+
Es ist angerichtet: Bei Franz und Edith Köpf dürfen morgen nicht nur die Mitarbeiter Fußball schauen, auch die Kunden sind herzlich willkommen. Fernseher gibt es in dem Geschäft schließlich mehr als genug.

Früher Anpfiff bei der WM 

Schongaus Chefs zeigen Herz für die Fans

  • schließen

Die Deutsche Elf ist nach dem umjubelten Last-Minute-Sieg gegen Schweden im WM-Turnier angekommen, und auch bei den Fans in Schongau ist die Euphorie jetzt riesengroß. Jeder will das entscheidende Gruppenspiel gegen Südkorea live im Fernsehen verfolgen. Der Haken: Die Partie wird morgen um 16 Uhr angepfiffen. Die meisten Chefs sind zum Glück gnädig.

Schongau– Franz Köpf macht sich überhaupt keine Sorgen, dass er und seine Mitarbeiter im entscheidenden Gruppenspiel der Deutschen Elf irgendetwas verpassen könnten: In seinem Elektronikgeschäft am Marienplatz laufen am Mittwoch 25 Fernseher. „Der im Eingangsbereich ist sogar 65 Zoll groß“, schwärmt Köpf, der alle Schongauer herzlich einlädt, mitzuschauen. Sogar „eine kleine Überraschung“ will der Ladeninhaber jedem spendieren, der kommt.

Das Geschäft mit den Fernsehern lief schon vor der WM nicht schlecht, freut sich der Einzelhändler, der für das Turnier in Russland auch Leihgeräte bereithält. Eines muss er noch vor dem Spiel morgen ausliefern und vor Ort installieren. Eine Schongauer Firma hat es geordert, damit die Mitarbeiter Fußball schauen können, berichtet Köpf. Wer der freundliche Chef und welche Firma es ist, verrät er allerdings nicht.

Schongaus Polizeichef Herbert Kieweg ist es schon mal nicht: In der Inspektion hält sich die Fußballeuphorie noch in engen Grenzen. „Es kann durchaus sein, dass nebenbei ein Fernseher läuft, aber der Dienst geht vor“, macht der Inspektionsleiter klar. Kieweg ist auch nicht bekannt, dass einer seiner Beamten besondere Wünsche geäußert hat, um sich am Mittwochnachmittag das Spiel ansehen zu können. „In der Schicht trifft es jeden mal“, sagt der Polizeichef dazu, dass auch während der Deutschlandspiele Streifen unterwegs sind. „Wir haben ein großes Spektrum, und es gibt nicht nur Fußballfans“, macht Kieweg klar.

Im Schongauer Krankenhaus hatte die WM-Begeisterung gestern auch noch leichtes Steigerungspotential. Zwar wurde die Cafeteria bereits mit WM-Fähnchen geschmückt. „Wir machen aber erst ab dem Achtelfinale ein Public Viewing für Patienten, Angehörige und Mitarbeiter“, sagt Sprecherin Isa Berndt. Und das auch nur, „wenn die Deutsche Mannschaft spielt“, fügt sie hinzu. Auf das Vorrundenspiel muss morgen im Krankenhaus natürlich trotzdem niemand verzichten. Laut Berndt haben Patienten und Mitarbeiter grundsätzlich die Gelegenheit, in ihren Zimmern oder Aufenthaltsräumen die Spiele im Fernsehen mit zu verfolgen.

Auch bei Schongaus größter Baufirma Haseitl drückt der Chef ein Auge, wenn in Russland der Ball rollt. Obwohl Geschäftsführer Peter Schrehardt anmerkt, dass Fußball „nicht das Wichtigste“ sei. Er habe aber Verständnis dafür, wenn die Mitarbeiter Fußball schauen möchten, schließlich gebe es ein Großereignis wie die WM nur alle vier Jahre, sagt er. In den Besprechungsräumen oder im Foyer haben die Angestellten morgen bei Haseitl die Gelegenheit, die Spiele auf Großbildschirmen zu sehen, er selbst werde auch dabei sein, kündigt Schrehardt an. Auf den Baustellen wird das WM-Gucken freilich schwierig. Der Haseitl-Chef meint aber, dass sich dort das Interesse an den deutschen Kickern ohnehin in Grenzen halten wird: „Wir arbeiten mit vielen Werksunternehmen zusammen, die Mitarbeiter kommen aus Osteuropa.“

Problematischer wird es für die deutschen Fußball-Fans derweil morgen bei UPM in Schongau: „Die Mitarbeiter kommen zum Arbeiten, wir haben keine Fernseher“, macht Werksleiter Wolfgang Ohnesorg klar. Immerhin gibt es bei dem Papierhersteller das ein oder andere Radio, wenn jemand aber Fußball schauen wolle, müsse er freinehmen oder seine Schicht tauschen, betont der UPM-Chef.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Schlichtes Holzkreuz erinnert an schlimmes Unglück vor 75 Jahren
Den 29. Mai des Jahres 1945 werden Franz und Siegfried Bleichner aus Peiting nie vergessen. An diesem Tag verunglückte ihr Bruder Georg in der Nähe ihres Elternhauses …
Schlichtes Holzkreuz erinnert an schlimmes Unglück vor 75 Jahren
Mit Moped in Auto gekracht: 16-Jähriger bricht sich mehrere Knochen und kommt mit Hubschrauber in die Klinik
Mehrere Knochenbrüche hat sich ein 16-jähriger Kleinkraftrad-Fahrer zugezogen, der am Freitagmittag bei Herzogsägmühle mit einem Pkw zusammengestoßen ist. Er wurde mit …
Mit Moped in Auto gekracht: 16-Jähriger bricht sich mehrere Knochen und kommt mit Hubschrauber in die Klinik
Kruzifix von Hans Hartung erinnert an Fallschirmabsturz
Das Holzkruzifix am Hohen Graben in Schongau wurde frisch renoviert. Hans Hartung ließ es aufstellen - nach seinem Absturz als Ausbilder für Freifall Springer.
Kruzifix von Hans Hartung erinnert an Fallschirmabsturz
Verheerender Dorfbrand legt Bernbeuren in Schutt und Asche
Es war einer der schwärzesten Tage in der Geschichte Bernbeurens. Vor genau 300 Jahren legte ein verheerendes Feuer beinahe das gesamte Dorf in Schutt und Asche. Mit …
Verheerender Dorfbrand legt Bernbeuren in Schutt und Asche

Kommentare