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Betreuen die Gebärenden im Schongauer Krankenhaus: die Hebammen (v.l.n.r.)  Nadine Lachmann, Daniela Schregle, Melanie Holzmann mit Sohn Luis, Birgit Schmid und Christine Eder.

Geburtshilfe im Krankenhaus

Schongaus Hebammen vor Riesen-Kraftakt

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Damit die gebeutelte Geburtshilfe in Weilheim überleben und bis zum Jahresbeginn personell umstrukturiert werden kann, ist in Schongau ein echter Kraftakt nötig. Hebammen, Belegärzte und Stationsschwestern haben die wohl heftigsten drei Monate vor sich, die es in Schongaus Geburtshilfe je gegeben hat.

Schongau – „Was bleibt uns andreres übrig?“ Jürgen Karbach zuckt mit den Schultern. Der Sprecher der drei Schongauer Beleg-Gynäkologen, die seit Jahren die Geburtshilfe in Schongau am Leben erhalten, ist harte Zeiten gewöhnt. Zusammen mit zwei Kollegen wuppt das Team seit vielen Jahren die Geburtshilfe in Schongau – trotz laufender Praxen.

Dass immer mehr Frauen in der Schongauer Klinik mit dem guten Geburtshilfe-Ruf entbinden möchten, hat es nicht einfacher gemacht. Dass jetzt aufgrund der dreimonatigen Schließung des Weilheimer Kreißsaals auch noch Patientinnen aus der Kreisstadt in Schongau entbinden sollen, sprengt organisatorisch fast den Rahmen. „Aber sollen wir die Leute wegschicken?“, so Karbach. „Wir versuchen, das irgendwie aufrecht zu erhalten, aber leicht wird es nicht. Wir arbeiten jetzt schon am Anschlag.“

Das trifft auch für die Hebammen und das Personal auf Station zu. Warum? Das verdeutlicht der Blick auf die Zahlen. Alleine in den geburtenstarken Monaten August und September sind bis dato fast 100 Kinder in Schongau auf die Welt gekommen. Mit aktuell 334 Geburten verzeichnet die Geburtshilfe wieder zehn Prozent mehr Geburten als im Vorjahr. Auch da waren es zehn Prozent mehr. Und auch im Jahr davor. Bei gleichbleibender Personaldecke. Das bringt die Teams gewaltig ins Schwitzen. Von 20 bis 30 Schwangeren mehr pro Monat, die sich bislang für eine Geburt in Weilheim angemeldet haben, ganz zu schweigen. Wie viele es tatsächlich werden: Das kann zum jetzigen Zeitpunkt keiner sagen.

„Wir versuchen, unser Bestes zu geben“, bekräftigt Daniela Schregle bei einer kleinen Krisensitzung im Kreißsaal. Das heißt: Jede Zwölf-Stunden-Schicht muss doppelt abgedeckt werden. Das achtköpfige, eingeschworene Schongauer Hebammen-Team kann das in dieser Form fast nicht mehr schultern. „Wir brauchen dringend personelle Unterstützung“, so der Tenor. Doch wo die Hebammen hernehmen, wenn doch der Markt aufgrund schlechter Bezahlung und extremer Versicherungsbeiträge wie leergefegt ist?

„Es darf keiner krank werden und unsere Familien müssen das mitstemmen“, so Schregle. Schließlich sind drei Monate, bis die Geburtshilfe in Weilheim wieder geöffnet werden soll, eine lange Zeit – die Feiertage um Weihnachten herum, in denen auch so schon immer personeller Engpass war, inklusive.

Zum Verhängnis wird den Schongauer Hebammen in ausgerechnet ihr hoher Anspruch an Qualität und ihr guter Ruf. „Die Frauen sollen ja auch weiterhin die gute Betreuung wie jetzt bekommen.“ Birgit Schmid: „Wir möchten hier keine Geburten wie am Fließband.“ Die Einzel-Betreuung während der Geburt, die Nachsorge auf Station, die Still-Beratung – auch durch die Stationsschwestern: Wie soll all das am Standort Schongau weiterhin gewährleistet werden bei gleichbleibender Personaldecke und explodierenden Geburtenzahlen?

Zumindest, was den personellen Engpass auf Schongaus Station 5 anbelangt, verspricht man seitens der Geschäftsführung der Krankenhaus GmbH, dass man an Lösungen arbeite. Tatsächlich kann das Team der Wöchnerinnen-Station die Versorgung der Mütter und Babys gerade noch so schultern. Eine Nachtschwester für zehn Neugeborene, die es samt der Mütter zu versorgen gibt: Leider keine Ausnahme.

„Die Pflegedienstleitung hat ein Konzept“, verspricht Isa Berndt, Leiterin der internen und externen Kommunikation bei der Krankenhaus GmbH. Apropos Konzept: Auch mit Hebammen, die in Weilheim die Personaldecke im Kreißsaal wieder auffüllen sollen, sei man in Gesprächen. Ob sich diese tatsächlich als fruchtbar erweisen, wird sich weisen. Hoffen dürfte man darauf auch am Standort Schongau, wo das System paradoxerweise aufgrund überragender Leistungen zu kollabieren droht.


Info:

Mütter, die ihre Entbindung in Weilheim geplant hatten und nach Schongau ausweichen möchten, werden gebeten, sich im Kreißsaal unter Telefon 08861-215130 anzumelden. Hinzu kommt: Mütter in den Wehen, die in Richtung Kreißsaal unterwegs sind, werden dringend gebeten, sich vorher ebenfalls unter dieser Telefonnummer zu melden.

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