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Desinfektion ist dieser Tage oberstes Gebot: Das gilt auch für gern bespielte Schleich-Einhörner und -Dinosaurier. Jeanette Wollenschläger, Ramona Bach und Corinna Grauer waschen und desinfizieren Spielzeug.  

Ausnahmezustand an Schulen und Kindergärten im Landkreis

Auch die Schüler sind im „Homeoffice“

  • Barbara Schlotterer-Fuchs
    vonBarbara Schlotterer-Fuchs
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  • Kathrin Hauser
    Kathrin Hauser
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Der gestrige Montag war Tag Nummer eins eines wochenlangen Ausnahmezustands: Wegen der Corona-Pandemie bleiben Schulen und Kindergärten im Landkreis vorerst geschlossen. Dennoch wird weiter gearbeitet und unterrichtet, wie Erzieherinnen und Schulleiter berichten.

Landkreis – 8 Uhr, Alfons-Peter-Grundschule Peiting. Alle Lehrer sind da. Einige Eltern müssen noch Bücher und Hefte abholen. Für die Schüler steht „Home Office“ an. So steht es auf dem Drei-Wochen-Stunden-Plan, der am Freitag die Drucker in der Schule hat heißlaufen lassen. Jeden Tag eine Mathe-Hausaufgabe und einmal Deutsch. Notprogramm.

„Wir haben von einer Mutter eine Betreuungsanfrage bekommen. Sie hat jetzt noch frei, muss aber dann wieder als Krankenschwester in Schongau arbeiten.“ Konrektorin Verena Deppler schließt die Tür zur Konferenz. Wie die Lehrer mit Dienstpflicht und der Tatsache umgehen, dass Kontakt eigentlich gemieden werden soll: Das ist zu diesem Zeitpunkt noch unklar. „Ich denke aber, dass wir uns nicht mehr treffen“, sagt Deppler. Betroffen sind davon auch die Schuleinschreibungen, die Ende März stattgefunden hätten.

Im Gebäude nebenan: Desinfektionsmittel und Putzeimer im Einsatz. Die Betreuerinnen des Therese-Peter-Hauses für Kinder reinigen Schleich-Einhörner und -Dinosaurier. Waschen Wäsche. So wohl ist hier keinem. Eigentlich soll man sich ja nicht unbedingt treffen. Ein Kind ist diese Woche zur Notbetreuung da. In der nächsten Woche kommt ein weiteres hinzu. Wie es hier weitergeht? Schulterzucken. Das weiß zu diesem Zeitpunkt noch keiner.

Rektor Armin Eder hat nach der Konferenz an diesem Morgen alle Kollegen nach Hause geschickt. Das Kollegium der Pfaffenwinkel-Realschule Schongau ist bestens vorbereitet und hat schon vor eineinhalb Wochen alles auf Online-Unterricht umgestellt. Auf einer Plattform geben die Lehrer Dokumente ein, die Schüler laden zu Hause alles hoch und schicken die fertigen Arbeiten wieder an den Lehrer.

„Die Kinder sind mit diesem System flexibel, können ausschlafen.“ Die menschliche Komponente: Sie darf bei Rektor Eder nicht zu kurz kommen. Er fürchtet Konflikte in Familien, wenn Eltern und Kinder im Homeoffice heillos überlastet sind und wochenlang aufeinander sitzen.

Deshalb hat Eder eine Art Seelsorge über die Sozialpädagogen der Schule eingerichtet. Gibt es aufgrund der Ausnahmesituation Ärger in der Familie, können sich Betroffene jederzeit melden. „Das Kind kann dann auch einfach mal für ein paar Stunden in der Schule arbeiten, damit die Eltern mal kurz Luft haben.“ Ein Schüler der Pfaffenwinkel-Realschule nutzt das Angebot bereits jetzt auf Bitten der Mutter, die Ähnliches befürchtet.

Abgesehen von den organisatorischen Dingen, die laut Weilheims Gymnasiumsdirektorin Sitek ganz gut angelaufen sind, fühle sich dieser erste Schultag ohne Schüler unwirklich an: „Es ist als ob sich eine Decke über alles gelegt hat“, sagt sie. „Jetzt wäre eigentlich Pause und der Pausenhof voller Schüler, aber es ist alles ruhig und leer.“

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Auch wenn es in den vergangenen Tagen und Wochen viele Hiobsbotschaften rund um die Corona-Pandemie gab, Sitek hat auch Positives zu berichten: „Ich hatte sehr nette Gespräche in den vergangenen Tagen. Die Leute achten meines Eindrucks nach mehr auf ein gutes Miteinander.“ Ob es im Kollegium sei, unter der Schülern oder bei den Eltern, es sei viel Hilfsbereitschaft zu spüren gewesen. „Man rückt ein bisschen zusammen, obwohl man Abstand halten sollte“, sagt die Direktorin.

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