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Alles verkauft: Die Bauflächen auf dem Gnettner Areal (das Bild stammt aus dem Sommer 2017) sind laut Bürgermeister „im Wesentlichen“ vergeben. Neues Bauland könnte in Schongau nun im Norden zwischen dem Krankenhaus und der Franz-Josef-Strauß-Straße (ganz am oberen Bildrand) ausgewiesen werden.

Serie zur Ortsentwicklung (18) 

Schongau plant den neuen Stadtteil

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„Bauen, Bauen, Bauen und nochmal Bauen!“, fordert die Bayerische Staatsregierung von Städten und Gemeinden. Wohnraum wird im Freistaat immer knapper. Wir wollen in unserer Serie zur Ortsentwicklung von den 22 Kommunen aus dem Verbreitungsgebiet der Schongauer Nachrichten wissen, wie stark sie in den kommenden 20 Jahren wachsen möchten und können. Heute: Schongau.

Schongau – Schongaus Bürgermeister Falk Sluyterman verweist vorab auf das integrierte städtebauliche Entwicklungskonzepts (ISEK) der Stadt. Mit ihm sollen alle relevanten Themenbereiche zusammengeführt werden. Die Bürger sind aufgerufen, sich zu beteiligen.Die Statistik sagt Schongau bis zum Jahr 2034 ein Bevölkerungswachstum zwischen 2,5 und 7,5 Prozent voraus. Ziel ist laut Sluyterman ein nachhaltiges Wachstum als Mittelzentrum mit hochwertigen Wohn-, Freizeit- und Erwerbsstandorten.

Junge Familien

Sowohl der Zuzug junger Familien als auch die Schaffung von Perspektiven für junge Erwachsene aus der Region hält der Rathauschef wichtig für eine ausgewogene Entwicklung des Ortes. Die Stadt versuche durch gezielte Investitionen in Bildung, Kinderbetreuung und Freizeit, Angebote für Familien zu schaffen. Als Beispiele dafür werden die Modernisierung des Schulzentrums, der Neubau des Hauses für Kinder, das Hallenfreibad Plantsch und der Bikepark genannt.

Senioren

Neben dem Neubau eines Senioren- und Pflegeheims mit rund 120 Betten am Krankenhaus durch einen privaten Investor verweist Sluyterman auf die ersten Planungen der Stadt für Betreutes Wohnen im Alten- und Pflegeheim der Heiliggeist-Spital-Stiftung in der Altstadt. Derzeit bietet dieses Platz für 114 Senioren. Und das „in fußläufiger Entfernung zum reichhaltigen Angebot der Innenstadt“, sagt der Bürgermeister. Parallel dazu würden „seniorengerechte Mobilitätsangebote“ wie der Stadtbus und kostengünstige Ammer-Lech-Tickets ausgeweitet sowie Maßnahmen für die Barrierefreiheit öffentlicher Gebäude und in der Altstadt sukzessive realisiert.

Einheimische

Im Rahmen der etwaigen Entwicklung neuer Baugebiete, insbesondere der Flächen im Schongauer Norden, sollen laut Rathauschef bei der Verteilung von Grundstücken Modelle für die einkommensschwächere ortsansässige Bevölkerung ausgestaltet werden. „In Übereinstimmung mit den aktuellen Rahmenbedingungen des EU-Rechts“, betont Sluyterman. Für das Modell kommen seinen Angaben nach Bewerber in Betracht, deren Vermögen und Einkommen bestimmte Obergrenzen nicht überschreiten. Bei der anschließenden Punkteverteilung könnten dem Kriterium der „Ortsgebundenheit“ bis zu 50 Prozent Gewichtung beigemessen werden.

Bauland

Ein erster Planungsansatz für die Entwicklung des neuen Baugebiets „Schongauer Norden“ sieht die Ausweisung von 6,7 bis zehn Hektar Fläche in fünf getrennten Einzelquartieren vor. Das mögliche Neubaugebiet liegt zwischen dem Krankenhaus und der Franz-Josef-Strauß-Straße. „Eine nachhaltige Planung mit großzügigen Grünzügen sichert eine hohe Wohnqualität für den möglicherweise neu entstehenden Stadtteil in Schongau“, freut sich der Bürgermeister.

Wer aktuell in der Lechstadt nach Bauland sucht, tut sich allerdings schwer. Die vorhandenen Bauflächen – zum Beispiel im Bereich des ehemaligen Gnettnerareals oder der Lechvorstadt – sind nach Angaben des Rathauschefs „im Wesentlichen an bauinteressierte Bürger“ veräußert worden. Nach der aktuellen Bodenrichtwertliste, die vom Gutachterausschuss des Landratsamtes Weilheim-Schongau erstellt wird, liege der Richtpreis für Wohnbauland in Schongau bei 200 Euro pro Quadratmeter.

Verdichtung

Im Rahmen des ISEK hat die Stadt ein Konzept in Auftrag gegeben, das vorhandene Potenziale zur Innenentwicklung untersuchen soll, konkrete Ergebnisse stehen noch aus. „Gleichwohl ist festzustellen, dass in einigen Bereichen der Stadt bereits eine Nachverdichtung stattgefunden hat und in absehbarer Zeit wohl stattfinden wird“, sagt Sluyterman zum Beispiel mit Blick auf das Grundstück des ehemaligen Josefsheim in der Liedlstraße oder die ehemaligen städtischen Forsthäuser an der Greifenstraße.

Infrastruktur

Sei es die Einführung der Ganztagsschule im Grundschulbereich oder der Neubau des Hauses für Kinder: Bei den aktuellen Investitionen in die Infrastruktur habe die Stadt stets die geplanten Projekte und deren Einfluss auf die Bevölkerungsentwicklung berücksichtigt, erklärt der Rathauschef. Als erster Baustein des ISEK wurde seinen Angaben nach ein Einzelhandelskonzept erstellt, das der Stadt einen guten Versorgungsstandard bescheinigt und als Leitfaden für zukünftige Entwicklungen im Bereich der Versorgung dienen wird.

Gewerbeansiedlung

Die Stadt hat mit einer Änderung des Flächennutzungsplans die Entwicklung weiterer Gewerbeflächen im Bereich des Gewerbegebiets „Äußeren Westens“ und des möglichen Neubaugebiets „Schongauer Norden“ angestoßen. Etwa 20 Hektar sollen in Zukunft den ermittelten Gewerbeflächenbedarf decken. Der Bürgermeister verweist dabei auch auf geplante Kooperationen mit den Gemeinden des Ammer-Lech-Landes: mit der Zielsetzung, interkommunale Gewerbegebiete zu entwickeln. Zudem möchte Sluyterman durch eine moderate Hebesatzpolitik bei der Gewerbesteuer erreichen, „dass sich neue Betriebe in Schongau ansiedeln und dass vor allem das ansässige Gewerbe Investitionen am Standort vornimmt, die wiederum der Sicherung von gut bezahlten Arbeitsplätzen dienen“, blickt der Rathauschef voraus.

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