1. Startseite
  2. Lokales
  3. Schongau
  4. Schongau

„Hätte ich das gewusst, wäre ich zuhause geblieben“: Journalistin geht zu Seherin - und erlebt ihr blaues Wunder

Erstellt:

Von: Theresa Kuchler

Kommentare

In den Karten sieht Wahrsagerin Tanja, dass bei der Kollegin in nächster Zeit viele Veränderungen anstehen.
In den Karten sieht Wahrsagerin Tanja, dass bei der Kollegin in nächster Zeit viele Veränderungen anstehen. © Hans-Helmut Herold

Sich die eigene Zukunft vorhersagen zu lassen, ist reizvoll und gleichzeitig angsteinflößend - findet zumindest eine Journalistin, die den Selbstversuch gewagt hat.

Schongau – Ein wenig mulmig ist mir schon, als ich in Tanjas verwunschenes Holzhäuschen schlüpfe. Die „Seherin“, wie sie eine Schriftrolle auf dem Historischen Markt in Schongau anpreist, folgt mir in den winzigen Raum und zieht den Vorhang hinter sich zu. Ich setze mich auf die Bank in der Ecke und warte, bis die 53-Jährige, die sich ein Stofftuch um die braune Stirn gewickelt hat und in lockere Batik-Kleidung gehüllt ist, vor mir auf dem Hocker Platz genommen hat. „Mischen“, sagt sie und drückt mir den Kartenstapel in die Hand.

Etwas unbeholfen komme ich der Aufforderung nach und versuche, die Karten so gut es geht durcheinander zu mixen. „Abheben“, heißt es dann. Als Tanja die ersten Karten auf die grüne Tischdecke legt, steigt in mir die Neugierde. Oder ist es Nervosität? Entspannt bin ich jedenfalls nicht. Das Räucherstäbchen, das neben mir immer wieder eine Duftschwade absondert, benebelt mich zusätzlich.

„Seherin“ legt auf Historischem Markt die Karten - sie sieht Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

„Es wird Zeit, aus der Komfortzone zu kommen“, sagt Tanja. Ah, jetzt geht es also gleich los, denke ich. Erst im nächsten Moment wird mir bewusst, dass die Seherin schon über mein Leben spricht. Mit jeder Karte, die sie aufdeckt, scheint sich der Wahrsagerin ein Bild von mir wie zu einem Mosaik zusammenzusetzen. Am Ende liegen 36 Karten zwischen uns, ordentlich aufgereiht in drei Grüppchen. Ich sehe bunte Bildchen, sie sieht mein Innerstes.

Die Karten, die am linken Rand liegen, stehen für meine Vergangenheit, erklärt Tanja. Die Mitte ist die Gegenwart und die Bildchen rechts sollen etwas über meine Zukunft verraten. Anders, als ich es erwartet hatte, erfahre ich aber erst einmal recht wenig über das, was mir so in den nächsten Jahren blüht.

Beruf, Familie, Liebe: Die Karten sagen, ich muss vieles verändern

Das liegt daran, dass ich mich noch zu sehr in meiner Vergangenheit bewege. Zumindest sagen das die Karten. „Aus der Position heraus kannst Du nichts bewegen“, erklärt mir die Seherin. Sie nimmt die Karte der linken oberen Ecke, auf der eine junge Frau abgebildet ist, und sagt, das sei ich. Um voranzukommen, müsse ich aus der linken in die mittlere Karten-Reihe – die Gegenwart. Das geht aber erst, wenn ich aus meiner „Passivität“ herauskomme. Und dazu muss ich anfangen, Entscheidungen zu treffen. Hm, denke ich, im Entscheiden bin ich tatsächlich nicht so gut.

(Unser Schongau-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus Ihrer Region. Melden Sie sich hier an.)

Tanja sieht außerdem, dass bei mir viele Veränderungen anstehen. Vor allem beruflich: eine neue Ausbildung oder Weiterbildung, vielleicht sogar ein ganz neuer Job. Komisch, immerhin arbeite ich doch erst seit einem knappen Jahr in meinem aktuellen Beruf. Und eigentlich hatte ich nicht vor, ihn so bald zu wechseln. Die Karten verraten jedenfalls etwas von Umbrüchen. Und die soll ich selbst auf den Weg bringen, ganz aktiv und ganz bald.

Auch über meine Familiensituation steht etwas in den Karten. „Du musst das Nest verlassen“, liest Tanja in den Bildern. Um meinen Weg zu finden, soll ich das Altbewährte, das Sichere hinter mir lassen. Eben raus aus der Komfortzone. Dabei dachte ich, dass ich das Nest schon längst verlassen habe.

Nach Besuch bei der Wahrsagerin ein wenig aus der Bahn geworfen

Die Stagnation, die sich laut der Karten durch mein aktuelles Leben zieht, macht auch in Sachen Liebe keinen Halt. Natürlich nicht. Daran bin aber nicht ich allein, sondern auch ein bisschen ein Mann schuld. Der steckt mit mir zusammen im linken Vergangenheits-Stapel fest, sagt Tanja. Sie gibt mir den Rat, ihn hinter mir zu lassen.

Nach knapp zehn Minuten sind die Karten schließlich ausgelesen. Ich bedanke mich bei der Seherin, die mich ehrlicherweise etwas aus der Bahn geworfen hat. Es war mein erstes Mal beim Wahrsagen. Hätte ich gewusst, dass ich jetzt so viel umwälzen muss, wäre ich vielleicht zuhause geblieben.

Alle News und Geschichten aus Schongau sind auf unserer Facebook-Seite zu finden.

Auch interessant

Kommentare