Seit 750 Jahren die „Perle Bayerns am Lech“

Seit 750 Jahren die „Perle Bayerns am Lech“

Mit einem Festakt im Ballenhaus ist der 750-jährigen Zugehörigkeit Schongaus zu Bayern gedacht worden. Der Rückblick sei ein fester Bestandteil bürgerlichen Zusammenlebens, „wir werden die Stadtgeschichte bewahren und weitergeben“, sagte Bürgermeister Falk Sluyterman vor rund 150 geladenen Gästen.

Schongau – Schongau mit seinen derzeit rund 12 000 Einwohnern und 7200 Arbeitsplätzen sei in der Gegenwart eine „liebenswerte und lebenswerte Industriestadt im Grünen“, und ihr wünsche er weitere 750 Jahre gute Zukunft“, so Schongaus Rathauschef Falk Sluyterman. Vom Handel und Wandel sei die Geschichte geprägt, ergänzte der CSU-Landtagsabgeordnete Harald Kühn: Von der Via Claudia und der Salzstraße bis zur heutigen Infrastruktur, von der Umgehung bis zur Datenautobahn, die erste Adresse, an die sich die Bürger wenden könnten, sei immer die Stadt.

Dies sah so auch der Dienststellenleiter des Landratsamtes in Schongau, Hans Rehbehn, der in Vertretung von Landrätin Andrea Jochner-Weiß Glückwünsche überbrachte. „Nationen entstehen und vergehen, was bleibt, sind die Kommunen und Städte“, so Rehbehn. „Die überstehen alles und sind Heimat seit Generationen.“

Rückblick in die Geschichte: Als mit der Enthauptung des Stauferkönigs Konrad II. am 29. Oktober 1268 in Neapel die Lechstadt Schongau zu Bayern fiel, „glaubten auch die Schongauer noch, die Erde sei eine Scheibe“, so Rehbehn. Doch Leben bedeute Entwicklung und Veränderung. Sicherheit boten von jeher die Überschaubarkeit der kleinen Gemeinden, das beschwerliche Leben war nur in der Gemeinschaft zu schaffen, Engagement und Miteinander hätten sich bewährt, die vielen kleinen Taten jedes Einzelnen die Stadt geprägt, sagte Rehbehn und resümierte: „Ein Geburtstag ist das Echo der Zeit.“

Die Zeit der vergangenen 750 Jahre hatte Kreisheimatpfleger Helmut Schmidbauer in seiner kurzweilig wie informativen Festrede mit dem Titel „Und auf dem Herzen ist es weiß und blau“ im Blick – Bezug nehmend auf das Wappentier der Stadt. „Haben die Bayern später den Wittelsbacher Löwen übernommen, so hat in Schongau der Adler der Staufer überdauert.“

1180 war die große Burg gegründet worden. Der obere Umlauf betrug 1,6 Kilometer, der von München seinerzeit 1,5 Kilometer. Nach rund 40 Jahren Bauzeit brachen die Bürger in Altenstadt ihre Häuser dort ab und bauten sie in Schongau wieder auf, eine damals gängige Art des Umzuges, wie Schmidbauer erklärte. „Deshalb zählten früher die Häuser auch zu den Mobilien, und nicht wie heute zu den Immobilien.

Im 16. Jahrhundert ging es mit Schongau steil bergauf, Schongau erhielt zahlreiche Privilegien, das Heilig-Geist-Spital und das Ballenhaus entstanden: Einige Jahrzehnte später jedoch drohte Ungemach: Das blühende und wohlhabende Schongau wurde von der Obrigkeit für jahrzehntelange Kriege (30-jähriger, spanischer Erbfolge-, Österreichischer und Bayerischer Krieg bis hin zu den Napoleonischen Kriegen) finanziell „ausgesaugt bis hin zur Katastrophe“. Missernten durch einen Klimawandel zur Kälte hin kamen hinzu.

„Daraus resultierte die Hexenverfolgung: 62 Frauen kamen so zu Tode“, fuhr Schmidbauer weiter fort. Dazu verlor Schongau alle seine Privilegien, 1840 war die Stadt „arm und langweilig“ so Schmidbauer, „und bis ins 20. Jahrhundert hat sie sich nicht mehr erholt“.

Dennoch hätten die Schongauer auch zu feiern gewusst, wie etwa bei dem Festmahl, das trotz der geplatzten Verlobung von König Ludwig II. mit Sophie von Bayern stattgefunden habe. „Die Stadt Schongau ist die Perle Bayerns am Lech“, so Schmidbauer.

Grußworte kamen auch von Regierungspräsidentin Maria Els und MdL Andreas Krahl (Grüne), musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde vom Bläserquartett der Musikschule Pfaffenwinkel.

Myrjam C. Trunk

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