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Dana Walter muss an vielen Fronten um Unterstützung für ihren Sohn kämpfen.

Schulbegleiter teilweise gestrichen

Schongauer Mutter kämpft für autistischen Sohn

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Dana Walter ist völlig verzweifelt: Seit zwei Wochen sind für ihren autistischen Sohn die Schulbegleiter-Stunden drastisch reduziert. Und ab Montag muss sie sich einer OP unterziehen. Letzte Hoffnung ist ein Eilantrag beim Verwaltungsgericht. Luft verschafft kurzfristig die AOK, die unbürokratisch für begrenzte Zeit die Beförderung des Kindes zur Schule übernimmt.

Schongau – „Das Jugendamt darf mir meinen Schulbegleiter nicht nehmen! Ich will auch in Ruhe lernen dürfen!“ Dieser Hilferuf stammt von einem Schongauer Buben. Maikel wurde am Freitag zehn Jahre alt. Er besucht die vierte Klasse einer Grundschule. Dass er nicht mehr die Grundschule in Schongau besuchen kann, wäre allein schon eine viele Zeilen füllende Geschichte. Kurz gesagt: Laut Mutter Dana Walter wurde er dort massiv gemobbt. Die Erfahrungen bis Mitte drittes Schuljahr im riesigen Schulzentrum hätten das autistische Kind geradezu traumatisiert.

Aufgenommen wurde Maikel vor einem Jahr in der kleinen Grundschule in Forst. „Ein Glücksfall“, sagt die Mutter. „Er ist dort froh und glücklich.“ Maikel hat sich stabilisiert, hat Freunde gefunden, geht wieder gerne zur Schule. Seine große Stütze während des Unterrichts: eine Schulbegleiterin.

Jugendamt Schongau hat einfach die Stunden der Schulbegleiterin zusammengekürzt

Zum Halbjahr kam jetzt die Hiobsbotschaft: Das Jugendamt Schongau kürzte die Stunden der Schulbegleiterin auf zehn Wochenstunden. Seit zwei Wochen ist Maikel also an drei Tagen alleine in Forst. „Es ist eine Katastrophe“, sagt die Mutter, die sofort nach dem Bescheid alle Hebel in Bewegung gesetzt hat, um die Entscheidung rückgängig zu machen. Laut Mutter sind sich Schule, Ärzte wie auch Fachstellen einig. Die aktuelle Stellungnahme etwa des Mobilen Sonderpädagogischen Dienstes (MSD) der Regierung von Oberbayern ist absolut eindeutig: „Ein Integrationshelfer ist im vollen Unterrichtsstundenmaß dringend erforderlich.“

So weit, so klar, sollte man meinen. Da das Jugendamt dennoch an der Stundenreduzierung der Schulbegleiterin festhalten will, schaltete Dana Walter einen Anwalt ein. Patrick Beausencourt aus Weilheim stellte einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht, der seinen Namen eigentlich nicht mehr verdient. Datum: 28. Februar. Die Entscheidung steht aus, die Zeit drängt. Dass das Gericht für Maikel entscheiden wird, daran lässt der Anwalt keine Zweifel. Zwar sei der Ermessensspielraum der Jugendämter laut Rechtsprechung relativ groß, aber alle Stellungnahmen eindeutig. „Das Jugendamt hat seinen Rahmen verlassen“, so Beausencourt. Seitens des Jugendamtes gibt es hierzu derzeit keine Stellungnahme. „Wir warten die Gerichtsentscheidung ab“, so Hans Rehbehn, Pressesprecher im Landratsamt.

Auch Fahrtkosten will niemand übernehmen

Leider ist die Geschichte von Maikel an dieser Stelle noch nicht zu Ende. Denn: Seit der Bub die Schule in Forst besucht, kümmert sich die Mutter alleine darum, dass das Kind zur Schule kommt. Sprich: Sie fährt täglich zwischen Schongau und Forst hin und her. Kostenübernahme? Bisher Fehlanzeige. Keiner will laut Dana Walter dafür zuständig sein: Das Landratsamt nicht, die Stadt Schongau nicht. „Ich würde ganz gerne wieder meine Arbeit aufnehmen, kann ich derzeit nicht, weil mir vormittags zu wenig Zeit bleibt“, ist das Dilemma der gelernten Altenpflegerin.

Würde Maikel beispielsweise das Sonderpädagogische Förderzentrum, die Schönachschule in Altenstadt, besuchen, stünde täglich ein Klein-Bus vor der Türe. Aber: Maikel ist intelligent, der IQ kurz unterhalb der Hochbegabtengrenze. Ab Herbst kann er, mit Schulbegleiter, eine weiterführende Schule besuchen. Die Realschule in Schongau kommt aufgrund ihrer Größe nicht in Betracht, Maikel braucht einen kleinen, behüteten Rahmen. Die täglichen Fahrten kann die Mutter zeitlich nicht mehr übernehmen, von den Kosten ganz zu schweigen.

Und ab Montag? Dana Walter hat eine Operation vor sich. Bis Donnerstagabend wusste sie nicht, wie ihr Kind in den kommenden zwei Wochen nach Forst in die Schule kommt. Obwohl die AOK davon ausgeht, dass die Beförderung zur Schule auch während des Krankenhausaufenthalts Sache eines Trägers der Eingliederungshilfe wie dem Jugendamt ist, „übernehmen wir zunächst unbürokratisch die Kosten“, so Pressereferent Steffen Habit.

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