zeithorizont nennen.“ Damit war die Versammlung vorbei, die restlichen Gespräche wurden am Flur und vor der Tür geführt.

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