Im Klinikum Landsberg wurde Ende Oktober das 1000. Baby des Jahres geboren, Jakob Dachs aus Buchloe. In der Schongauer Geburtshilfe hatte man gehofft, dieses Jahr die Zahl von 600 Geburten zu schaffen
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Im Klinikum Landsberg wurde Ende Oktober das 1000. Baby des Jahres geboren, Jakob Dachs aus Buchloe. In der Schongauer Geburtshilfe hatte man gehofft, dieses Jahr die Zahl von 600 Geburten zu schaffen, dann hätte es finanzielle Zuschläge gegeben.

Aufsichtsratssitzung

Nach coronabedingter Schließung: Termin für Wiedereröffnung der Schongauer Geburtshilfe steht

  • Jörg von Rohland
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  • Barbara Schlotterer-Fuchs
    Barbara Schlotterer-Fuchs
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Nach der coronabedingten Schließung der Geburtshilfe am Schongauer Krankenhaus gibt es jetzt einen Termin für die geplante Wiedereröffnung. Für werdende Mütter ist das eine gute Nachricht.

  • Termin für die Wiedereröffnung der Geburtshilfe am Schongauer Krankenhaus steht.
  • Hebammen sollen finanziell entschädigt werden.
  • Derzeit wird an einem Hygienekonzept gearbeitet.

Update vom 13. November, 17.39 Uhr: Die Geburtshilfe im Schongauer Krankenhaus soll ab 1. Dezember wieder ihren Betrieb aufnehmen. Das teilten Landrätin Andrea Jochner-Weiß und der Geschäftsführer der Krankenhaus GmbH, Thomas Lippmann, am Freitagnachmittag nach der mit Spannung erwarteten Aufsichtsratssitzung mit. Obendrein wurde darin einstimmig beschlossen, dass die Hebammen für ihre bisherigen Einbußen bei der Geburtshilfe finanziell entschädigt werden.

Damit es im Dezember wieder losgehen kann, wird derzeit noch in enger Abstimmung mit dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) und dem Gesundheitsamt in Weilheim an einem extra Hygienekonzept für die Pandemiezeit gearbeitet. Und zwar federführend von Ärzten, Hygienikern und Hebammen. Laut Krankenhauschef Lippmann wird dazu die Klinik in zwei streng voneinander getrennte Bereiche aufgeteilt. In „Schongau 1“ sollen zunächst auch weiterhin ausschließlich Covid-19-Patienten aufgenommen werden, „Schongau 2“ wird der Geburtshilfe vorbehalten bleiben.

Sollte sich abzeichnen, dass der 1. Dezember als Termin nicht gehalten werden kann, ist für den 27. November eine weitere Aufsichtsratssitzung geplant, in der dann über das weitere Vorgehen beraten wird (Bericht folgt).

Update vom 12. November, 17.20 Uhr: Jetzt hat das Landsberger Krankenhaus auf die Berichterstattung über Engpässe bei der Geburtshilfe reagiert. „Augenblicklich übernehmen unsere Hebammen auch Geburten aus Schongau; eine Selbstverständlichkeit um Gebärenden zu helfen und eine gute Entbindung zu ermöglichen“, wird der Vorstand des Klinikum Landsberg, Marco Woedl, in einer Pressemitteilung zitiert. „In Corona-Zeiten müssen alle zusammen halten.“

Die Geburtshilfe im Klinikum Landsberg habe weiterhin uneingeschränkt geöffnet, heißt es weiter. Eine Anmeldung zur Entbindung sei nicht erforderlich. Einzig Frauen, die ein medizinisches Problem haben (z.B. Schwangerschaftsdiabetes, Bluthochdruck, Zustand nach Kaiserschnitt usw.) werden gebeten, unter 08191/333-1010 einen Termin in der gynäkologischen Ambulanz zu vereinbaren.

Erstmeldung vom 12. November, 8 Uhr: Landkreis – Wie wichtig die Geburtshilfe am Standort in Schongau ist, zeigt sich bei unserer Recherche: Verzweifelte Hochschwangere, überlastete Hebammen – also diejenigen, die derzeit noch praktizieren dürfen. Wie berichtet, nach dem Corona-Ausbruch am Schongauer Krankenhaus wurde auch die Geburtenstation dicht gemacht.

