Erklärten die Entscheidung: Schulleiter Bernhard O‘Connor (2.v.r) mit (v.l.) Klaus Priewich, Hubert Orthuber und Richard Schwarz.
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Erklärten die Entscheidung: Schulleiter Bernhard O‘Connor (2.v.r) mit (v.l.) Klaus Priewich, Hubert Orthuber und Richard Schwarz.

Im letzten Moment

Schüler nach Kroatien-Fahrt in Quarantäne: Abiturfeier kurzfristig verschoben

  • Elena Siegl
    VonElena Siegl
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Die Abiturienten des Schongauer Welfen-Gymnasiums sollten am Freitag ihre Zeugnisse bei einer Feier bekommen. Die wurde allerdings im letzten Moment abgesagt.

Schongau – Schüler und Eltern hatten sich herausgeputzt, warteten auf dem Schulhof des Welfen-Gymnasiums schon voller Vorfreude auf die Verleihung der Abiturzeugnisse – und dann das: Die Feier wird verschoben. Weil dutzende Absolventen, die auf Abifahrt in Kroatien waren, in Quarantäne müssen. Der Anruf des Gesundheitsamtes Weilheim-Schongau erreichte den Schulleiter nur wenige Minuten vor der Feier am Freitag.

„Das ist natürlich der GAU“, sagte Rektor Bernhard O’Connor. „Ich kann mich nur entschuldigen, so etwas habe ich auch noch nie erlebt.“ Er habe schon tags zuvor befürchtet, dass sich das Amt melden könnte. Eine Schülerin aus dem Nachbarlandkreis Garmisch-Partenkirchen hatte nämlich am Donnerstagabend den Anruf erhalten, dass sie in Quarantäne muss.

Gesundheitsamt ermittelt Kontaktpersonen

„Der Ermittlungsapparat läuft“, sagte Erika Breu, Pressesprecherin des Landratsamtes Weilheim-Schongau, auf Nachfrage. Betroffen seien Abiturienten des Weilheimer sowie des Schongauer Gymnasiums, die nach Kroatien gereist waren. Die Fahrt wurde privat organisiert – mit dem selben Veranstalter, mit dem auch andere Absolventen aus Bayern nach Kroatien gefahren waren. So auch aus Geretsried. Dort hatten sich mehrere Schüler mit Corona angesteckt. Der Inzidenzwert war darauf mit rund 30 der höchste in ganz Deutschland.

„Am Donnerstag wurde nochmals bei einer Person im Zusammenhang mit der Fahrt das Coronavirus nachgewiesen“, berichtet eine Sprecherin des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen.

Mit Impfschutz keine Quarantäne

Insgesamt 49 Abiturienten aus Weilheim und Schongau wurden nun auch als Kontaktpersonen identifiziert. Davon müssen laut Landratsamt etwa 80 Prozent in Quarantäne. „Das Gesundheitsamt hat die Anordnung am frühen Morgen des 16. Juli, unmittelbar nach Kenntniserlangung von den möglichen Kontaktpersonen, erlassen“, heißt es auf Nachfrage der Heimatzeitung.

Die betroffenen Abiturienten müssen nun einen PCR-Test machen. „Bislang etwa 20 Prozent der betroffenen Personen konnten einen vollständigen Impfschutz nachweisen und unterliegen somit nicht der Quarantäne.“

Im Landratsamt Weilheim-Schongau befürchtet man nun einen ähnlichen „Rattenschwanz“ wie in Geretsried. „Wir müssen jetzt aber erst einmal die Ergebnisse abwarten“, so Breu. Genaueres liege wohl ab Montag vor. Bisher ist kein positiver Fall im Landkreis im Zusammenhang mit der Reise bekannt.

Abifeier verschoben

Die Teilnehmer der Abiturfahrt sind bereits seit acht Tagen wieder daheim und mussten bei ihrer Rückkehr nicht in Quarantäne. „Wir wurden während der Reise ständig getestet, auch nach der Rückkehr“, erzählen mehrere Schüler, die erst auf dem Schulhof von der Quarantäne erfuhren. Positiv sei kein Test ausgefallen. Auch nicht tags zuvor, als für den Gottesdienst alle einen Schnelltest gemacht haben, sagt Lehrer Richard Schwarz.

Bei den Abiturienten, ihren Eltern sowie dem Lehrpersonal am Schongauer Welfen-Gymnasium blieben am Freitagvormittag einige Fragen offen. Unklar war etwa, ob die Teilnehmer des Abitur-Gottesdienstes am Donnerstagabend auch in Quarantäne müssen, da sie dort Kontakt zu den Kroatien-Rückkehrern hatten – wenn auch mit Masken und Abstand.

Schulleiter Bernhard O’Connor telefonierte den ganzen Vormittag mit dem Gesundheitsamt, um die Lage abzuklären. „Wenn wir auch diese Abiturienten heimschicken müssen, bleiben nur wenige Schüler für die Feier übrig, in der Klasse 12a zum Beispiel nur noch zwei“, erklärte der stellvertretende Schulleiter Hubert Orthuber schließlich die Entscheidung, die Feier zu verschieben. Angedacht ist der 26. Juli. Die Klassen sollten eigentlich getrennt nacheinander die Zeugnisse erhalten – wie im Vorjahr.

Die erste Gruppe war schon vor Ort, als die Gymnasiasten des Welfen-Gymnasiums und ihre Familien von der Quarantäne sowie der Verschiebung der Abiturfeier erfuhren.

„Lieber verschieben als gar nicht feiern“

Auf großen Jubel traf der Beschluss nicht. Einige aufgebrachte Eltern machten ihrem Ärger Luft. „Aber in vollen Stadien wird Fußball gespielt“, rief eine Mutter. „Bald ist Bundestagswahl, da wissen wir, wo wir unser Häkchen setzen müssen“, schimpfte ein Vater.

„Sinn ergibt’s nicht“, sagte Jonathan Klein, der eigentlich sein Zeugnis entgegen nehmen wollte. „Aber lieber verschieben als gar nicht feiern.“ Besonders bitter ist die Entscheidung unter anderem für Paula Horner. Sie hatte bewusst auf die Fahrt verzichtet, um kein Risiko einzugehen. Trotzdem kann sie nun nicht bei der Zeugnisverleihung dabei sein – in einer Woche wird sie bereits reisen, alles schon gebucht.

In Weilheim, laut Landratsamt ebenfalls von der Quarantäneentscheidung betroffen, lief der Vormittag ganz anders ab: 144 Abiturienten feierten alle zusammen und mit ihren Eltern die Zeugnisverleihung.

Ihre Zeugnisse bekamen auch die Schongauer Abiturienten: wenig feierlich im Sekretariat. Teilweise mussten Eltern sie abholen, weil die Kroatien-Rückkehrer selbst nicht mehr ins Schulgebäude durften. „Das ist schon ein komisches Gefühl, das Zeugnis in der Hand zu halten, aber noch auf die Verleihung warten zu müssen“, sagte Sofia Edinger. Trotzdem nimmt sie es wie der Großteil gelassen hin. „Dann halt am 26.“

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