Hebamme Andrea Reis spricht für die Hebammenpraxis in Peiting, wo bis auf Entbindungen das komplette Programm angeboten wird. Die meisten Schwangeren in dieser Praxis hatten eine Entbindung in Schongau geplant. „Viele haben Angst“, sagt sie. Vor allem Mütter, bei denen jetzt die Geburt des zweiten oder dritten Kindes ansteht, fürchten, dass es zu schnell gehen könnte und sie den weiteren Weg zu den Krankenhäusern in den anderen Landkreisen nicht mehr schaffen könnten.

In anderen Kliniken fehlt es an persönlicher Betreuung

Alle Gebärenden, die man bislang in andere Kliniken habe schicken müssen, hätten dort schnell gemerkt: Es fehlt an der persönlichen Betreuung. „Die Hebammen in den anderen Krankenhäusern sind total überlastet“, so Reis. Die Peitinger Hebamme berichtet von einer Nacht im Landsberger Kreißsaal, in der zusätzlich sechs Frauen, die eigentlich in Schongau hätten entbinden wollen, in Landsberg lagen. Plus der dort ursprünglich geplanten Geburten. Für die Hebammen in Landsberg: Kaum mehr schaffbar. Zumal hier auch noch die Schließung der Geburtshilfe am Krankenhaus Schwabmünchen im Jahr 2018 abgefedert werden muss.

Informationen unserer Zeitung zufolge soll das Krankenhaus Landsberg bereits vorgefühlt haben, ob Schongauer Hebammen jetzt dort in der Geburtshilfe einspringen können.

Anfragen wegen der Betreuung bei Hausgeburten gestiegen

Einen spontanen Anstieg bei der Anfrage auf Hausgeburten kann Hebamme Theres Waldmüller aus Pähl verzeichnen, die sich – nach vielen Erfahrungen als Beleg-Hebamme in diversen Krankenhäusern – auf Hausgeburten spezialisiert hat. Dass jetzt immer mehr in den eigenen vier Wänden entbinden möchten, „das hat sich durch Corona so ergeben“, erzählt sie. Viele Schwangere würden sich daheim sicherer fühlen – oder eben auch nach einer ambulanten Geburt schnell wieder nach Hause gehen. Dies bestätigt auch Andrea Reis.

Ambulante Entbindung heißt: Sechs Stunden nach der Geburt geht es mit dem Neugeborenen ins sichere Zuhause. Allerdings stoßen die Hebammen, die derzeit noch ihrem Dienst nachgehen können, bei der häuslichen Versorgung an ihre Grenzen. Reis: „Wir haben Aufnahmestopp für ambulante Geburten.“ Übrigens: Anfragen sind bei Theres Waldmüller auf längere Sicht aussichtslos. „Ich bin bis April voll.“

In Schongau bieten die Hebammen weiter die Vorsorge und Nachsorge über die Frauenarztpraxen an

Auch bei der Schongauer Hausgeburts-Hebamme hat sich Corona deutlich bemerkbar gemacht. Ein Drittel mehr Anfragen nach Hausgeburten kann sie verzeichnen. „Und auch die Nachsorgen nach ambulanten Geburten sind bei mir ganz deutlich nach oben gegangen.“ Dies sei allerdings bereits seit dem Pandemie-Ausbruch im März der Fall.

Die Schongauer Hebammen indes bieten weiter Vorsorgen in den Frauenarztpraxen an, ebenso die Nachsorgen zu Hause. Das Bangen und Hoffen, wann die Schongauer Geburtshilfe wieder geöffnet werden kann, geht weiter.

Schwangere haben Angst und wünschen sich rasch die Öffnung der Schongauer Geburtshilfe

Wir haben uns mit Frauen unterhalten, die kurz vor der Geburt stehen. Alle drei haben die Hoffnung, dass die Geburtshilfe in Schongau doch noch rechtzeitig wieder geöffnet wird. Carina Weihofen (27) aus Hohenpeißenberg: Für die gebürtige Schongauerin, die heute in Hohenpeißenberg lebt, ist die vorläufige Schließung der Geburtshilfe Schongau eine persönliche Katastrophe: Das erste Kind hat sie für eine Erstgebärende quasi im Schnelldurchgang bekommen. Die Angst ist groß, das zweite Kind könnte im Auto das Licht der Welt erblicken. Schließlich schafft man es von Hohenpeißenberg aus in keine andere Geburtsklinik unter 45 Minuten Fahrtzeit. Schon bei der ersten Geburt hatte sich die Realschullehrerin bewusst für eine Entbindung in der Heimat-Klinik in Schongau entschieden. Damals lebte sie noch in München. Bei einem Besichtigungs-Termin in einer Hauptstadt-Geburtenstation war schnell klar: „Dort hat man vor lauter Füßen keinen Boden gesehen.“ Fließband lässt grüßen. Wie gut, dass die junge Frau, als die Wehen vor der Geburt des ersten Kindes eintreten, mit ihrem Mann bei den Schwiegereltern in Hohenpeißenberg war. Zwei Wochen vor Termin ist das. Sie schaffen es nach Schongau. Und sind begeistert.

In Schongau ist „die Atmosphäre toll“

„Die Atmosphäre ist toll, durch die Geburtsvorbereitungskurse kennt man schon alle Hebammen.“ Schnell ist Carina Weihofen klar: Sollte sie mal wieder entbinden, „dann ganz klar wieder in Schongau.“ Vor lauter Verzweiflung hat sie jetzt an die Landrätin geschrieben. An die Fraktionsvorsitzenden des Kreistags. An den Geschäftsführer der Krankenhaus GmbH, Thomas Lippmann. Geschildert, dass sie „als hochschwangere Mutter in höchster Unsicherheit“ lebe. Für Carina Weihofen steht fest: „Wenn die Geburtshilfe Schongau öffnet, würde ich mich sofort für eine Geburt dort entscheiden – auch wenn die Situation am Krankenhaus dort gerade so ist.“ Dafür gibt es nicht nur emotionale Gründe, sondern auch pragmatische: In anderen Krankenhäusern, so die Hochschwangere, würde das Personal derzeit einfach gar nicht getestet – aus Angst vor den Ergebnissen. Um so sicherer dürfte es da auf einer Geburtshilfe-Station mit ausnahmslos mehrfach negativ getesteten Hebammen sein. Ihr Plan B? „Ich hoffe auf Schongau.“ Zumal sie betont: Eine Geburtshilfe sei Aufgabe des Landkreises.

In Landsberg sind keine Termine mehr frei

Madeleine Friebel-Pfeifer aus Peiting (35 Jahre): Die Zweifach-Mama hat bereits zwei Mal in Schongau entbunden. Die Betreuung dort, so erzählt sie: „1A. Die vertraute Umgebung, die tollen Hebammen und Frauenärzte – hier kann man sich wohlfühlen.“ Zu Beginn, als die Schließung bekannt geworden war, hatte sie noch Hoffnung. Als die immer geringer wurde, hatte sie Kontakt mit der Geburtshilfe im Klinikum Landsberg aufgenommen. „Die haben mir am Telefon gesagt, dass ich eigentlich keine Chance hätte, sie hätten keine Termine frei.“ Das ganze sei quasi ein Glücks-Roulette. „Mal haben sie zwei Geburten, mal zwölf.“ Also Garmisch? Die Angst ist groß, dass es vielleicht zu schnell geht mit dem Baby. Hinzu kommt die Erinnerung an zwei Geburten, die alles andere als unkompliziert waren. Die Hoffnung liegt weiter auf Schongau.

In Schongau ist es noch „familiär und persönlich“

Franziska Barnsteiner (30) aus Steingaden: Mental hat Franziska Barnsteiner die vorübergehende Schließung der Geburtshilfe Schongau hart getroffen. Hatte sie doch bei der Entbindung des ersten Sohnes vor gut zwei Jahren durchweg positive Erfahrungen gemacht. „Die Hebammen und die Ärzte waren alle total hilfsbereit und einfühlsam.“ Sie hätte sich gut aufgehoben gefühlt. „Es ist dort nicht wie Geburtshilfe am Fließband – sondern familiär und persönlich.“ Auch sie würde sofort wieder in Schongau entbinden und hofft, dass bis Anfang Dezember eine Lösung gefunden wird.

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